Stand: 13.04.2017 20:32 Uhr

Tanzverbot: Kommunen fordern lockereres Gesetz

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat mit Blick auf Tanzverbote am Karfreitag eine Lockerung der Feiertagsgesetze gefordert. Nötig sei eine "größere Anpassung an die gesellschaftliche Realität", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Es sei kaum nachzuvollziehen, dass das Tanzen verboten, Musik aber erlaubt sei. Eine Tanzveranstaltung in geschlossenen Räumen störe die Feiertagsruhe in der Regel nicht.

Forderung nach mehr "Spielräumen"

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Eine Tanzveranstaltung in geschlossenen Räumen stört die Feiertagsruhe nicht, meint Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Laut Landsberg geht es darum, den Christen die Möglichkeit zu geben, den Karfreitag in Stille zu begehen, ohne anderen ihre Lebensweise vorzuschreiben. Der Staat sollte dabei den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu feiern oder zu leben hätten. Der Hauptgeschäftsführer kritisierte auch, dass die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelten Tanzverbote auch andere öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Sportveranstaltungen beträfen. Hier müssten mehr "Spielräume" geschaffen werden. Landsberg verwies auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach ein generelles Tanzverbot an Karfreitag in Bayern verfassungswidrig und nicht vereinbar sei mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Versammlungsfreiheit.

Proteste gegen Tanzverbote in Hannover

Die Grüne Jugend Niedersachsen plant unterdessen, mit einer bunten, kreativen Demonstration zu protestieren. Unter dem Motto "Tanzen gegen Tanzverbote" sollen die Demonstranten am Gründonnerstag vom Hauptbahnhof Hannover am Landtag vorbei zum Kulturzentrum Glocksee ziehen. Die Glocksee dürfe wegen des stillen Feiertags nicht öffnen, kritisierten die jungen Grünen, die die Aktion gemeinsam mit den Jugendorganisationen von SPD und FDP planen. Grüne-Jugend-Sprecher Timon Dzienus sagte: "Wir brauchen ein säkulares Verhältnis von Staat und Kirche anstatt religiös begründeter Eingriffe in die individuelle Freiheit." Die Partei "Die Partei" plant nach Angaben der Polizeidirektion am Ostersonnabend ebenfalls eine Aktion in Hannover. Das Motto "Ostern: Tanzen verboten - Nageln erlaubt".

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 13.04.2017 | 18:00 Uhr

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