Stand: 01.02.2016 17:15 Uhr

Bohrschlamm im Wasserschutzgebiet entdeckt

von Alexa Höber
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Das Landesbergamt hat Bohrschlamm in einem Wasserschutzgebiet nachgewiesen.

Nach Recherchen von Markt ist der Boden in Niedersachsen an vielen Stellen stark mit Bohrschlamm verunreinigt. Kontaminierten Schlamm aus der Öl- und Gasindustrie hat die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesbergamt, jetzt auch in einem Wasserschutzgebiet nachgewiesen. Hunderte Gruben mit Bohrschlamm kann es laut Landesbergamt in Niedersachsen geben.

ölschlamm liegt auf einer Plane

Bohrschlamm im Wasserschutzgebiet

Markt -

In Niedersachsen haben Mineralölfirmen Abfälle aus der Ölförderung entsorgt. Neue Untersuchungen sollen zeigen, ob das Trinkwasser in Gefahr ist.

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Landkreis Harburg: Bohrschlamm im Trinkwasserschutzgebiet

Zwei der untersuchten Gruben liegen im Trinkwasserschutzgebiet Winsen/Stelle/Ashausen im Landkreis Harburg. In einer Grube wurden laut Landesbergamt circa 5.000 Kubikmeter Bohrschlamm festgestellt mit einem Gehalt an Mineralölkohlenwasserstoff von bis zu 4.241 Milligramm pro Kilogramm. Der Sand unter dem Bohrschlamm enthielt in der Trockensubstanz bis zu 20 Milligramm pro Kilogramm Mineralölkohlenwasserstoffe. Die Aufsichtsbehörde sieht jedoch keine Gefahr für das Grundwasser. Eine weitere Verdachtsfläche im Wasserschutzgebiet soll im Laufe des Jahres untersucht werden.

Landkreis Rotenburg: Erhöhte Chrom-Werte

Die Analyse von Wasser, das durch eine Probe Bohrschlamm aus einer Grube in Sothel im Landkreis Rotenburg geflossen war, ergab eine zehnfache Überschreitung des Prüfwertes für Chrom. Das haben Schadstoffexperten der Technischen Universität Harburg bei der Analyse der Schadstoffgehalte im Sickerwasser festgestellt. Sollte derartig belastetes Wasser als Trinkwasser genutzt werden, müsste Chrom in einem Wasserwerk herausgefiltert werden. Der untersuchte Bohrschlamm stammt allerdings nicht aus einem Wasserschutzgebiet.

Bohrschlamm: Karte mit verdächtigen Flächen

Unter der Leitung des niedersächsischen Umweltministeriums recherchiert eine Arbeitsgruppe systematisch nach Bohrschlammgruben. Auch Anwohner können verdächtige Flächen melden. Die aktuellen Verdachtsflächen zeigt das Landesbergamt auf einer Karte.

Industrie will sich an Kosten beteiligen

Im Herbst 2014 kündigte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in einem Markt Beitrag an, dass sich die Industrie an den Analysekosten beteiligen solle. Jetzt haben das Umweltministerium und der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. eine Vereinbarung zur Förderung von Untersuchungen von Altlastenverdachtsflächen an Standorten ehemaliger Öl- und Bohrschlammgruben geschlossen. Daraus geht hervor, dass sich Erdöl- und Erdgasunternehmen mit bis zu fünf Millionen Euro an der Analyse der Verdachtsflächen beteiligen werden. Der Pressesprecher des Konzerns ExxonMobil sagte, man werde über die Beteiligung an den Analysekosten hinaus auch die Kosten für eine Sanierung übernehmen, sollte ein Sanierungsbedarf behördlich festgestellt werden.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 01.02.2016 | 20:15 Uhr