Stand: 28.09.2016 16:41 Uhr

Niedersachsens Winzer freuen sich auf erste Reben

Zum ersten Mal hat der Bund nach einer EU-Reform kommerzielle Weinbaurechte an niedersächsische Winzer vergeben. Zehn Betriebe haben die begehrte Lizenz für zwölf Anbauflächen bekommen. Die Betriebe dürfen auf insgesamt 7,6 Hektar Reben anlegen und den Wein später verkaufen. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz beträgt die Anbaufläche 64.000 Hektar. Der Bund hat die Rechte in die Landkreise Göttingen, Lüneburg, Oldenburg und Schaumburg vergeben. Auch in der Region Hannover, im Ammerland in Osnabrück und in Friesland dürfen Betriebe nun kommerziell Wein anbauen.

Karte: Weinanbaugebiete in Niedersachsen

Ungenutztes Potenzial im Boden

Einer der zehn künftigen Weinbauern kommt aus dem Dorf Thomasburg bei Dahlenburg im Landkreis Lüneburg. Das Versuchsfeld der Familie Meyer mit der einjährigen Rebsorte Solaris ist so groß wie ein Schrebergarten. "Der Wein ist hier auf eine amerikanische Rebe aufgepfropft, weil diese gegen Rebläuse resistent sind", erklärt Vater Hans-Jürgen Meyer. Wie seine Söhne musste sich auch Meyer Senior komplett in den Weinbau einarbeiten. Sein Sohn Hannes Meyer hatte die Idee. Eigentlich steht er als Mathe- und Biolehrer voll im Berufsleben. Der Weinanbau soll zunächst nur Nebenerwerb sein. Denn der 31-Jährige sah ungenutztes Potenzial im Land der Familie. Einerseits trockener Boden, doch in den Tiefen feucht durch die Nähe zur Elbe. Laut Hannes Meyer ideale Bedingungen für den Weinanbau. Zudem biete sich Wein auch an, weil die Familie Südhänge hat.

Wein als Nebenerwerb für die Meyers

"Durch den Klimawandel muss man umdenken"

Möglich wurde das Projekt letztlich erst durch eine Reform der EU-Weinmarkt-Regelung. Nun darf nicht mehr nur in Süddeutschland, sondern auch im Norden professionell Weinanbau betrieben werden. Bisher war das nur hobbymäßig mit maximal 99 Weinreben erlaubt. Hannes Meyer ist überzeugt, dass sein Projekt funktionieren wird. Durch den Klimawandel müsse man umdenken, auch in der Landwirtschaft. "Und wahrscheinlich auch die Vielfalt erhöhen und neue Formen ausprobieren. Und ich denke, Wein gehört auf jeden Fall dazu." Rund 6.000 Quadratmeter will die Familie bewirtschaften. Mit den ersten Flaschen Wein aus eigenem Anbau rechnet die Familie dann im Jahr 2022.

"Bad Iburgunder" oder "Deisterrebe"?

Auch Agrarminister Christian Meyer (Grüne), der sich für die Pflanzrechte der niedersächsischen Betriebe eingesetzt hat, ist gespannt auf die erste Rebernte in Niedersachsen im neuen Genehmigungsverfahren. "Das wird in jedem Fall ein besonderes Ereignis", so Meyer. Und er hat auch schon einige Ideen für Rebsorten aus Niedersachsen: "Wie wäre es zum Beispiel mit 'Bad Iburgunder', 'Pinot Weserbergland', 'Deisterrebe' oder 'Grafschafter Chardonnay' - aber auch 'Harzraminer' oder 'Ostfriesen-Riesling' hätten was."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 28.09.2016 | 17:00 Uhr

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