Stand: 19.06.2015 14:47 Uhr

16,50 Euro für ein intaktes Schweineschwänzchen

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Bald können Tiermäster die sogenannte Ringelschwanzprämie beantragen: 16,50 Euro für jeden nicht abgeschnittenen oder abgebissenen Schweineschwanz. (Archivbild)

Für Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) ist es ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu mehr Tierschutz in niedersächsischen Ställen: Ab dem 1. Juli können Tiermäster die sogenannte Ringelschwanzprämie beantragen. Das heißt, sie bekommen 16,50 Euro für jeden nicht abgeschnittenen oder abgebissenen Schweineschwanz. "Wir setzen bundesweit Maßstäbe", sagte Meyer am Freitag. Niedersachsen sei "das erste Land, das jetzt mit einer gut geplanten Tierwohlprämie startet". Nach Angaben seines Agrarministeriums in Hannover wird mehr als ein Drittel der bundesweit rund 28 Millionen Schweine in Niedersachsen gehalten.

Das sogenannte Kupieren ist umstritten

Der Ringelschwanz sei ein anerkannter Indikator für das Tierwohl, so der Minister weiter. "Ist der Schwanz unversehrt, ist auch die Haltung tiergerecht". Schweine, die zu eng gehalten werden und zu wenig Ablenkung haben, neigten dazu, ihren Artgenossen den Schwanz abzubeißen. Um dies zu verhindern, wurden bisher bereits den Ferkeln die Schwänze kupiert, also abgeschnitten. Dies sei für die Tiere jedoch schmerzhaft und werde inzwischen auch von den Schweinehaltern als bedenklich eingestuft. Eine Studie hat jedoch ergeben, dass ein schneller Stopp der Amputationen den Tieren mehr schadet, als dass er nutzt.

Freiwillige Selbstverpflichtung bereits in Kraft

Maximal können Prämien für 1.000 Tiere pro Hof und Jahr beantragt werden. Außerdem müssen mindestens 70 Prozent der Tiere einen unversehrten Schwanz haben. Die gleichzeitige Haltung von Schweinen mit und ohne Schwanz in einer Gruppe ist auch nicht erlaubt. Anfang Juni hatte sich Meyer mit Vertretern der Schweinehalter und der Ernährungswirtschaft auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Förderung des Tierwohls geeinigt. Bereits vor einem Jahr hatte der Minister strengere Tierschutzregeln für Niedersachsen angekündigt. Darüber war im Parlament heftig gestritten worden.

Auch das Hühnerwohl wird künftig belohnt

Auch, wenn Legehennen artgerecht gehalten werden und ihnen nicht die Schnäbel gekürzt werden, gibt es künftig Geld. Pro Tier sind Zuschüsse von 1,70 Euro für Kosten vorgesehen, die durch die Verbesserung der Haltungsbedingungen wie größere und bessere Ställe mit Nester und Sitzstangen entstehen. Für beide Maßnahmen stehen bis 2020 insgesamt 28 Millionen Euro bereit. Die Tiere müssen im beantragten Förderungszeitraum regelmäßig von einem Tierarzt begutachten werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2015 | 13:00 Uhr