Stand: 22.06.2017 07:21 Uhr

Metronom: Privattheater mit Zirkusvergangenheit

von Gerhard Snitjer
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Seit mehr als 20 Jahren ist in Visselhövede das Privattheater Metronom zu Hause.

Zwölf Privattheater sind derzeit in Hamburg zu den Privattheatertagen eingeladen. Am Freitag stellt ein freies Theater aus dem Kreis Rotenburg - das Metronom Theater - ein eigenes Stück namens "Meeresrauschen" in den Hamburger Kammerspielen vor.

Zwei Dinge mindestens sind daran bemerkenswert. Erstens: Das Stück beschäftigt sich mit den Geschichten von Flüchtlingen und besonders von Schleusern. Zweitens: Keines der teilnehmenden Privattheater kommt aus einem so kleinen Nest wie das Metronom: Dieses Ensemble ist in Hütthof bei Visselhövede zu Hause, einem Ort mit nicht einmal zwei Dutzend Einwohnern.

Publikumspotential einer mittleren Kleinstadt

Ein winziges Dorf, aber mit einem weiten Blick: Das Theater Metronom residiert auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in mehreren zusammenhängenden Hallen, die als Theatersaal, Foyer, Garderoben, Technikräume und Requisitenlager dienen. Für das Publikum sind 108 Plätze vorhanden. Die sind an den rund 50 Vorstellungs-Abenden pro Jahr fast immer ausgelastet, sagt Andreas Goehrt, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Karin Schroeder das Theater vor über 20 Jahren hier ansiedelte: "Wir haben ein relativ großes Einzugsgebiet. Wir sind hier genau zwischen Hamburg, Bremen und Hannover und im nahen Umkreis von 50 Kilometern wohnen 200.000 Menschen, die es gewohnt sind zu fahren, wenn sie irgendwohin wollen. Insofern haben wir das Publikumspotential einer mittleren Kleinstadt."

Zwei Schauspieler auf einer Theaterbühne.

Privattheatertage eröffnet

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Die Jury hat zwölf Produktionen aus Berlin, München und anderen deutschen Städten ausgewählt, die sich nun die Hamburger Zuschauer auf den hiesigen Bühnen anschauen können.

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Seit 1994 in Hütthof bei Visselhövede

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Bis zu 108 Plätze bietet das Theater - die immer ausgelastet sind.

Rustikal und mit viel Liebe zum Detail ist das kleine Foyer eingerichtet, Stammgäste erkennen hier Figuren und Kostüme aus früheren Repertoirestücken wieder. Ein alter Zirkuswagen trennt das Foyer vom Theatersaal - der ist nicht nur Dekoration, sondern für Andreas Goehrt und Karin Schröder auch Erinnerung an die Zeit, als ihr Theater buchstäblich keinen festen Wohnsitz hatte, sondern immer auf Tour war, im In- und Ausland: "In diesem Zirkuswagen habe ich 13 Jahre gewohnt, sieben Jahre zu zweit" so Goehrt.

Das tun sie seit 1994 in Hütthof bei Visselhövede. Gemeinsam mit freien Schauspielern, Regisseuren und Autoren entwickeln die beiden ihr Repertoire. Immer stehen fast ein Dutzend Stücke auf dem Spielplan: Klassiker und Eigenproduktionen, Jugendtheater, experimentelle Performance und Literaturumsetzungen. "Wir machen nicht nur publikumsgefällige Produktionen, sondern wir setzen uns mit Themen auseinander", sagt Goehrt.

Aktuelle Produktion "Meeresrauschen" zu Gast in Hamburg

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Das Stück "Meeresrauschen" handelt von Schleusern, Flucht und Vertreibung.

Ein aktuelles Thema ist es auch, dass das Metronom-Theater zu den Hamburger Privattheatertagen mitbringt. "Meeresrauschen" heißt das Drama, das von vier Darstellern gespielt wird und einen besonders heiklen Aspekt von Flucht und Vertreibung beleuchtet - die Schleuser, die Menschen illegal außer Landes bringen. Ort und Zeit der Handlung bleiben ungenannt, den Rahmen bildet eine etwas zweifelhafte Kaschemme irgendwo an einer Küste. Karin Schroeder spielt die Barfrau Livia.

Ein Kapitän wartet hier auf seine nächste menschliche Ladung. In diesem Stück geht es eben darum, dass Entscheidungen für Gut oder Böse, Richtig oder Falsch nicht immer möglich sind: Es gibt Unausweichliches. "Meeresrauschen" wirft moralische und ethische Fragen auf - aber Andreas Goehrt und das Team wollen das Publikum nicht deprimieren.

Bei den Privattheatertagen tritt das Metronom-Theater in den Hamburger Kammerspielen auf, und dabei tritt sozusagen ein Luxusproblem zutage: Zu Hause in Hütthof hat das kleine Theater eine richtig große Bühne. Für Hamburg müssen dagegen Kulissen und Choreographie mächtig reduziert werden.

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Dieses Thema im Programm:

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