Stand: 03.07.2015 19:00 Uhr

Energieunternehmen EEV meldet Finanzlücke

Das niedersächsische Energieunternehmen EEV hat seine Anleger über Finanzprobleme informiert. Zinszahlungen sind demnach fraglich. NDR Info und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) hatten mehrfach über Schwierigkeiten der Firma und ein Ermittlungsverfahren gegen EEV-Manager berichtet.

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Das Energieunternehmen EEV - hier ein Archivbild - steckt offenbar in großen finanziellen Schwierigkeiten.

Das Werbeversprechen der EEV AG klang erstaunlich gut. Wer bei dem Unternehmen, das ehemals in Göttingen seinen Stammsitz hatte, sein Geld in ein Biomasseheizkraftwerk und in ein geplantes Offshore-Windparkprojekt investiert, der tut nicht nur etwas für die Umwelt - er kann auch bis zu neun Prozent Rendite einstreichen. So war es in Werbeprospekten des Unternehmens zu lesen. Hunderte Anleger steckten daraufhin 25 Millionen Euro in die EEV AG. Doch für das zurückliegende Jahr wird die EEV AG wohl keine Rendite ausschütten. Im Gegenteil: Das Unternehmen steckt in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Das geht aus einem Schreiben des Unternehmens an die Anleger hervor.

Keine Zinsen für die rund 2.400 Anleger?

In dem Papier, das NDR Info und der "HAZ" vorliegt, überbringt die EEV AG ihren Geldgebern gleich mehrere schlechte Nachrichten. Demnach hat die Firma in den vergangenen Jahren ein Drittel weniger Geld bei Anlegern eingesammelt, als erwartet. Zudem habe das EEV-Biomassekraftwerk in Papenburg wegen Reparaturen nicht die erwarteten Gewinne eingefahren. Für einen Teil der Anlagen könnten deshalb in diesem Jahr "nach aller Wahrscheinlichkeit" nicht die zugesagten Zinsen ausgezahlt werden, zunächst müsse man Finanzierungslöcher stopfen. Auf Nachfrage bestätigte der Vorstand der EEV AG, dass man derzeit davon ausgeht, dass man aus dem Geschäftsjahr 2014 ohne Gewinn gegangen ist. Insofern können wahrscheinlich keine Zinsen an einen Großteil der rund 2.400 Anleger gezahlt werden.

Probleme mit dem Offshore-Windpark-Projekt "Skua"

Ziel sei es jetzt, das Offshore-Windparkprojekt "Skua" voran zu treiben. Doch auch mit dem Windpark gibt es Probleme. Denn der geplante Park liegt in einem Übungsgebiet der Bundeswehr - und die will das Gelände auf keinen Fall aufgeben. Obwohl die EEV AG das Projekt in einem internen Schreiben als "im Grunde genommen wertlos" bezeichnet hatte, war im Anlageprospekt nichts über dieses Risiko zu lesen. Außerdem hat der Bundestag beschlossen, den Ausbau der Offshore-Windenergie massiv zu begrenzen. Die Bundesnetzagentur plant deshalb, den Windpark "Skua" der EEV - ebenso wie zahlreiche andere Projekte - in den kommenden 15 Jahren nicht ans Netz anzuschließen. Die Entwicklung und der gewinnbringende Verkauf des Offshore-Projekts sind aber Kern des Geschäftsmodells der niedersächsischen Firma. Auf Nachfrage teilte die EEV AG mit, man gehe weiterhin davon aus, das Projekt erfolgreich abzuschließen. Zur Frage, bis wann der Park verkauft werden solle, wollte sich die EEV AG nicht äußern.   

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen EEV-Manager

NDR und "HAZ" hatten in den vergangenen Monaten wiederholt über das Unternehmen berichtet. Wie Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" aufdecken konnten, veranlasste die EEV AG daraufhin eine Medienkampagne gegen einen "HAZ"-Redakteur. Die EEV AG erklärte hierzu, sie sehe sich selbst als Opfer einer Medienkampagne. Deshalb habe sie einen Vertrag zur strategischen Beratung mit dem Nachrichtendienst Gomopa abgeschlossen.

Seit September 2014 ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Manager der EEV AG wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte NDR Info und "HAZ", dass die EEV AG derzeit gegenüber den Ermittlern Stellung zu den Vorwürfen nimmt.

Umzug von Göttingen nach Papenburg erfolgte im Stillen

Das Unternehmen schloss vor Kurzem seine bisherige Firmenzentrale in Göttingen und zog nach Papenburg, an den Standort des Biomassekraftwerks. EEV-Vorstand Bernhard Faber entschuldigte sich bei den Kapitalanlegern in dem Schreiben vom 29. Juni persönlich "für die mangelhafte Kommunikation der letzten Monate" und versprach einen besseren Informationsfluss.

Die Anleger waren bislang weder über den Wechsel des Vorstands noch über die Verlegung des Geschäftssitzes von Göttingen nach Papenburg informiert worden. Nach Angaben Fabers bemüht sich die Firma mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern derzeit, die Jahresabschlüsse der vergangenen beiden Jahre fertigzustellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.07.2015 | 19:00 Uhr