Stand: 01.03.2016 06:00 Uhr

Kirchen und Organisationen verbuchen Spendenrekord

von Holger Bock
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Kirchen und gemeinnützige Organisationen konnten 2015 wieder einen Spendenrekord verbuchen. (Themenbild)

Die Deutschen spenden gerne, sind hilfsbereit. Seit Jahren gehen die Spendensummen nach oben. Im vergangenen Jahr sind bundesweit nach Schätzungen mehr als fünf Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen und Kirchen gegangen. Wieviel genau, das will der Deutsche Spendenrat erst heute Mittag in Berlin veröffentlichen. Dann legt der Verband die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vor. Doch schon jetzt steht fest: 2015 ist wohl so viel Geld gespendet worden wie nie zuvor - nach 2014 erneut ein Spendenrekord.

Spendengewinner waren Not- und Katastrophen- sowie Flüchtlingshilfen

Hauptnutznießer der großen Hilfsbereitschaft waren die Not- und Katastrophenhilfen sowie alle Organisationen, die sich um Flüchtlinge gekümmert haben. Die Hauptlast der Betreuung von Flüchtlingen tragen Bund und Land über Steuermittel, doch die vielen gemeinnützigen Verbände und Initiativen finanzieren sich auch über Spenden. So manche Organisation, die nichts mit Flüchtlingen zu tun hatte, befürchtete schon Ende des vergangenen Jahres, aufgrund der Flüchtlingskrise mit weniger Spenden auskommen zu müssen.

Mehr Kinder: Niedersächsischer Kinderschutzbund fordert mehr Unterstützung

So zum Beispiel der niedersächsische Kinderschutzbund. Dort seien im vergangenen Jahr bei allen Kreis- und Ortsverbänden zusammen zwar Spenden und Beiträge in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro eingegangen, sagt der Landesvorsitzende Johannes Schmidt. Das sei in etwa so viel wie in den Vorjahren auch. Allerdings würden in den Kommunen nun auch immer mehr Flüchtlingskinder Hilfen benötigen. Um diese zusätzlichen Hilfen anbieten zu können, würde der Kinderschutz auch mehr Geld brauchen. Mit den vorhandenen Mitteln sei das nicht möglich, sagt der Landesvorsitzende Schmidt - auch mit Blick auf die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

Niedersachsens Tafeln: Spenden konstant hoch - Ehrenamtliche fehlen

Auch andere Institutionen in Niedersachsen mussten zwar keine Einbrüche durch die Flüchtlingskrise hinnehmen, übernehmen jetzt aber mehr und mehr zusätzliche Aufgaben. Die Hilfsbereitschaft sei weiterhin hoch, berichtet Karl-Heinz Krüger von den niedersächsischen Tafeln. Die Bereitschaft Nahrungsmittel zu spenden, sei immer noch hoch. Allerdings würden nun an einigen Standorten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer fehlen, weil die Zahl der Kunden auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen sei. Zu den neuen Kunden der Tafeln würden in vielen Kommunen mittlerweile eben auch die Flüchtlinge gehören.

Drogenberatung "Neues Land" spürt Umverteilung von Spenden zu Flüchtlingen

Andere Organisationen sind schon froh, wenn sie ihre Spendensumme der Vorjahre halten können. Doch genau das scheint vielen Initiativen auch gelungen zu sein, aber nur, weil die Spendensumme des Jahres 2015 insgesamt wieder erheblich angestiegen ist. Und nur deshalb gab es bei anderen Organisationen eben auch keine Einbrüche, höchstens ein paar Sorgenfalten - etwa bei der christlichen Drogenberatung in Hannover. Die Streetworker sind für ihre Arbeit auch auf Spenden angewiesen und spüren nach eigenen Angaben nun auch eine Umverteilung hin zu Flüchtlingen. Ähnlich sieht es bei der Obdachlosenhilfe aus, allerdings sieht man das beim Obdachlosenmagazin "Asphalt" in Hannover auch positiv. Soziale Themen seien wieder in der öffentlichen Diskussion präsent, das werde langfristig auch anderen Gruppen helfen, ist man sich dort sicher.

Tierschutzvereine in Niedersachsen mit Spendenjahr zufrieden

Weitgehend zufrieden mit dem Spendenaufkommen des Jahres 2015 ist beispielsweise Heiko Schwarzfeld vom Verband niedersächsischer Tierschutzvereine, dessen Mitglieder in Niedersachsen zahlreiche Tierheime betreiben. Ob gegen den Bundestrend in Niedersachsen auch im Umwelt- und Naturschutz die Spendensummen stabil geblieben sind, ist noch offen. Grundsätzlich spenden die Niedersachsen für Tier- und Umweltschutz offenbar überproportional mehr als beispielsweise die Menschen in Nordrhein-Westfalen, sagen jedenfalls die Konsumforscher der GfK.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.03.2016 | 08:00 Uhr