Stand: 04.01.2016 15:19 Uhr

Spannende Theater-Premieren in Sicht

von Katja Weise

Mit vielen Premieren starten die Theater in Norddeutschland in die zweite Hälfte der Spielzeit. Etliche Ur- und deutsche Erstaufführungen sind darunter. Schon in den nächsten Tagen geht es los - hier ein Ausblick:

Von Schirachs Theaterstück "Terror" auf vielen Bühnen

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Am Schlosstheater Celle stehen (von links) Philip Leenders, Maurizio Micksch und Tanja Kübler in "Terror" auf der Bühne.

Darf man den Tod Unschuldiger in Kauf nehmen, um Unschuldige zu retten? Diese Frage stellt Ferdinand von Schirach in seinem ersten Theaterstück "Terror". Der Soldat Lars Koch ist angeklagt, weil er ein Passagierflugzeug abgeschossen hat. Alle 164 Menschen kamen dabei ums Leben. Vorher jedoch hatten Terroristen die Maschine in ihre Gewalt gebracht. Sie wollten sie über einem vollbesetzten Fußballstadion abstürzen lassen.

Am 3. Oktober 2015 wurde "Terror" gleichzeitig in Berlin und in Frankfurt uraufgeführt. Seitdem wird das Stück an so vielen Bühnen nachgespielt wie im Moment kein zweites. Am Deutschen Theater in Göttingen und am Schlosstheater Celle war bereits Premiere, in den nächsten Wochen kommt "Terror" unter anderem in Braunschweig, Oldenburg und am Theater Vorpommern auf die Bühne.

Houellebecqs "Unterwerfung" am Hamburger Schauspielhaus

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Schauspieler Edgar Selge ist in der Rolle des Literaturprofessors in Michel Houellebecqs "Unterwerfung" am Hamburger Schauspielhaus zu sehen.

Heftige Diskussionen hat im vergangenen Jahr auch Michel Houellebecq ausgelöst mit seinem Roman "Unterwerfung", in dem er Frankreich zum islamischen Staat werden lässt. Karin Beier, die Intendantin des Hamburger Schauspielhauses, hat diese Gedankenspielerei, wie sie sagt, sehr gefallen. "Er spielt eigentlich damit, dass die französischen Intellektuellen - der Protagonist ist ein Professor an der Universität, ein Literaturprofessor - schon über Jahre etwas kommen sehen, aber zu desinteressiert sind oder zu sehr mit sich selbst und ihren privaten Problemchen beschäftigt sind, als dass sie wirklich aufwachen und aktiv werden", sagt Beier. "Ich finde das sehr böse, ich finde es auch sehr komisch. Ich finde, Houellebecq hat einen sehr eigenen Humor und beschreibt eigentlich unsere Welt." Anfang Februar bringt Beier "Unterwerfung" als deutsche Erstaufführung auf die Bühne, als Einpersonenstück. Edgar Selge spielt den Literaturprofessor und kehrt damit nach Jahren der Abstinenz ans Hamburger Schauspielhaus zurück.

Düstere Fabel in Kiel, Stockmann-Musical in Hannover

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Feridun Zaimoglu (im Bild) hat neben dem israelischen Dramatiker Shlomo Moskovitz ein Stück über "Die zehn Gebote" geschrieben.

Das Kieler Schauspielhaus zeigt die deutsche Erstaufführung von Simon Stephens Beziehungsdrama "Blindlings" und im April eine doppelte Uraufführung. Sowohl der israelische Dramatiker Shlomo Moskovitz als auch Feridun Zaimoglu und sein Co-Autor Günter Senkel wurden gebeten, je ein Stück über "Die zehn Gebote" zu schreiben. "Meist geht es ja im wirklichen Leben um die Übertretung dieser zehn Gebote", sagt Zaimoglu. "Wir haben ein Stück geschrieben, in dem alle zehn Gebote übertreten werden." Das Stück sei eine düstere Fabel über die deutsche Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg, so Zaimoglu. Shlomo Moskovitz behandelt den Konflikt zwischen Israel und Palästina.

Am Schauspiel Hannover inszeniert Intendant Lars-Ole Walburg die Uraufführung eines Musical von Nis-Momme Stockmann, das Junge Theater Göttingen zeigt mit "Odyssee im Leerraum" einen Abend über den Strukturwandel im ländlichen Raum und am Volkstheater Rostock erzählt Yvonne Groneberg in "Beluga schweigt" eine fiktive Geschichte über den Untergang des Sassnitzer Fischkutters "Beluga" im Jahr 1999.

Dostojewski, Dürrenmatt und das Thema Flüchtlinge

Sehr beliebt sind auf norddeutschen Bühnen weiterhin Dramatisierungen von Dostojewski-Romanen. Am Schauspiel Hannover kommen die "Brüder Karamasow" heraus, am Hamburger Schauspielhaus "Die Dämonen". Außerdem wurde offensichtlich der 25. Todestag Friedrich Dürrenmatts im Dezember zum Anlass genommen, seine Stücke wieder verstärkt auf den Spielplan zu setzen. Das Theater Osnabrück zeigt "Die Physiker", das Deutsche Theater in Göttingen "Romulus der Große".

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"Früchte des Zorns" nach dem Roman von John Steinbeck greift das Thema Flüchtlinge am Beispiel einer Großfamilie in den 30er-Jahren auf.

Nach wie vor beschäftigen sich viele Bühnen mit dem Thema Flüchtlinge. Das Hamburger Thalia Theater beispielsweise dramatisiert John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns". Darin werde die Urgeschichte der Migration erzählt, erklärt Chefdramaturgin Julia Lochte. "Die Fluchtroute in diesem Fall ist allerdings die Route 66. Die verbindet man eigentlich mit etwas ganz anderem, aber zu einer anderen historischen Zeit wurden hier Flüchtlingstrecks transportiert - und über diese Straße sind auch Leute mit einer großen Hoffnung aufgebrochen, aus einer großen Not. In dem Stück wird auch so eine Kategorie wie Wirtschaftsflüchtling noch einmal ganz anders ins Licht gerückt." In "Früchte des Zorns" machen sich Familien auf ins gelobte Land, was in diesem Fall Kalifornien ist. Luk Perceval inszeniert das Stück. Eigentlich hatte der Oberspielleiter des Thalia Theaters sich den Film "Das Versprechen" der Brüder Dardenne vorgenommen, doch aufgrund der aktuellen Entwicklung entschied er sich für den Steinbeck-Klassiker. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 04.01.2016 | 17:20 Uhr