Stand: 09.12.2016 17:36 Uhr

Virtual Reality: Malen übers Zeichenblatt hinaus

von Dorothee von Winning

In einer Zeichnung oder einem Gemälde herumspazieren? Das ermöglicht jetzt eine neue Software. Mit den Mal-Apps "Tilt Brush" von Google und "Quill" von Oculus VR können gemalte Bilder in die dritte Dimension geholt und "begehbar" gemacht werden. So können Künstler mit den Möglichkeiten von Virtual Reality (VR) ganz neue Wege beschreiten.

Mittendrin im eigenen Kunstwerk

Was der VR-Maler braucht, sind Headset, Handcontroller und 3-D-Brille. Dann kann er den unendlichen Raum als Leinwand nutzen. Mit dem technischen Gerät erhält er Zugang zu einer virtuellen Palette mit verschiedenen Stiften und Pinseln. Anders als beim traditionellen Zeichnen auf der Fläche, wo man Raum durch optische Täuschung erzeugt, kann er Linien einfach in die Luft malen und sich durch sie hindurch bewegen.

Das Werk entsteht durch das Zusammenspiel von Technik und Betrachter

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Malen im Raum: Alle Einschränkungen des Künstlers scheinen aufgehoben.

Der deutsche Illustrator Christoph Niemann arbeitet schon seit geraumer Zeit mit sogenannter Augmented Reality, was so viel bedeutet wie erweiterte Realität: Zusammen mit dem "New Yorker" entwarf er ein virtuelles Cover und eine App, die die realen Zeichnungen mit virtuellen Elementen zur dritten Dimension zusammenfügen. Wird das Handy vor das Titelbild gehalten, entsteht eine Welt in 3-D, eine Mischung aus Realem und Fantasie. Das eigentliche Werk entsteht dann in der Interaktion von User und Technologie.

Die eigene Welt mit anderen teilen

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Noch ist dies eine traditionelle Zeichnung. Bald kann man darin herumspazieren.

Auch der niederländische Zeichner und Grafik-Designer Jan Rothuizen ist schon länger von den neuen Möglichkeiten fasziniert. Als er eingeladen wurde, im Turmzimmer eines Amsterdamer Kaufhauses zu zeichnen, wollte er die Umwelt an seiner Arbeit teilhaben lassen. Er zeichnete alles, was er um sich herum sah, scannte die Zeichnungen ein und mailte sie dem Künstlerkollektiv Zesbaans. Das entwickelte ein Konzept, die Bilder mittels neuer Technik räumlich werden zu lassen. Am Ende entstand "Drawing Room", ein 3-D-Film, bei dem es sich anfühlt, als befände man sich mitten zwischen den gezeichneten Objekten.

Kreative Spielerei mit Zukunft

Noch ist Virtual Reality in der Kunst eher eine Art kreativer Spielerei. Sie wirft aber auch neue Fragen auf: Wir erzähle ich Geschichten, wenn ich mich gleichzeitig darin bewegen kann? Braucht die Kunst das oder ist es reine Spielerei? "Die Herausforderung ist immer dieselbe", sagt Rothuizen, "wie mache ich ein wirklich gutes Bild? Das ist hier genauso." Ob die neuen Möglichkeiten die Malerei in Zukunft verändern werden, darauf will sich noch niemand festlegen.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 12.12.2016 | 22:45 Uhr

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