Stand: 02.06.2011 13:46 Uhr

SV Meppen: Tief gefallen, frenetisch gefeiert

von Hanno Bode, NDR.de
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Stadionsprecher Heiner Harnack beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen.

Heiner Harnack hat gewohnt routiniert und fehlerfrei die Aufstellung der Gästemannschaft vom Spielberichtsbogen abgelesen. Der leicht untersetzte Mann mit dem legeren Freizeithemd, der blauen Jeans und den weißen Turnschuhen scheint keine sonderlich große emotionale Bindung zu seiner Tätigkeit zu haben. Doch der Schein trügt. Harnack atmet einmal tief durch, geht ein paar Schritte nach links und steht nun vor dem Zaun, hinter dem sich die treusten der treuen Anhänger des SV Meppen versammelt haben. Der 51-Jährige blickt in den bis auf den letzten Platz gefüllten Block, hält noch einmal kurz inne und fordert die Fans dann auf, die Nachnamen der SVM-Fußballer lautstark zu rufen. Nun beginnt das perfekte Zusammenspiel zwischen Harnack und den Zuschauern, die sich beinahe komplett von ihren Sitzen erhoben haben. Der Stadionsprecher ruft: "Mit der Nummer eins Marcel …" - der Anhang schreit zurück: "Lücking". So geht das bei allen 18 Kickern, die Meppens Trainer Johann Lünemann für das Derby gegen den VfB Oldenburg nominiert hat.

Der Mythos lebt

Für ein paar Momente scheint es, als sei im Stadion an der Lathener Straße die Zeit stehen geblieben, würde der SV Meppen noch immer wie von 1987 bis 1998 in der Zweiten Liga auf Punktejagd gehen. Die Realität aber heißt für den Kultclub aus dem Emsland Oberliga Niedersachsen. Das ist nur noch die fünfthöchste deutsche Spielklasse - ein Sammelbecken für ambitionierte Freizeitfußballer und gescheiterte Ex-Profis. Seine Anziehungskraft hat der Verein dennoch nicht verloren. Gegen Oldenburg strömen 5.310 Zuschauer in die nach einem Getränkehändler benannte Arena. Der Mythos SV Meppen lebt - in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord. Denn der SVM sicherte sich zwei Spieltage vor Schluss den Aufstieg.

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Gänsehaut bei der Fanchoreografie

Harnack ist ein Teil der Geschichte des Clubs. Der gebürtige Hamburger begleitete bereits zu Profizeiten die Heimspiele des Teams, zog sich später zurück, um 2009 dem Werben seiner alten Liebe wieder zu erliegen. Er sei eine Art "Regierungssprecher" witzelt der 51-Jährige gerne. Nun verlässt er den Rasen. So unauffällig, wie er ihn betreten hat. Im Spielertunnel warten die beiden Mannschaften ungeduldig darauf, vom Schiedsrichtergespann aufs Feld geführt zu werden. Ein paar Minuten aber müssen sie noch warten. Auch in der Oberliga gibt es ein festgelegtes Protokoll. Währenddessen enthüllen die Fans ihre extra zum Saisonendspurt angefertigten Transparente. "Ein Verein voller Leidenschaft und Tradition" steht auf einem. "Stolz der Region" und "Seele der Stadt" auf zwei weiteren. Beifall brandet durch das 16.500 Zuschauer fassende Stadion. "Bei der Anfangschoreografie der Fans habe ich eine Gänsehaut bekommen", sagt das sichtlich berührte Vorstandsmitglied Dieter Barlage später.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 29.05.2011 | 22:40 Uhr

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