Stand: 09.08.2015 17:02 Uhr

Pokal-Blamage: HSV erlebt im Paradies die Hölle

von Hanno Bode, NDR.de

Der Hamburger SV hat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals bis auf die Knochen blamiert und kann sich nun in Gänze auf die kommende Bundesliga-Serie konzentrieren. Die Hanseaten unterlagen am Sonntagnachmittag beim Nordost-Regionalligisten Carl Zeiss Jena mit 2:3 (2:2, 0:1) nach Verlängerung. Nach regulärer Spielzeit hatte es 2:2 gestanden. Auf dem im Paradies-Park gelegenen Ernst-Abbe-Sportfeld zeigten die Norddeutschen sechs Tage vor Beginn des Liga-Alltags beim Branchenprimus FC Bayern München eine Leistung, die keinen Erstliga-Ansprüchen genügte. "Jena hat verdient gewonnen, sie haben mehr Leidenschaft gezeigt. Unsere Körpersprache war nicht die, die ich erwartet hatte. So dürfen wir uns nicht präsentieren", resümierte HSV-Coach Bruno Labbadia.

Regionalligist blamiert HSV bis auf die Knochen

Djourou verletzt sich beim Aufwärmen

Der Trainer hatte kurz vor dem Anpfiff noch umdisponieren müssen, da sich der neue Kapitän Johan Djourou beim Aufwärmen verletzte. Für den Schweizer rückte Cléber Reis in die Startelf. Der Brasilianer bildete mit dem vormaligen Leverkusener Emir Spahic die Innenverteidigung. Zudem standen in Rechtsverteidiger Gotoku Sakai sowie Mittelfeldakteur Albin Ekdal zwei weitere Neuzugänge in der Hamburger Anfangsformation.

Traumtor führt zu Hamburgs Rückstand

Fußball DFB-Pokal, 1. Runde

  • FC CZ Jena
  • 3:2


  • Hamburger SV

Tore: 1:0 Gerlach (15.) 1:1 Olic (49.) 2:1 V. Jovanovic (58.) 2:2 Gregoritsch (90.+4) 3:2 Pieles (106.)
FC CZ Jena: Koczor - Eismann, Klingbeil, Gerlach, Krstic - Bär (68. Vojvoda), Krauße, Eckardt, Schlegel (90.+2 Wolfram) - M. Starke, V. Jovanovic (88. Pieles)
Hamburger SV: R. Adler - G. Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek - M. Diaz - Olic, Ekdal (61. Schipplock), Holtby (71. G. Jung), Ilicevic - Lasogga (77. Gregoritsch)
Zuschauer: 13800

Weitere Daten zum Spiel

In Anbetracht der hoffnungsvollen Vorbereitungsphase inklusive guter Testspiel-Ergebnisse überraschte es, wie pomadig, unkonzentriert und uninspiriert sich der Bundesligist präsentierte. Aus einer schwachen Mannschaft ragte Cléber Reis noch negativ heraus. Der 24-Jährige - in der Vergangenheit schon mehrfach durch sinnfreie Pässe im Aufbauspiel aufgefallen - bereitete Jenas Führung durch ein unpräzises Zuspiel auf Spahic unfreiwillig mit vor. Der Bosnier konnte den Ball nicht unter Kontrolle bringen und sich anschließend rund 30 Meter vor dem eigenen Gehäuse nur mit einem Foul behelfen. Justin Gerlach trat zum Freistoß an und brachte das Paradies zum Beben: Der Standard des 25 Jahre alten Innenverteidigers schlug von ihm aus gesehen im rechten Eck des HSV-Gehäuses ein (15.). Hamburgs Schlussmann René Adler konnte erst spät reagieren, da ihm die Sicht versperrt war.

Ilicevic vergibt zweimal den Ausgleich

Hernach wusste sich der Favorit leicht zu steigern, konnte zunächst jedoch keine Durchschlagskraft im Angriff entwickeln. Die erste nennenswerte Gelegenheit für den Favoriten besaß Ivo Ilicevic in der 33. Minute. Den Kopfball des Kroaten köpfte der vormalige Rostocker Manfred Starke auf der Linie über die Latte. Kurz darauf prüfte Sakai Jenas Keeper Raphael Koczor mit einem Schuss in das kurze Eck (36.). An der letzten nennenswerten Aktion in der ersten Hälfte war erneut Ilicevic beteiligt. Abermals verfehlte der Offensivmann per Kopf das 1:1 (43.).

