Stand: 02.05.2017 19:05 Uhr

Tablets bei Klausuren: Verbände äußern Bedenken

Niedersachsens Schüler dürfen künftig in Klassenarbeiten Tablet-Computer benutzen. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will den Einsatz der Geräte bis hin zum Abitur zulassen. Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen kündigte die Ministerin einen entsprechenden Erlass an. "Wir planen, die Möglichkeit zu schaffen, dass digitale Endgeräte auch in Prüfungssituationen eingesetzt werden können, zum Beispiel auch in der Abiturprüfung", sagte Heiligenstadt. Die Ministerin sieht das Land damit in der Vorreiterrolle: "Niedersachsen wäre mit der Einführung das erste Bundesland, das diesen Weg geht."

Lob, aber auch Bedenken bei GEW und Verbänden

Grundsätzlich sei dies die richtige Entwicklung, meinen Lehrer und Elternverbände - doch wie das Ganze in der Praxis aussehen könne, sei nicht geklärt. Der Datenschutz sei nicht gewährleistet und der Einsatz der digitalen Geräte dürfe nicht davon abhängen, ob Eltern die Tablets bezahlen können, so der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt. Der Vorsitzende des Philologenverbands Niedersachsen, Horst Audritz, fordert, dass das Land die Geräte finanziert. Die Technik sei außerdem nur ein Hilfsmittel, die Qualität der Leistungen aber ohne dieses Hilfsmittel oft höher. Auch der Vorsitzende des Landeselternrates, Stefan Bredehöft, bewertet den Ansatz positiv, sagt aber, ein solcher Erlass schaffe noch keine notwendigen Kompetenzen bei Lehrern.

Tablet statt Wörterbuch

In Niedersachsen arbeiten bereits rund 1.000 Schulen mit digitalen Geräten, für sie bietet der geplante Erlass neue Möglichkeiten. Laut Heiligenstadt können die Tablets in der Klausur den Taschenrechner, die Formelsammlung oder das Wörterbuch ersetzen: "Diese Instrumente liegen zukünftig nicht mehr auf dem Tisch, sondern das Tablet", so Heiligenstadt. "Wenn man in einer Matheprüfung bisher eine normale Formelsammlung nutzen konnte, dann kann man zukünftig auch mit der Formelsammlungs-App auf dem Tablet arbeiten." Die Klausur an sich werde weiter mit der Hand auf Papier geschrieben, betonte die Ministerin.  

Internet wird blockiert

Für den Einsatz in den Klausuren müssten die Tablets über einen Prüfungsmodus verfügen, erklärte Heiligenstadt. Die Schüler dürften also nicht mehr ins Internet gelangen und auch nicht auf Dokumente auf dem Rechner zurückgreifen können. Das Prinzip: Freigeschaltet wird nur das, was die Schüler für die Prüfung brauchen - der Rest des Computers ist blockiert. Hier warf Audritz vom Philologenverband die Frage auf, wann und wie Lehrer überhaupt kontrollieren sollen, ob der Prüfungsmodus wirklich eingeschaltet ist.

Heiligenstadt: Niveau bleibt gleich

Dass das Abitur durch den Einsatz der Tablets entwertet wird oder Klausuren grundsätzlich leichter werden, sieht Ministerin Heiligenstadt nicht: "An der Prüfungssituation ändert sich überhaupt nichts. Die Leistungsanforderungen werden sich überhaupt nicht verändern." 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.05.2017 | 16:00 Uhr

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