Stand: 19.09.2017 20:33 Uhr

St. Pauli beendet Holstein Kiels Siegesserie

von Hanno Bode, NDR.de

Die Siegesserie von Holstein Kiel ist im Nordduell mit dem FC St. Pauli gerissen. Die zuvor viermal in Folge erfolgreichen Schleswig-Holsteiner kassierten am siebten Zweitliga-Spieltag eine 0:1 (0:1)-Niederlage gegen die Hamburger. Johannes Flum erzielte am Dienstagabend das einzige Tor im Holstein-Stadion (44.). Durch die zweite Pleite in dieser Saison musste der Aufsteiger auch die Tabellenführung abgeben. Neuer Spitzenreiter ist zumindest bis Mittwochabend der SV Sandhausen. Die Baden-Württemberger schlugen Union Berlin mit 1:0. St. Pauli zog mit der KSV nach Punkten gleich. "Das war ein nervenaufreibender Abend", sagte St. Paulis Coach Olaf Janßen in Anspielung auf die außergewöhnlichen Umstände.

0:1: "Störche" lassen Federn gegen Kiezkicker

Verspäteter Anpfiff wegen Platzsturms

Das erste Zweitliga-Duell beider Clubs seit knapp 40 Jahren begann zehn Minuten später als ursprünglich geplant. Grund war ein Platzsturm von etwa 25 Chaoten um kurz nach 18 Uhr. Die ganz in schwarz gekleideten und vermummten Personen kamen aus dem KSV-Block und rannten zur St.-Pauli-Kurve. Dort versuchten sie, Fahnen und Spruchbänder des Gäste-Anhangs in ihren Besitz zu bringen. Auch ein bengalisches Feuer wurde gezündet. Ordnungkräften gelang es nach kurzer Zeit, die Holstein-Sympathisanten in ihren Block zurückzudrängen. Einige wurden in Gewahrsam genommen. Die Zuschauer wurden anschließend über Lautsprecher darüber informiert, dass bei einem weiteren derartigen Vorfall ein Spielabbruch drohen würde. "So was wollen wir im Fußball nicht sehen", sagte Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke: "Wir werden konsequent handeln. Leute, die wir ausmachen, werden wir nicht mehr reinlassen."

Kinsombi verpasst frühe KSV-Führung

Nachdem Referee Harm Osmers (Hannover) die Begegnung dann um 18.40 Uhr angepfiffen hatte, beschränkten sich beide Fanlager auf die verbale Unterstützung ihrer Teams. Der KSV-Anhang hatte dabei nach elf Minuten bereits den Torschrei auf den Lippen, als Mittelfeldmann David Kinsombi (erhielt den Vorzug vor Dominic Peitz) eine Hereingabe aus dem Halbfeld mit dem Hinterkopf in Richtung langes Toreck verlängerte. St. Paulis Schlussmann Robin Himmelmann bekam im letzten Moment noch die Fingerspitzen an den Ball und verhinderte so einen erneuten frühen Rückstand seiner Farben.

Flum bringt Kiezclub in Front

7.Spieltag, 19.09.2017 18:30 Uhr

  • Holstein Kiel
  • 0:1


  • FC St. Pauli

Tore: 0:1 Flum (44.)
Holstein Kiel: Kronholm - P. Herrmann, Schmidt, Czichos, Heidinger - Kinsombi - K. Schindler (66. Seydel), Drexler, Mühling, Lewerenz (79. Peitz) - Ducksch (89. Hoheneder)
FC St. Pauli: Himmelmann - L.-M. Zander, Avevor, L. Sobiech, Dudziak (70. Litka) - Nehrig, Flum - Sobota (76. Kalla), Neudecker, Buballa - Bouhaddouz (62. Allagui)
Zuschauer: 11935

Weitere Daten zum Spiel

Die am vergangenen Sonnabend vom FC Ingolstadt gedemütigten Hamburger - zur Pause stand es bereits 0:4 - kämpften sich anschließend peu à peu in die Partie. Insbesondere in der Arbeit gegen den Ball zeigte der Kiezclub, bei dem der wieder genesene Lasse Sobiech im Abwehrzentrum für Stabilität sorgte, ein ganz anderes Gesicht als gegen die "Schanzer". Und hin und wieder ließen die Hanseaten auch ihr fraglos vorhandenes fußballerisches Potenzial aufblitzen. So beispielsweise kurz vor der Halbzeit, als Aziz Bouhaddouz zu Richard Neudecker passte, der 20-Jährige seinen Gegenspieler mit einer einfachen Drehung aussteigen ließ und die Kugel zu Flum durchsteckte, der Kiels Schlussmann Kenneth Kronholm mit einem Rechtsschuss bezwang. Holstein war um eine Antwort nicht verlegen. Praktisch im Gegenzug flankte Rechtsaußen Kingsley Schindler auf den Elfmeterpunkt, wo Marvin Ducksch der Ball jedoch über den Schlappen rutschte (45.). Eine Aktion, die ein wenig sinnbildlich für den Auftritt des Aufsteigers in Durchgang eins stand. Denn in vorderster Front agierte die ansonsten keineswegs enttäuschende KSV vor der Pause einige Male überhastet und unkonzentriert.

"Joker" Seydel sticht nicht - Gelb-Rot für Herrmann

Nach dem Seitenwechsel vermochten es die "Störche" zunächst nicht, großen Druck auf St. Paulis Abwehr auszuüben. Die Schleswig-Holsteiner rannten zwar immer wieder an, fanden gegen die gut gestaffelten und taktisch sehr disziplinierten Hamburger aber vorerst keine Mittel. Holstein-Trainer Markus Anfang reagierte und wechselte in Aaron Seydel für Schindler einen zweiten etatmäßigen Mittelstürmer ein (66.). Der Tausch hatte eine Änderung des 4-1-4-1-Systems zu einer 4-4-2-Formation zur Folge. Und der Joker hätte beinahe gestochen. In der 75. Minute hielt die Leihgabe vom 1. FSV Mainz 05 bei einem verunglückten Schuss von Alexander Mühling geschickt den Fuß hin, gab dem Ball eine Richtungsänderung, verfehlte das Ziel jedoch knapp. Kurz darauf schickte Anfang den baumlangen Peitz für Steven Lewerenz aufs Feld (79.), womit recht klar war, dass die KSV in der Schlussphase die häufig zitierte Brechstange auspacken würde. Doch auch diese Methode führte an diesem Abend nicht mehr zum Erfolg. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Patrick Herrmann (83., wiederholtes Foulspiel) war es für die Kieler allerdings in Unterzahl auch noch einmal ungleich schwerer, St.-Paulis Abwehrbollwerk zu knacken.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 19.09.2017 | 19:00 Uhr

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