Stand: 10.02.2016 16:42 Uhr

Zentrum soll bei Konflikten mit Wölfen helfen

Bei Naturschützern sorgt die Rückkehr des Wolfes in Niedersachsen für Euphorie, bei Tierhaltern für Ärger - und in der Politik für oftmals heftige Diskussionen. Für ihre Forderung, auffällige Wölfe künftig abzuschießen, haben niedersächsische Nutztierhalter bereits Unterstützung von der Opposition aus CDU und FDP erhalten. Die Regierung dagegen verweist auf die Gesetzeslage, wonach der Wolf streng geschützt ist. Bei strittigen Fragen wie diesen greift künftig auch der Bund den für Wolfsfragen verantwortlichen Landesbehörden unter die Arme. Ein Beratungs- und Dokumentationszentrum im sächsischen Görlitz soll die wachsende Population beobachten und in Konfliktfällen helfen.

Bundesweite Koordinationsstelle

Die von vier Institutionen getragene Koordinationsstelle soll bundesweit Daten zur Ausbreitung der Wölfe sammeln und beratend tätig sein. Dafür stellt das Bundesumweltministerium für drei Jahre 425.000 Euro zur Verfügung. Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sei Grund zur Freude für Umweltschützer, aber auch "eine große Herausforderung, weil das Nebeneinander von Mensch und Wolf vielerorts erst wieder neu erlernt werden muss", so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie verwies auf Konflikte mit Nutztierhaltern, Schäfern, Jägern und auch besorgten Anwohnern in Wolfsregionen. "Unsere Aufgabe ist es, diese Konflikte vernünftig zu regeln und möglichst klein zu halten." Angesichts niedriger Populationszahlen des Wolfes sagte die Ministerin: "Es wird noch lange dauern, bis er in Deutschland wieder einen stabilen Bestand aufbauen kann."

Glosse

Kommt ein Wolf in eine Beratungsstelle ...

11.02.2016 18:25 Uhr
NDR Info

Des einen Freud, des anderen Leid: Ein neues Wolfs-Beratungszentrum soll bei Konflikten mit den Raubtieren helfen. Marcel Güsken bittet in seiner Glosse auf ein Wort. mehr

Was tun, wenn sich ein Wolf nähert?

Unterdessen hat sich auch die niedersächsische Landespolitik einmal mehr mit dem Thema Wolf beschäftigt. Bei einer Anhörung im Landwirtschaftsausschuss des Landtages ging es am Mittwochnachmittag unter anderem um die Frage, wie Menschen sich verhalten sollten, wenn sich ihnen ein Wolf nähert. Und ob sich Schaf- und Rinderherden wirksam gegen Wolfsangriffe schützen lassen. Die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere in Niedersachsen nimmt zu, weil auch die Zahl der Wölfe steige, das machten Vertreter der Landesjägerschaft im Landwirtschaftsauschuss deutlich. Trotzdem wollen die Jäger Wölfe derzeit nicht ins Jagdrecht übernehmen, denn als europaweit geschützte Tierart dürften sie selbst dann nicht geschossen werden. Dass der Wolf ins Jagdrecht überführt wird, lehnt auch der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen ausdrücklich ab. Die Opposition im Landtag, CDU und FDP, fordert aber genau das. In wenigen Jahren könnte es so viele Wölfe in Niedersachsen geben, dass sie bejagt werden müssten.

Nutzlose Zäune, zu wenig Entschädigung

Der Verband der Weidetierhalter fordert von der Landesregierung deshalb, aktiv zu werden. Sie müsse sich beim Bund und bei der EU dafür einsetzen, den Artenschutz für den Wolf zu lockern. Sonst sei das Halten von Rindern und Schafen in der freien Natur in Niedersachsen bald nicht mehr möglich. Wölfe seien für Weidetiere eine ständige Bedrohung, gegen die ein Schutz kaum möglich sei. So sieht es auch das Landvolk Niedersachsen. Wölfe würden zunehmend die Scheu vor dem Menschen verlieren; es stelle sich die grundsätzliche Frage, ob in einem dichtbesiedelten Land wie Niedersachsen noch Platz für das Raubtier ist. Etliche Schafhalter im Land sehen sich in ihrer Existenz gefährdet. Zäune würden kaum helfen und die finanziellen Entschädigungen reichten nicht, klagen sie.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.02.2016 | 16:00 Uhr