Stand: 17.02.2016 21:00 Uhr

Hickhack um Rostocker Theater-Intendanten

Der Dauerstreit um das Volkstheater Rostock geht in eine neue Runde. Am Dienstagabend hatte sich der Hauptausschuss der Bürgerschaft dafür ausgesprochen, den Vertrag mit Intendant Sewan Latchininan aufzulösen. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) wurde beauftragt, mit Latchinian eine einvernehmliche Lösung zur Vertragsaufhebung zu erreichen. Als mögliche Abfindungssumme wurden 150.000 Euro genannt. Doch nun sperrt sich das Stadtoberhaupt und auch der Intendant will seinen Vertrag erfüllen.

Methling erwägt einen Widerspruch

"Ich trage den Beschluss des Hauptausschusses nicht mit und erwäge, dazu in Widerspruch zu gehen", teilte Methling am Mittwoch mit. Latchinian solle vielmehr den von vielen Seiten getragenen Beschluss zur Entwicklung eines Opernhauses in der Hansestadt umzusetzen. Hintergrund für die Personalie ist die Entscheidung, die traditionsreiche Vier-Sparten-Bühne auf zwei Sparten zu reduzieren und gleichzeitig ein Opernhaus als künftigen Theaterbau zu etablieren. Dieser Beschluss Methlings war auf Kritik gestoßen. Latchinian sah dadurch die Geschäftsgrundlage seines Vertrages infrage gestellt.

Crashkurs ohne Anstand?

Die Vorsitzende der Bürgeschaftsfraktion Rostocker Bund Sybille Bachmann hat eine vollkommen andere Sicht auf die aktuellen Ereignisse und spricht von einem Crashkurs ohne Anstand und meint damit das Verhalten des Oberbürgermeisters. Sie kann dessen Widerspruch zum Bürgeschaftsbeschluss nicht nachvollziehen.

Latchinian will Vertrag erfüllen

Sewan Latchinian ist in seiner Reaktion am Mittwochnachmittag kurz und bündig: Er werde die geforderte Untersetzung für ein Opernhausmodell fristgerecht zum 20. Februar liefern, sagt er. Und er gehe davon aus, seinen Vertrag bis 2019 auch zu erfüllen. Allein die Frage wie das gehen kann, werde gegenwärtig durch eine Anwältin sondiert. Es gehe dabei um die beiderseitigen Möglichkeiten der Vertragserfüllung. Eine mögliche Absicht, Rostock vorzeitig zu verlassen, thematisiert Latchinian nicht.

Seit 2014 in Rostock

Latchinian hatte die Intendanz am Volkstheater im Sommer 2014 übernommen. Der 54-Jährige begann seine Karriere als Schauspieler am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin und spielte von 1988 bis 1997 am Deutschen Theater Berlin. Seit 1993 war er auch als Regisseur unter anderem an den Schauspielhäusern in Bonn, Düsseldorf und Leipzig tätig. Seit 2004 war er Intendant der Neuen Bühne in Senftenberg. Das von ihm geleitete Senftenberger Theater wurde 2005 von der Zeitschrift "Theater heute" zum Theater des Jahres gewählt.

Kritiker der Theaterpolitik des Landes

Latchinian hatte bei seinem Antritt erklärt, das wirtschaftlich angeschlagene Rostocker Theater wieder zu einem Flaggschiff in der norddeutschen Theaterlandschaft machen zu wollen. Der Theatermann hatte die geplanten Kürzungen in der Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns scharf kritisiert und mit den Kulturzerstörungen durch die Terrormiliz Islamischer Staat verglichen. 2015 war er als Intendant fristlos entlassen worden, wenig später aber wieder eingesetzt worden.

Kommt der scheidende Schweriner Intendant?

Wie es in der Rostocker Theaterleitung nach einem möglichen Ausscheiden des Intendanten weiter gehen soll, ist derzeit unklar. Der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski soll zum Sommer an das Theater in Halle wechseln. Aus Theaterkreisen heißt es, Methling habe beim scheidenden Intendanten des Schweriner Staatstheaters, Joachim Kümmritz, angefragt, ob er in Rostock die Leitung des Volkstheaters übernehmen würde. Kümmritz sagte NDR 1 Radio MV am Mittwoch allerdings, dass er keine Gespräche über den Chefposten in Rostock geführt habe. Was andere in diesem Zusammenhang sagen, wisse er nicht. Stadtsprecher Ulrich Kunze bestätigte entsprechende Gerüchte auf Nachfrage nicht.

Wie geht es weiter?

Bereits am 25. Februar wird der Aufsichtsrat außerplanmäßig zusammen kommen. Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger (Linke) ist derzeit im Ausland. Eine Reaktion lässt sie sich aber trotzdem verlauten und erklärt, Methling solle in Bezug auf Latchinian mit seinen Spielchen aufhören. Alle wissen, wie viel Groll er gegen den Intendanten hege und das er einfach nicht bereit sei, eine Abfindung zu zahlen. Man sollte sich gütlich und in Würde trennen. Jeder verstehe, dass Herr Latchinian nach den letzten Entscheidungen zum Theater nicht weiter in Rostock arbeiten könne, so Eva-Maria Kröger.

Weitere Informationen

Volkstheater Rostock soll Opernhaus werden

Rostocks Oberbürgermeister Methling hat sich für die Umwandlung des Volkstheaters in ein Opernhaus entschieden. Dies soll die Geschäftsführung des Theaters nun umsetzen. mehr

Zuschauerschwund am Volkstheater Rostock

Weniger Zuschauer kamen nur 2011 - als das Große Haus monatelang gesperrt war. Intendant Latchinian muss nach dem Ärger um seinen Job offenbar auch mit einem Besucher-Rückgang kämpfen. mehr

Volkstheater-Neubau verzögert sich weiter

Die Rostocker Bürgerschaft hat eine Vereinbarung zur Finanzierung des Volkstheater-Neubaus abgelehnt. Beim späteren Baustart sind sich Verwaltung und Stadtvertreter einig. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.02.2016 | 18:00 Uhr