Stand: 28.02.2017 21:25 Uhr

Unterrichtsversorgung liegt bei 98,9 Prozent

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Kultusministerin Heiligenstadt steht wegen Lehrermangels und Schulausfall in der Kritik.

Von einem "richtig guten Ergebnis" hat Niedersachsens Kultusminister Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen zur Unterrichtsversorgung im Land gesprochen. Der Wert liegt im Durchschnitt bei 98,9 Prozent - das allerdings ist der niedrigste Wert der vergangenen Jahre. Im vergangenen Schuljahr hatte der errechnete Wert für die allgemeinbildenden Schulen noch bei 99,5 Prozent gelegen, im Jahr davor bei 101 Prozent. Angesichts des Lehrermangels auf dem Arbeitsmarkt und der vielen Flüchtlingskinder sei die Situation an den Schulen aber besser als erwartet, wie die zuletzt häufig kritisierte Ministerin mitteilte. "Der Pflichtunterricht an niedersächsischen Schulen ist gesichert." Bei einer Unterrichtsversorgung unter 100 Prozent kann der normale Unterricht durchaus sichergestellt werden - doch für zusätzliche Angebote wie Ganztagsunterricht, Förderstunden, Inklusion oder Hausaufgabenhilfe fehlt dann häufig das Personal.

Grundschulen weit vor Förderschulen

Unter den Schulformen gibt es laut Heiligenstadt deutliche Unterschiede: Die höchste Unterrichtsversorgung gibt es den erhobenen Daten zufolge mit 100,8 Prozent an Grundschulen, gefolgt von Gymnasien mit 99,8 Prozent. Gesamtschulen (98,8 Prozent), Realschulen (97,9 Prozent) und Hauptschulen (96,3 Prozent) stehen immer noch besser da als etwa Oberschulen (95,9 Prozent) und Förderschulen (95 Prozent).

Was verbirgt sich hinter der Unterrichtsversorgung?

Die Unterrichtsversorgung ist ein theoretischer Wert, der etwas darüber aussagt, wie eine Schule mit Lehrern ausgestattet ist. Bei der Unterrichtsversorgung wird der Lehrerstundenbedarf der einzelnen Schule, die sogenannten Sollstunden, ins Verhältnis zu den zugewiesenen Lehrerstunden (Ist-Stunden) gesetzt. Der Bedarf berechnet sich aus dem Pflichtunterricht der einzelnen Fächer und zusätzlichem Bedarf an Stunden, etwa für Inklusion, Ganztagsbetreuung und Sprachförderung, sowie aus sogenannten Poolstunden.

Bei unter 100 Prozent ist Ausfall programmiert

Die Unterrichtsversorgung gibt an, zu welchem Prozentsatz der vorgesehene Unterricht und zusätzliche Lehrerstunden für Inklusion, Ganztagsschule und Sprachförderung abgedeckt werden können. Will heißen: Bei einer Unterrichtsversorgung von 98,9 Prozent sind 1,1 Prozent Schulausfall programmiert - selbst wenn keine Lehrkraft krank wird. Soll der vorgesehene Unterricht gewährleistet werden, müsste die Versorgung bei mehr als 100 Prozent liegen. Über die Zahl der Stunden, die an den Schulen tatsächlich ausfallen, sagt der theoretische Wert wenig aus. "Sie können eine Schule haben, die 102 Prozent Unterrichtsversorgung hat, da sind fünf Erkrankungen. Dann fällt natürlich Unterricht aus", erklärt Kultusministerin Heiligenstadt.

CDU und FDP üben Kritik

Die Opposition warf der Ministerin dagegen Schönrechnerei vor. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, sagte, es sei blanker Hohn, dass die Kultusministerin die ermittelte Unterrichtsversorgung als Erfolg darstelle: "Jede Woche fallen mehr als 100.000 Unterrichtsstunden aus, das spüren Kinder und Eltern tagtäglich." Er bezieht sich dabei auch auf jene Stunden, die durch Krankheiten, Fortbildungen und Klassenreisen ausfallen. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, sagte: "Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen ist weiter gesunken." Heiligenstadt habe nichts unternommen, um den akuten Stundenausfall abzufedern.

"Stellen so viele Lehrer ein, wie wir können"

Dass die Unterrichtsversorgung unter die 100-Prozent-Marke gesunken ist, hat diverse Gründe. Einerseits waren im vergangenen Sommer nicht genug Lehrer auf dem Markt und ausgeschriebene Stellen wurden nicht besetzt. Dagegen versucht das Ministerium anzugehen: Zum zweiten Schulhalbjahr 2016/2017 wurden deshalb bislang 1.274 von 1.420 neu ausgeschriebenen Stellen besetzt, wie Heiligenstadt erklärte. "Wir stellen so viele Lehrer ein, wie wir können." Künftig will die Ministerin Personal mit Zuschüssen bei den Umzugskosten locken.

Ministerin verteidigt Hilfe für Flüchtlinge

Ein anderer Grund, warum die Unterrichtsversorgung nicht bei 100 Prozent liegt, sei auch, dass rund 36.000 schulpflichtige Flüchtlingskinder ins Land gekommen sind - von denen viele zunächst in Sprachlernklassen auf den Unterricht in Regelklassen vorbereitet wurden. Umgerechnet 2.300 Lehrer, so Heiligenstadt, seien im Sprachunterricht für die Flüchtlinge im Einsatz. Könnten diese Pädagogen anders eingesetzt werden, läge die Unterrichtsversorgung deutlich höher. Die Ministerin verteidigte aber die Hilfe für die Flüchtlinge als sinnvoll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.02.2017 | 16:00 Uhr

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