Stand: 30.01.2013 18:55 Uhr

Möhlmann: "Ich musste mich nie bewerben"

von Florian Neuhauss, NDR.de
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Mit dem ersten Spiel der Zweitliga-Rückrunde wird Benno Möhlmann neuer Rekordtrainer.

Benno Möhlmann schreibt am 3. Februar 2013 Geschichte: Der Trainer des FSV Frankfurt, mit dem er auf dem achten Tabellenplatz überwintert, absolviert gegen den FC Ingolstadt sein 420. Spiel als Trainer in der Zweiten Liga und übertrifft damit den bisherigen Rekordhalter Uwe Klimaschefski. Möhlmann stammt aus dem niedersächsischen Lohne und hat nach 17 Jahren als Profifußballer mittlerweile 13 als Coach hinter sich. Mit NDR.de sprach der 58-Jährige über seinen Fabel-Rekord, das Trainerkarussell und die Angst, den Job zu verlieren.

NDR.de: Herr Möhlmann, ist das Spiel gegen Ingolstadt für Sie ein besonderes?
Benno Möhlmann: Der Rekord bedeutet mir nicht sonderlich viel. Wichtiger ist mir, dass ich jetzt schon so lange im Geschäft bin - und das ohne größere Pausen. Ich bin jetzt seit 1972 praktisch durchgehend im Profifußball aktiv.

NDR.de: Sie knacken am 3. Februar auch die Marke von 1.000 Spielen in den ersten beiden Profiligen.
Möhlmann: Diese Zahl ist für mich nicht das Entscheidende. Für mich zählt primär, dass ich jetzt seit 40 Jahren als Spieler und Trainer im Profigeschäft tätig bin.

Benno Möhlmanns Karriere in Bildern

Dem Rekord auf der Spur

NDR.de: Also haben Sie sich in der Winterpause mit dem Rekord beschäftigt. Gab es vielleicht sogar Kontakt mit dem bisherigen Rekordhalter Uwe Klimaschefski?
Möhlmann: Wir haben uns mindestens zehn Jahre lang nicht mehr gesehen und auch sonst keinen Kontakt gehabt. Und ich habe auch nie Statistik über meine Einsätze geführt. Aber ich habe zuletzt mal im Internet geguckt, ob das alles seine Richtigkeit hat.

NDR.de: Und?
Möhlmann: (lacht) Einen Fehler habe ich nicht gefunden.

NDR.de: Zurück zu Ihrem Rekord: Können Sie sich noch an Ihr erstes Zweitliga-Spiel als Trainer erinnern?
Möhlmann: Ja, sehr gut sogar. Das war 1997 in Freiburg. Wir standen mit der SpVgg Greuther Fürth unten drin und der SC war oben mit dabei. Wenn man dann 1:0 gewinnt, vergisst man das nicht so schnell. Vor allem, weil damals Rachid Azzouzi, mit dem ich ja auch später in Fürth zusammengearbeitet habe, das Tor gemacht hat.

NDR.de: Wie kommt es, dass Sie nach Ihrer Bundesliga-Karriere als Profi und der ersten Station beim Hamburger SV, nun der "ewige" Zweitliga-Trainer sind?
Möhlmann: Es war natürlich nie mein Ziel, einen solchen Rekord aufzustellen oder "ewig" in der Zweiten Liga zu bleiben. Ich habe mich wohl nach meinem Aus beim HSV einfach zu schnell für einen neuen Job entschieden. Hätte ich ein bisschen gewartet, hätte ich bestimmt ein Angebot aus der Bundesliga bekommen. Aber mich hat Eintracht Braunschweig einfach zu sehr gereizt. Auch wenn die Eintracht damals drittklassig war, habe ich sofort zugeschlagen.

Der Fehler mit der Eintracht

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Unzufrieden nur beim zweiten Mal in Braunschweig: Trainer Benno Möhlmann.

NDR.de: Als Aktiver hatten Sie lediglich drei Vereine, in nunmehr 13 Jahren als Trainer ist Frankfurt auch erst Club Nummer fünf. Fühlen Sie sich ihren Vereinen immer ganz besonders verbunden?
Möhlmann: Unterm Strich habe ich bis auf mein zweites Engagement in Braunschweig nichts bereut. Das hätte ich einfach nicht machen sollen, weil damals zu viel Unruhe im Verein gewesen ist. Aber sonst waren die Vereine immer gut geordnet, ich hatte vernünftige Ansprechpartner und ich bin auch nie im Unfrieden gegangen.

NDR.de: In Braunschweig waren Sie zweimal Chefcoach, in Fürth sogar dreimal. Haben Sie die verpassten Aufstiege immer wieder an die alten Wirkungsstätten gelockt?
Möhlmann: Nein, nein. Das kann man so nicht sagen. In Fürth habe ich zum Beispiel einfach ausgeholfen, als Bruno Labbadia ganz kurzfristig aus seinem Vertrag in die Erste Liga gesprungen ist. Ich kannte nun mal die Gegebenheiten.