Stand: 11.11.2015 15:09 Uhr

CDU fordert: "Wolf muss erschossen werden"

von Marc Wichert

"Er muss erschossen werden." Mit klaren Worten hat der CDU-Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann die Tötung der Wölfin von Goldenstedt gefordert. Angermann sprach am Mittwoch in einer teilweise erregten Debatte als erster Abgeordneter zum Thema Wolf, kritisierte Umweltminister Stefan Wenzel von den Grünen - und hielt nicht hinterm Berg mit seiner Meinung zu Wolf und Wenzel. Der Goldenstedter Wolf verhalte sich nicht wie ein normaler Wolf. "Er verhält sich nicht artgerecht und hätte schon nach dem 2. Oktober entnommen werden müssen", sagte Angermann. Damals waren neun Schafe gerissen worden. Nur wenige Wochen später soll der gleiche Wolf einen Zaun überwunden haben, der gerade erst erhöht worden war - und erneut ein Schaf getötet haben. "Für diesen Wolf gibt es keine Präventionsmöglichkeiten mehr. Er hat gelernt, ein Blutbad anzurichten", schloss Angermann in der aktuellen Stunde im Landtag. Die Regierung aber verschließe die Augen. "Es ist eine Katastrophe für die Tiere und die Tierhalter", sagte Angermann.

Schäfer fordern gezielten Abschuss von Wölfen

Abschuss wäre illegal

"Die Forderung, den Wolf abzuschießen, ist eine Aufforderung zum Rechtsbruch." Mit ebenso klaren Worten wies Umweltminister Wenzel das Ansinnen Angermanns zurück, bestimmte Wölfe zu töten. Wölfe seien geschützte Tiere, für ihren Abschuss bedarf es einer Ausnahmegenehmigung, sagte Wenzels Fraktionskollege Hans-Joachim Janßen. Und bis die erteilt werde, müssten zunächst alle Alternativen ausgeschöpft werden: Herdenschutzhunde, höhere Zäune, andere Haltungsbedingungen der Schafe als weitere Schutzmaßnahmen.

Wenzel verweist auf finanziellen Ausgleich

Zudem mahnte Wenzel, dass man im Falle der Entnahme eines Wolfes genau wissen müsse, um welches Tier es sich handele, das Probleme bereite. Deswegen solle die Wölfin von Goldenstedt nun zunächst besendert werden. Wenzel verteidigte sich gegen Vorhaltungen, ihm seien die Schafhalter des Landes egal. "Nutztierhalter sollen auch in Zukunft ihren Beruf ausüben können." Dafür sei schließlich die Möglichkeit zum finanziellen Ausgleich von betroffenen Haltern eingerichtet worden. Dieser Ausgleich dürfte die Schafhalter, die parallel zur Debatte vor dem Landtag in Hannover demonstrierten, nicht befriedigen. Sie fordern schon seit Langem ein entschlossenes Vorgehen gegen bestimmte Wölfe. Ganz anders sieht das der Naturschutzbund (NABU). Vor einem Abschuss müssten zunächst alle wolfabweisenden Maßnahmen ergriffen werden.

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Die Gräben sind nicht mehr ganz so tief

Doch ganz so tief sind die Gräben zwischen Wolfsgegenern und -befürwortern zumindest in der Politik nicht mehr. So schloss auch der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse nicht mehr aus, dass eine Entnahme bestimmter Wölfe sinnvoll ist. Dies könne zu einer Akzeptanzsteigerung in der Bevölkerung führen. "Wenn es wirklich die Wölfin war, muss eingeschritten werden. Minister Wenzel muss handeln."

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.11.2015 | 13:00 Uhr