Stand: 24.11.2010 07:36 Uhr

Die legendären Bremer Europacup-Abende

Werder Bremen hat in seiner Vereinsgeschichte so manches "Wunder an der Weser" geschafft: scheinbar aussichtslose Rückstände aufgeholt oder als krasser Außenseiter gewonnen. Die legendären grün-weißen Europapokal-Abende im Überblick.

4.11.1987: Werder Bremen - Spartak Moskau 6:2 n.V.

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Werder-Trainer Otto Rehhagel umarmt nach dem 6:2 mit Manfred Burgsmüller einen seiner Torschützen.

In der zweiten Runde des UEFA-Cups 1987/88 trifft Bremen auf Spartak Moskau und kassiert im Hinspiel in der sowjetischen Hauptstadt ein 1:4. Nur 20.000 Zuschauer finden sich zum Rückspiel in Bremen ein - und sie bereuen ihr Kommen nicht. Schon nach zwei Minuten trifft Frank Neubarth zum 1:0, zur Halbzeit steht es 3:0, zu diesem Zeitpunkt steht Bremen in der nächsten Runde. Doch die Russen schlagen zurück und erzielen das 3:1. Weil Gunnar Sauer aber elf Minuten vor Schluss zum 4:1 trifft, geht es in die Verlängerung, wo Karlheinz Riedle und Manfred Burgsmüller das Bremer Weiterkommen endgültig herausschießen. Pasulkos 6:2 hat nur noch statistischen Wert. Das erste "Europapokal-Wunder an der Weser" ist vollbracht.

11.10.1988: Werder Bremen - Berliner FC Dynamo 5:0

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Werders Manfred Burgsmüller (2.v.l.) trifft per Kopf zum 4:0 gegen Dynamo Berlin.

Ein Jahr später beweisen die Bremer, dass sie solche Wunder auch im Europapokal der Landesmeister produzieren können. Im Hinspiel in Ost-Berlin ist Werder chancenlos und verliert durch Treffer von Thomas Doll, Andreas Thom und Frank Pastor 0:3. Doch im Rückspiel dreht der Bundesligist groß auf: Michael Kutzop, Günter Hermann, Karlheinz Riedle, Manfred Burgsmüller und Thomas Schaaf schießen den DDR-Meister mit 5:0 förmlich ab.

06.12.1989: Werder Bremen - SSC Neapel 5:1

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UEFA-Cup-Duell 1989: Bremens Uli Borowka (l.) und Diego Armando Maradona.

Auch der große Diego Armando Maradona gehört zu den Europapokal-Opfern der Bremer. Im Achtelfinale des UEFA-Cups 1989/90 gewinnt Werder schon das Hinspiel überraschend in Italien mit 3:2 durch ein Last-Minute-Tor des Neuseeländers Wynton Rufer. Im Rückspiel werden die Neapolitaner aus dem Weserstadion gefegt: 5:1 heißt es am Ende einer erneut denkwürdigen Europapokalnacht und Maradona wird sich noch lange an seinen beinharten Gegenspieler Uli Borowka erinnern.

08.12.1993: Werder Bremen - RSC Anderlecht 5:3

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Werder Bremens Wynton Rufer jubelt nach dem 5:3 gegen den RSC Anderlecht den Fans zu.

In der Gruppenphase der neu gegründeten Champions League 1993 liegt Werder Bremen gegen den belgischen Vertreter RSC Anderlecht zur Halbzeit 0:3 zurück. "Wir sind im Europacup noch nie so vorgeführt worden", stellt Uli Borowka hinterher fest. Trainer Otto Rehagel findet jedoch einmal mehr den Schlüssel zum Erfolg, stellt im Mittelfeld um. Zum ersten Torerfolg kommt Werder aber erst nach mehr als einer Stunde durch Wynton Rufer (66.). In einem Wahnsinnsschlussspurt stellt Bremen durch Tore von erneut Rufer, Rune Bratseth, Bernd Hobsch und Marco Bode noch den 5:3-Endstand her.

07.12.1999: Werder Bremen - Olympique Lyon 4:0

Nach einer 0:3-Niederlage in Lyon scheint die 3. Runde des UEFA-Cups im Jahr 1999 auch das Ende des Wettbewerbs für Werder zu bedeuten. Aber die Bremer besinnen sich auf ihre "Wunder"-Fähigkeiten. Trainer Thomas Schaaf, als Spieler selbst bei solchen Partien dabei gewesen, setzt gegen die Franzosen auf druckvolles Angriffsspiel. Mit Erfolg: Marco Bode, Andreas Herzog, Frank Baumann und Claudio Pizarro schießen ein 4:0 heraus - Werder kommt weiter.

26.02.2009 AC Mailand - Werder Bremen 2:2

Im Hinspiel nur 1:1 gespielt, im Rückspiel in Mailand zur Halbzeit 0:2 hinten - weder Fans noch Experten setzen auf ein Weiterkommen der Bremer. Doch Werder schafft tatsächlich auch 2009 eine Europacup-Sensation. Unter anderem auch deshalb, weil Milan sich den Luxus leistet, eine vermeintliche "B-Elf" aufzustellen. Ein Doppelschlag von Claudio Pizarro in der 68. und 78. Minute bringt die Wende und den Bundesligisten ins Achtelfinale.

07.05.2009: Hamburger SV - Werder Bremen 2:3

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Bremens Tim Wiese (l.) und Torsten Frings jubeln nach dem 3:2 in Hamburg.

Absolut denkwürdig ist auch das Aufeinandertreffen der beiden Bundesliga-Nordclubs im Halbfinale des UEFA-Cups 2009. Die Hamburger haben sich durch ein 1:0 im Weserstadion eine glänzende Ausgangsposition fürs Rückspiel geschaffen. Dort geht der HSV durch Ivica Olic mit 1:0 in Führung, doch Diegos Ausgleich vor der Pause hält Bremen in der Partie. Mitten in die Drangphase der Hamburger findet ein Distanzschuss von Claudio Pizarro dann den Weg ins Tor - 2:1 für Werder. Sieben Minuten vor Schluss wird eine kleine Papierkugel zum spielentscheidenden Gegenstand. Ein HSV-Fan hat sie aufs Spielfeld geworfen, ein Rückpass des Dänen Michael Gravgaard berührt die Kugel, landet deshalb nicht bei Frank Rost, sondern im Aus. Die anschließende Ecke nickt Frank Baumann zum 3:1 für Werder ein - das Spiel ist gelaufen, Olics Anschluss-Treffer in der 87. kommt zu spät.

24.08.2010: Sampdoria Genua - Werder Bremen 3:2 n.V.

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Jubel nach dem 2:3 n.V. in Genua. Werder zitterte sich in die Champions League.

Eine Saison später zeigt Werder, dass Wunder auch im Sommer stattfinden können: In den Play-offs zur Champions League 2010/11 im August hat Bremen das Hinspiel gegen Sampdoria Genua 3:1 gewonnen. Im Rückspiel steht es jedoch schon nach 14 Minuten 0:2 und in der 85. Minute verpasst Antonio Cassano den Bremern mit dem 3. Treffer den vermeintlichen "Todesstoß". Doch unmittelbar vor dem Schlusspfiff trifft Markus Rosenberg - es geht in die Verlängerung. Dort schlägt Claudio Pizarro zu, Werder zieht dank der auswärts mehr erzielten Tore in die Gruppenphase der Champions League ein.

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Sport aktuell | 25.08.2010 | 06:25 Uhr