Stand: 23.03.2016 14:53 Uhr

Kruse trainiert wieder, VfL will helfen

Max Kruse (3.v.r.) im Kreise seiner VfL-Teamkollegen.

Nach dem Wirbel der vergangenen Tage will der VfL Wolfsburg die "Causa Kruse" nun in Ruhe aufarbeiten und den Profi vor der öffentlichen Hetze schützen. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Max Kruse jetzt dringend unsere Hilfe benötigt. Offenbar holen ihn derzeit Vorkommnisse und Probleme - auch aus seiner Vergangenheit - ein, die weder er noch wir steuern können", wird VfL-Sportchef Klaus Allofs auf der Website der Niedersachsen zitiert. Der Schutz der Person müsse nun im Vordergrund stehen. Kruse nahm am Mittwochvormittag das Mannschaftstraining wieder auf. Tags zuvor hatte er noch von der Öffentlichkeit abgeschirmt eine individuelle Einheit im VfL-Center absolviert. "Es ist an der Zeit, dass jetzt etwas Ruhe einkehrt. Dazu kann er selbst am besten beitragen, indem er sich etwas zurücknimmt", sagte Trainer Dieter Hecking am Mittwoch.

Kruse soll Lebensstil ändern

Da Kruse gegen das Geschehene juristisch vorgehe, dürfe er sich nicht öffentlich äußern, erklärte Allofs. Den 28-Jährigen habe das, was in den vergangenen Tagen über ihn hereingebrochen sei, "tief getroffen. Er hat sich aufrichtig entschuldigt und eingesehen, dass sein Verhalten sowohl seinem persönlichen Umfeld als auch dem Verein gegenüber völlig unangemessen war", sagte Allofs weiter. Die Hilfe des Clubs sei an Bedingungen geknüpft: "Wir haben verdeutlicht, dass wir für unsere weitere Unterstützung über diese Entschuldigung hinaus auch eine sofortige Veränderung seiner Lebensweise einfordern." Hecking ergänzte: "Ich hoffe, dass er die Hilfe annimmt und sich auf das konzentriert, was er besten kann: Fußball spielen."

Opfer einer Intrige?

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Der VfL will also den Neuanfang, wohl auch, weil Kruse das Opfer einer Intrige geworden sein könnte. Schon länger kursieren Gerüchte, dass dem Nationalspieler mit gezielten Indiskretionen und Attacken geschadet werden soll. So wurden private Sprachnachrichten und Details aus Kruses Privatleben Medien zugespielt. Nachdem vor einer Woche bekannt geworden war, dass Kruse im Oktober 75.000 Euro in bar in einem Taxi verloren hatte, folgte am Sonnabend ein Streit mit einer Reporterin während seiner Geburtstagsfeier in einem Berliner Szene-Club. Bundestrainer Joachim Löw warf den Offensivspieler daraufhin aus dem Nationalmannschaftskader. Als auch noch ein Nackt-Video im Netz kursierte, drohte Kruse das gleiche Schicksal beim VfL. Doch die "Wölfe" halten vorerst zu ihrem Spieler, machten aber auch deutlich, dass der Club das Verhalten Kruses missbillige und sich klar von den Vorfällen distanziere: "Meine Geschäftsführer-Kollegen und ich entschuldigen uns im Namen des VfL Wolfsburg bei allen, die ungewollt und ohne eigenes Zutun damit konfrontiert wurden", sagte Allofs.

Löw: "Nicht gleichbedeutend mit EM-Aus"

Auch bei der Nationalelf will man Kruse noch eine Chance geben: "Ich war der Meinung, dass er einen Denkzettel braucht. Es war jetzt aber für die beiden Spiele, es soll nicht gleichbedeutend sein mit dem Aus für die EM", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch: "Vielleicht lernt er ja was aus dieser Lektion." Manager Oliver Bierhoff verteidigte die Maßnahme im Vergleich zum Fall von Marco Reus, der wegen Fahrens ohne Führerschein nicht vom DFB bestraft wurde. "Man kann das nicht alles in einen Topf schmeißen. Bei Kruse ging es auch um professionelles Verhalten. Das ist etwas anderes, als wenn man einen Fehler macht, die junge Spieler immer wieder machen. Marco Reus hat einen Fehler gemacht, aber er hat sich nicht unprofessionell im sportlichen Sinne verhalten."

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