Stand: 06.02.2017 15:06 Uhr

"Intensives Fußballerlebnis" abstoßender Art

Ungehemmt haben einige BVB-"Fans" in Dortmund am Rande des Bundesligaspiels gegen RB Leipzig randaliert. Die heile Fußballwelt gibt es also auch in Dortmund längst nicht mehr.

Eine Betrachtung von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Hassbotschaften auf der Dortmunder Südtribüne - adressiert an den Bundesliga-Konkurrenten RB Leipzig.

"Natürlich sind wir noch ein Stück von den großen Marken Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United oder auch dem FC Bayern entfernt." So klingt es, wenn sich Fußball-Traditionalisten wie Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Aktiengesellschaft Borussia Dortmund, aus den Tiefen der Umkleidekabine zu Wort melden. Und da Marken Gewinn generieren müssen, haben die Dortmunder Südostasien "als neuen Zielmarkt definiert", wie der Marketingdirektor Carsten Cramer in ebenfalls reinem Stehplatzbesucher-Deutsch mitteilt, ganz so, als würde sich der Mann ausschließlich von Stadionbratwurst ernähren.

Eine Atmosphäre voller Hass

Auch wenn die Borussia, wie Cramer betont, nicht überall "First Mover" sein müsse, gehe es darum, das "Kernprodukt" - nämlich das intensive Fußballerlebnis - mit größtmöglicher Nähe zu transportieren. Natürlich mit dem Ziel, die "Marke Borussia Dortmund" zu stärken.

Ach ja, intensive Fußballerlebnisse: Die haben die Dortmunder nicht nur für die eigene Kundschaft vorgesehen, auch Gäste dürfen an dieser ganz speziellen Atmosphäre teilhaben. Wie die von RB Leipzig am vergangenen Wochenende: "Ich habe noch nie so hasserfüllte Fratzen gesehen", sagte der Einsatzleiter der Dortmunder Polizei in einer ersten Stellungnahme, nachdem die Verfechter tradierter Fußball-Werte ihrer Empörung über den Sittenverfall in der Bundesliga Luft gemacht hatten.

Dieses Spiel hätte nicht stattfinden dürfen!

Spieler von Borussia Dortmund jubeln, im Vordergrund stehen enttäuschte Spieler von RB Leipzig auf dem Rasen. © dpa bildfunk Fotograf: Friso Gensch

Hass und Gewalt vs. "Echte Liebe"

Auf ein Wort

Ungehemmt randalierten einige BVB-"Fans" am Rande des Spiels gegen RB Leipzig. Die heile Fußballwelt gibt's auch in Dortmund längst nicht mehr. Albrecht Breitschuh bittet auf ein Wort.

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Im Stadion, dessen Name die große Vereinsgeschichte betont und deshalb Signal-Iduna-Park heißt, zeigten die schwarz-gelben Tugendwächter nicht zum ersten Mal, dass Hassbotschaften keinesfalls eine Domäne des Internets sein müssen: "Für mehr Bullenhass", "Pflastersteine auf Bullen" oder "Bullenschlachten" stand auf den Spruchbändern, und dass diese Parolen durchaus als Aufruf zu verstehen waren, zur Tat zu schreiten, bezeugen die zahlreichen Verletzten rund um das - ja, man darf ruhig daran erinnern - Topspiel der Woche.

Die Polizei sprach von einer extremen Gewaltbereitschaft, die sich gegen jede als Leipzig-Fan erkennbare Person richtete, egal ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte. Auf einem Transparent wurde Leipzigs Sportdirektor Rangnick aufgefordert, Selbstmord zu begehen. Warum unter solchen Umständen das Spiel überhaupt angepfiffen wurde, wird das Geheimnis des - auch daran sei erinnert - Gastgebers bleiben.

Auf dass RB Leipzig deutscher Meister wird

Bisher haben mich die Anfeindungen gegen RB Leipzig eher amüsiert, vor allem wenn sie vom Anhang eines rein kommerziellen und börsennotierten Unternehmens wie Borussia Dortmund kamen, das sein Profitstreben mit dem Etikett "Echte Liebe" zu veredeln versucht. Jetzt stoßen mich diese vor Selbstgerechtigkeit triefenden Ausfälle selbst ernannter Fußball-Romantiker nur noch ab.

Meine beiden Wünsche für den Rest der Saison: Borussia Dortmund erobert in seinen nächsten Heimspielen vor leeren Rängen südostasiatische Märkte und RB Leipzig wird deutscher Meister. Auch wenn es auf Kosten des rein ehrenamtlich geführten Traditionsvereins Bayern München gehen würde.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 06.02.2017 | 18:25 Uhr

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