Stand: 25.01.2016 21:36 Uhr

Frauen zeigen sexuelle Übergriffe nur selten an

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Innenminister Boris Pistorius (r.) präsentierte die Ergebnisse der Studie zusammen mit LKA-Chef Uwe Kolmey.

Frauen werden häufig Opfer von sexuellen Übergriffen, doch nur in den wenigsten Fällen bringen sie diese auch zur Anzeige. Das ist das Ergebnis der zweiten Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen, die am Montag in Hannover vorgestellt wurde. Nach der auf einer Befragung basierenden Studie wurden 2015 nur 5,9 Prozent aller Sexualdelikte angezeigt, sagte LKA-Präsident Uwe Kolmey. "Das ist bemerkenswert und deutet auf eine Bagatellisierung bei den Opfern hin." Rund 1,5 Prozent der 40.000 Befragten hatten angegeben, Opfer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein.

Furcht vor Verbrechen schränkt vor allem Frauen ein

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sein Bedauern über die Diskrepanz zwischen der Zahl sexuell motivierter Taten und Anzeigen. Übergriffe im öffentlichen oder privaten Raum würden von Frauen oft schlichtweg ertragen und nicht angezeigt oder als Unrecht gesehen, sagte Pistorius. Die Studie würde zudem belegen, wie wichtig die Stärkung des Schutzes und der Unterstützung von Opfern sei. "Viele Menschen nehmen durch ihre Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden oder weil sie sogar schon Opfer wurden, immense Einschränkungen in Kauf", so Pistorius. "Insbesondere Frauen meiden bestimmte Straßen und Plätze, fahren abends und nachts nicht mehr Bus oder gehen nicht mehr aus."

Adressen und Anlaufstellen

  • Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, eine Einrichtung der Bundesregierung und bietet unter der Nummer 08000 116016 rund um die Uhr direkte kostenfreie Hilfe in 15 verschiedenen Sprachen an. Möglich sind auch Online-Beratungen.
  • Opfer von Kriminalität und Gewalt können sich an den Weißen Ring wenden. Die Hotline ist bundesweit ohne Vorwahl unter 116006 zu erreichen.
  • Wer sich nachts allein unsicher fühlt, kann unter der Nummer 030 12074182 den Service Heimwegtelefon nutzen. Die Telefonhotline will für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen, indem sie Menschen, die allein sind, telefonisch nach Hause begleitet.

Jeder Zehnte von Diebstahl betroffen

Schwere Delikte wie Raub oder Körperverletzung sind laut der Studie immer noch vergleichsweise selten. Nur 0,5 beziehungsweise 1,5 Prozent der Befragten gaben an, Opfer entsprechender Straftaten geworden zu sein. Deutlich größer ist die Gefahr demnach in Sachen Diebstahl und Computer-Kriminalität, von denen 11,7 beziehungsweise 11,6 Prozent der Teilnehmer betroffen waren.

Studie soll Prävention verbessern

Seit dem vergangenen Februar waren in 80 Kommunen insgesamt 40.000 Einwohner ab 16 Jahren zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität, ihrer Bewertung der Polizeiarbeit und ihrer Furcht vor Straftaten befragt worden. Etwas mehr als 51 Prozent der Fragebögen wurden zurückgeschickt. Die 2013 mit einer ersten Befragung gestartete Studie soll der Polizei helfen, die Prävention zu verbessern, Schwerpunkte zu setzen und die Menschen zu ermuntern, sich als Opfer von Straftaten auch tatsächlich an die Polizei zu wenden.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 25.01.2016 | 19:30 Uhr