Stand: 21.09.2015 07:05 Uhr

Windpark-Pläne auf Kosten der Schwäne?

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Eine Fotomontage zeigt, wie der geplante Windpark aussehen könnte.

Die Gegend rund um die Thülsfelder Talsperre ist ein Naturidyll: weite Wiesen, Wälder und im Winter Tausende von Zugvögeln, darunter seltene Zwerg- und Singschwäne. Ein Rückzugsgebiet für die Tiere von internationaler Bedeutung, sagen Vogelkundler. Doch dieses Idyll scheint nun bedroht. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) ist der größte Wasserverband Deutschlands. Nun will er auf eigenen Flächen in der Nähe einen Windpark errichten. Dafür hat er offenbar die Bedingungen einer Vogelzählung beeinflusst, wie Recherchen des NDR Fernsehmagazins Hallo Niedersachsen ergeben. Mitglieder einer Bürgerinitiative in der Gemeinde Molbergen (Landkreis Cloppenburg) sprechen von Manipulation. Im Herbst 2014, während einer laufenden Vogelzählung, sprach ein Mitarbeiter des OOWV einen Öko-Bauern an, er solle 15 Hektar Maisfläche abernten und die Erntereste unterpflügen. Eigentlich ein sinnloser Vorgang, denn der Mais war noch nicht reif. Doch weil der Bauer Pächter der OOWV-eigenen Flächen ist, sah er sich offenbar dazu gezwungen. Fanden die Schwäne danach keine Nahrung mehr? Der OOWV streitet den Vorgang nicht ab. Geschäftsführer Karsten Specht spricht von einem "Fehler" und bestreitet lediglich, dass das Gutachten dadurch beeinflusst wurde.

Modell-Windkrafträder stehen auf einer Fensterbank.

Vogelzählung für Windpark manipuliert?

Hallo Niedersachsen -

Bei einem geplanten Windpark an der Thülsfelder Talsperre wittern Kritiker Trickserei. Sie fürchten, dass die Pläne streng geschützte Zwerg- und Singschwäne bedrohen.

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Rund 700 Einwendungen gegen den Windpark

Dabei zeigt die Studie, die dem NDR vorliegt, eindeutig, dass die Zahl der besonders geschützten Zwergschwäne ausgerechnet unmittelbar nach der seltsamen Mais-Ernte rapide sank: von 134 Zwergschwänen auf null. Sie bleibt während der restlichen Beobachtungsperiode im niedrigen zwei- oder sogar einstelligen Bereich. Eine Verscheuchungs-Aktion mit der Absicht, Einfluss auf die Studie zu nehmen? So sieht es Stephan Nordloh von der Bürgerinitiative Gegenwind Molbergen. Die zuständigen Planungs- und Genehmigungsbehörden, also der Landkreis Cloppenburg und die Gemeinde Molbergen, sind Mitglied im OOWV, der für sie Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung erledigt. Stephan Nordloh hat daher Sorge, dass die Behörden die Einwände der Bürger nicht ernst genug nehmen könnten. Nach Angaben von Molbergens Bürgermeister Ludger Möller (CDU) liegen rund 700 Einwendungen von Bürgern gegen die Pläne vor, teils sehr umfangreich. Diese abzuarbeiten, werde mindestens bis November dieses Jahres dauern. Laut Möller tue die Gemeinde dies ergebnisoffen. Die Zustimmung werde sie nur geben, wenn die Einnahmen zur Abgabenstabilität beitragen.

OOWV kaufte auch Wohnhaus im Planungsgebiet

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Stephan Nordloh von der Bürgerinitiative Gegenwind Molbergen gehört zu den Kritikern.

Mit den Einnahmen aus dem Windpark im "Grönheimer Feld" möchte der OOWV nach eigenen Angaben die von den Bürgern gezahlten Abgaben stabil halten. Ob dies jedoch rechtlich überhaupt möglich ist, wird zurzeit vom Umweltministerium geprüft. Zwei Rechtsgutachten im Auftrag einer örtlichen Bürgerinitiative kamen zu dem Schluss, dass dies nicht möglich ist. Der OOWV ist der nach Fläche größte Wasserverband Deutschlands. Der Betrieb von Windkraftanlagen gehört laut Satzung nicht zu seinen Aufgaben. Trotzdem hat er 2012 die OOWV Energie GmbH & Co. KG als hundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet. Der Windpark soll auf OOWV-eigenen Flächen gebaut werden, die zum Zwecke des Wasserschutzes erworben wurden. Der OOWV kaufte außerdem auf Anweisung von Geschäftsführer Specht ein Wohnhaus, das dem Vorhaben im Weg steht. Welcher Preis dafür gezahlt wurde, sagte Specht gegenüber dem NDR nicht. Er verwies aber darauf, dass die Summe gegenüber 40 Millionen Euro Gesamtinvestitionen im Jahr nicht ins Gewicht falle. Über ein weiteres Wohnhaus befindet sich der OOWV in Verhandlungen. Was der OOWV mit den Häusern tun will, wenn der Windpark nicht gebaut wird, sagte Specht nicht. Die Frage stelle sich derzeit nicht.

Vogelschutzwarte hält Gutachten für methodisch unzureichend

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Auf Anweisung des Geschäftsführers wurde dieses inzwischen verwaiste Wohnhaus gekauft, weil es dem Windpark-Vorhaben im Weg steht.

Auch die Staatliche Vogelschutzwarte zweifelt deutlich an der Eignung des Gebiets. Dies geht aus einer internen Stellungnahme hervor, die dem NDR vorliegt. Zwerg- und Singschwäne halten sich im Winterhalbjahr an der nahe gelegenen Thülsfelder Talsperre auf. Sie sind nach Bundesnaturschutzgesetz streng bzw. besonders geschützt. Die Staatliche Vogelschutzwarte geht zwar von einem Meideverhalten der Tiere gegenüber Windrädern aus. Dies gelte jedoch nicht bei Dunkelheit oder schlechter Sicht. Vogelschützer beklagen immer wieder Vogelschlag bei Windparks. Die Vogelschutzwarte bemängelt außerdem, die angefertigten Gutachten seien methodisch unzureichend. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband kündigte an, ein weiteres Gutachten einholen zu wollen. An den Planungen hält er jedoch fest.