Stand: 11.07.2017 18:46 Uhr

HFBK: "Ein Garant für einen erfolgreichen Werdegang"

Fatih Akin, Isa Genzken, Rebecca Horn, Martin Kippenberger - renommierte Namen aus der Gegenwartskunst. Sie alle haben an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg studiert. Die Hochschule feiert nun ihr 250-jähriges Bestehen mit Ausstellungen, Symposien und einem Festival. Besonders herausgefordert in diesen Tagen ist deshalb der Präsident der Hochschule, Martin Köttering.

Herr Köttering, 250 Jahre - das ist eine große Zahl mit langer Tradition. Sie sind seit 2002 Präsident der Hochschule, hatten also durchaus Zeit, sich mental und praktisch auf das Jubiläum vorzubereiten.

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"Eine Ausbildung an der HFBK ist nahezu ein Garant für einen erfolgreichen Werdegang", behauptet Martin Köttering voller Stolz.

Martin Köttering: Ich glaube nicht, dass man sich auf so ein Jubiläum wirklich vorbereiten kann, weil die 250-jährige Geschichte einer Institution wie der Kunsthochschule nicht so planbar wäre, dass man da adäquat drauf reagieren kann. Das ist doch eine enorme Historie, auf die wir zurückblicken können, die auch für die Stadt Hamburg spricht. Ich weiß gar nicht, ob wir so sehr 250 Jahre HFBK Hamburg feiern - oder nicht vielmehr, dass bereits vor 250 Jahren die Bürger dieser Stadt Hamburg die Weitsicht hatten zu sagen: Wir brauchen eine Institution, wo wir die ästhetischen Qualitäten dieser Stadt weiter nach vorne bringen.

1767 hieß die Schule ja noch "Gewerbeschule zur Verbesserung der Zeichenkunst". Wollte man die seinerzeitige Zeichenkunst verbessern, neu positionieren? Für wen war diese Schule eigentlich gedacht?

Köttering: Das war ganz bestimmt damals so gedacht, dass man bessere ästhetische Qualität für das Gewerbe brauchte, zum Beispiel mit einem Fokus auf die Bauzeichner oder für das Erarbeiten von Ornamenten etc.. Trotzdem darf man es an dieser Stelle nicht so heruntersprechen. 1767 - wir sind in dem Jahrhundert der Aufklärung. In anderen großen Residenzstädten haben Könige und Fürsten Kunstakademien gegründet mit dem Ziel, sich selbst zu verherrlichen oder vielleicht auch nur zur Schönheit der Ausstattung ihrer Gebäude beizutragen. Aber in Hamburg gab es doch so etwas wie eine aufklärerische Bewegung. Bürger haben sich zusammengetan und haben überlegt: Wir wollen, dass die ästhetischen Qualitäten gesteigert werden, um etwas für unsere Stadt zu bewegen.

Das hat sich ja alles durchaus verändert, schauen wir auf heute: Die Zeichenkunst ist immer noch ein fest verankertes Fach bei Ihnen. Aber auch: Design, Film, zeitbezogene Medien. Studenten können bei Ihnen mit einem Bachelor oder Master oder mit der Promotion ihr Studium abschließen. Viele namhafte Künstler haben bei Ihnen studiert oder lehren inzwischen an Ihrer Hochschule: Joseph Beuys, Max Bill, Wolfgang Tillmanns haben gelehrt als Professor oder Gastprofessor. Das schmückt natürlich auch eine Hochschule. Ist ein Studium bei Ihnen ein Erfolgsgarant für eine künstlerische Laufbahn?

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Köttering: Wie man's nimmt. Ich würde pauschal sagen: auf jeden Fall und garantiert. Weil wer sich hier an der Hochschule eine Zeit lang intensiv mit künstlerischen Fragen auseinandergesetzt hat, wird nach dieser Zeit auf jeden Fall über Qualitäten verfügen, die er in unglaublich vielen Zusammenhängen sehr gut einsetzen kann. Um ein Beispiel zu nennen: Fantasie, Vorstellungskraft, Kreativität sind heutzutage Kompetenzen, die in so vielen Bereichen genutzt werden können, dass man grundsätzlich sagen muss: Eine Ausbildung an der HFBK ist nahezu ein Garant für einen erfolgreichen Werdegang. Wenn man die Erfolgskriterien einer stark ökonomisch geprägten Gesellschaft nach vorne stellt und fragt: Verdienen die denn auch alle ganz viel Geld damit? Dann muss man das tatsächlich relativieren oder sogar stark relativieren.

Renommierte Namen, hinzu kommt eine internationale Vernetzung, die auch vor allem Ihnen zu verdanken ist. Sie arbeiten mit insgesamt 14 Akademien und Instituten zusammen: Boston, Jerusalem, Paris, London, Shanghai usw.. Wie wichtig ist Ihnen die Internationalität?

Köttering: Für eine Kunsthochschule, die sich international aufstellen will, aufstellen muss, ist es unerlässlich, internationale Kontakte zu pflegen, Gäste einzuladen und selber auch Studierende in andere internationale Kunsthochschulen für ein Semester zu schicken, um dort mit ihrer künstlerischen Entwicklung weiter voranzukommen. Das ist mir persönlich so wichtig, weil das immer so leicht dahergesagt ist, dass Kunst lokal produziert wird, aber doch global gedacht werden muss. Aber es muss sich in der Realität irgendwo einholen. Dieses globale, interkulturelle Denken, was damit einhergeht, funktioniert nur dann, wenn man das in der Praxis ernst nimmt. Das bedeutet: Wir müssen unseren Studierenden die Möglichkeit geben, ins Ausland zu gehen und dort ihre Erfahrungen zu machen, ihre künstlerische Entwicklung weiterzutreiben, genauso wie wir es den Studierenden internationaler Hochschulen ermöglichen, bei uns ihre nächsten Schritte zu machen.

Sie werden feiern mit Ausstellungen, Symposien und einem Festival. Haben Sie ein Thema, mit dem diese Veranstaltungen überschrieben sind?

Köttering: Es gibt viele Themen für die Symposien, sehr unterschiedliche Themen, die alle irgendetwas von der HFBK oder über die HFBK sagen. Ich würde es gar nicht auf einen Punkt reduzieren wollen, aber wir haben zum Beispiel am Freitag das Symposium "Überlebensrate 4%", was die Frage aufgreift, die Sie ansprachen: Ist die Hochschule erfolgreich? Man sagt, dass vier Prozent der Künstler sich tatsächlich bis zum Lebensende davon wirtschaftlich ernähren können, was sie ausschließlich mit der Kunst machen. Das werden wir thematisieren und darüber nachdenken, wie man damit umgeht und wie man das bewertet.

Es gibt aber am Samstag auch ein Symposium was den - im ersten Augenblick merkwürdigen - Titel hat: "Mit Pflanzen kartographieren - Mapping with Plants". Da geht es darum, wie man an der Geschichte von Pflanzen ablesen kann, was es bedeutet, sich interkulturell auf den Weg zu machen. Ein sehr wissenschaftliches Thema, was aber auch für die HFBK stellvertretend sein kann, weil wir ja auch sehr kunstwissenschaftlich ausgeprägte Richtungen hier vertreten.

Das Interview führte Claudia Christophersen.

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NDR Kultur | Journal | 11.07.2017 | 19:00 Uhr

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