Irreguläres Tor zum 1:1

Nach dem Seitenwechsel trat dann zunächst wieder Cléber Reis auf den Plan. Der Innenverteidiger versuchte sich als Spielgestalter, rannte mit dem Ball am Fuß in Jenas Hälfte und verlor das Spielgerät in Anbetracht seiner überschaubaren technischen Fähigkeiten nicht sonderlich überraschend. Die Thüringer schalteten blitzschnell um und brachten Marcel Bär in Position, dessen Schuss aber deutlich das Ziel verfehlte (47.). Inzwischen war offenbar auch der dem HSV bekanntermaßen wohlgesonnene "Fußballgott" im Paradies angekommen. Die harmlosen Hanseaten bekamen den Ausgleich jedenfalls mehr oder minder von Referee Frank Willenborg (Osnabrück) geschenkt. Der Unparteiische übersah vor dem Pass von Ilicevic auf Ivica Olic, der egalisierte (49.), dass der Ball deutlich hinter der Torlinie war. "Schieber, Schieber, Schieber", hallte es durch die Arena.

Gregoritsch rettet Hamburg in die Verlängerung

Bild vergrößern
Michael Gregoritsch (2.v.l.) erzielte den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich.

Schon bald darauf aber wandelte sich der Frust der Carl-Zeiss-Fans in Freude um. Ihr aufopferungsvoll kämpfendes Team war ein zweites Mal erfolgreich. Diesmal hieß der Torschütze Velimir Jovanovic. Der frühere Neustrelitz-Stürmer schloss einen mustergültig vorgetragenen Angriff aus der Nahdistanz ab (58.). Nicht nur in dieser Szene offenbarten sich Hamburgs Defizite in der Rückwärtsbewegung. Labbadia war zum Handeln gezwungen. Der Übungsleiter wechselte Angreifer Sven Schipplock für den farblosen Ekdal ein, sodass nun mit dem Ex-Hoffenheimer und Pierre-Michel Lasogga zwei echte Mittelstürmer auf dem Platz standen. Schipplock besaß auch die große Chance zum Ausgleich, scheiterte aus einem Meter aber an Koczor (85.). Besser machte es Michael Gregoritsch. In der vierten Minute der Nachspielzeit staubte der Österreicher nach einem Kopfball des bei einer Ilicevic-Ecke aufgerückten Keepers Adler zum 2:2 ab. Eigentlich hatte Referee Willenborg lediglich 180 Sekunden Extrazeit angezeigt. Der HSV und der "Fußballgott"...

Pieles macht die Sensation perfekt

In der Verlängerung schalteten die Norddeutschen dann wieder in den Ruhemodus um. Jena war in den ersten 15 Minuten das aktivere Team, hatte mehr Drang zum Tor. Kurz nach dem Seitenwechsel belohnte Johannes Pieles den couragierten Jenaer Auftritt mit dem 3:2. Der eingewechselte Angreifer war nach einem weiten Einwurf von Filip Krstic per Kopf erfolgreich (106.). Spahic, der ähnlich schludrig wie Nebenmann Cléber Reis seine Arbeit verrichtete, kam einen Schritt zu spät gegen den "Joker". Hernach gelang es den Hanseaten nicht mehr, Druck auf den Außenseiter auszuüben, sodass am Ende eine verdiente Niederlage für die erschreckend schwache Labbadia-Equipe zu Buche schlug.

Ausschreitungen nach Spielende

Unmittelbar nach der Begegnung ist es in Thüringen zu Krawallen gekommen. Einige frustrierte Hamburger Anhänger kletterten nach dem Schlusspfiff über die Zäune in den Innenraum des Ernst-Abbe-Sportfelds und mussten von der Polizei aufgehalten werden. Außerdem wurden verschiedene Gegenstände auf die Sicherheitskräfte geworfen. Dabei wurde ein Ordner am Kopf getroffen und ging daraufhin zu Boden. Schon während und vor der dramatischen Partie wurden zudem sowohl im Hamburger als auch im Jenaer Fanblock mehrere Feuerwerkskörper und Rauchbomben gezündet.

28 Bilder

Der HSV-Kader für die Saison 2015/2016

Das Aufgebot des Bundesligisten Hamburger SV in Bildern. Bildergalerie

Ergebnisse und Ansetzungen im DFB-Pokal

Die Spielpaarungen im DFB-Pokal der Saison 2015/2016 hier im Überblick. mehr