Stand: 09.07.2015 16:04 Uhr

Otto Rehhagel: Modern ist, wer gewinnt

von Johannes Freytag, NDR.de
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Hertha-Manager Michael Preetz (r.) stellt Otto Rehhagel am 19. Februar 2012 als neuen Trainer in Berlin vor.

Otto Rehhagel zählt zu den erfolgreichsten Trainern der Bundesliga. Da mutet es fast schon tragisch an, dass sein letzter Job mit einem Misserfolg endete und mit einem Spielabbruch auch noch einen faden Beigeschmack bekam: Rehhagels letzte Mission, die Berliner Hertha vor dem Abstieg zu retten, scheiterte im Sommer 2012 im Relegationsduell mit Düsseldorf. Das Rückspiel bei der Fortuna wurde nach einem Platzsturm abgebrochen, es folgte ein langes Hin- und Her um die Wertung des Spiels - mit negativem Ausgang für die Hertha. So schloss sich für Rehhagel der Kreis. Als rustikaler Abwehrrecke war er 1963 am ersten Spieltag der neu gegründeten Bundesliga im Hertha-Trikot aufgelaufen. Seitdem hatte das "Kind der Bundesliga", wie sich der am 9. August 1938 geborene Rehhagel gern selbst nennt, viel erlebt.

Rehhagel: Vom "Notnagel" zum Erfolgscoach

Beinharter Verteidiger der ersten Stunde

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Szene aus dem Gründungsjahr der Bundesliga: Berlins Verteidiger Otto Rehhagel (M.) versucht, Frankfurts Erwin Stein (l.) den Ball abzujagen.

Rehhagel beginnt seine fußballerische Karriere in seiner Heimatstadt bei TuS Helene Essen und beim Traditionsclub Rot-Weiß Essen. Als 1963 die Bundesliga ins Leben gerufen wird, wechselt er zu Hertha BSC Berlin. Rund zwei Wochen nach seinem 25. Geburtstag steht Rehhagel am ersten Spieltag der neuen Eliteklasse auf dem Feld. Seine ersten beiden Bundesligatreffer gelingen ihm am 14. November 1963 gegen den 1. FC Kaiserslautern - jenem Verein, zu dem er 1966 wechselt und mit dem er Jahrzehnte später Geschichte schreiben wird. Der kompromisslose Verteidiger absolviert insgesamt 201 Bundesligaspiele, erzielt dabei 22 Tore.

Erste Erfolge mit Offenbach

Eine Knorpelabsprengung am Knie beendet seine Laufbahn als Spieler 1971, aber Rehhagel hat vorgesorgt: Im letzten von Hennes Weisweiler geleiteten Lehrgang an der Sporthochschule Köln macht der 31-Jährige im März 1970 seinen Trainerschein. Nach einem Engagement beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken heuert er 1973 beim Bundesligisten Kickers Offenbach an, wo er ein Jahr später Nachfolger von Gyula Lorant wird. Rehhagel hat schnell Erfolg: Nach Platz zehn 1973/74 verpassen die Kickers erst zum Saisonende 1974/75 die Europacup-Ränge und werden Achter. Rehhagels "Hurra-Stil" sorgt für Furore, der Trainer stellt sich jedoch selbst ins Abseits, als er am Rande einer Bundesligapartie Schiedsrichter Walter Eschweiler Bestechung vorwirft: Rehhagel wird zu einer zweimonatigen Sperre und 5.000 DM Geldstrafe verurteilt. Offenbach entlässt ihn daraufhin.

Erster Titel mit Düsseldorf

In der Folgezeit erwirbt sich Rehhagel den Ruf als "Notnagel" und "Feuerwehrmann", trainiert zwischen 1976 und 1980 vier Vereine: Werder Bremen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf. Mit den Rheinländern gewinnt der Fußballlehrer seinen ersten Titel. Die Fortuna holt den DFB-Pokal durch einen 2:1-Finalerfolg gegen den 1.FC Köln. Doch nur ein knappes halbes Jahr später ist in Düsseldorf schon wieder Schluss, das Team steht nur auf Rang 16 in der Tabelle. Die hohen Erwartungen an den Trainer haben sich nicht erfüllt.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 03.03.2013 | 22:45 Uhr