Evangelikale Verlage vertreiben in Deutschland Ratgeber für eine "biblisch-orientierte Erziehung". In den Büchern wird Gehorsam den Eltern und Gott gegenüber als wichtigstes Ziel beschrieben.
Um die Kinder gehorsam zu machen, wird auch die Rute als Erziehungsmittel empfohlen. Sie "sollte bei jedem Kind angewandt werden", schreibt z.B. Lou Priolo in "Kinderherzen lehren". Priolo hat ein ganzes Kapitel dem Thema "Rute und Tadel" gewidmet. Sein Buch ist 2009 in Deutschland erschienen.
Lou Priolo ist der Auffassung, dass es wichtig sei, vor der Bestrafung mit dem Kind zu sprechen. Dann werde ihm klar, "dass es gegen Gottes Gesetz verstoßen hat" und "dass es gezüchtigt werden muss."
Der Herausgeber, Hans-Werner Deppe, sieht das Buch nicht als Aufruf zur Prügelstrafe. Es gehe darum, "Kindern biblische Inhalte zu vermitteln und die Charakterentwicklung des Kindes durch diese Inhalte und Werte zu begünstigen", so Deppe. "Die Erwähnung der 'Rute' am Rande verstehe ich eher vom historisch-kulturellen Hintergrund der Bibel her."
Dabei spricht der Autor, Lou Priolo, sogar explizit von "Schlägen" und merkt in einer Fußnote an: "Rute" stehe für körperliche Züchtigung. Priolo kommt zu dem Schluss, dass Schläge "positiv und aufbauend wirken" könnten.
Ein weiterer Autor, John MacArthur, schreibt in seinem Buch "Kindererziehung – Wir wollen es besser machen": Die Bibel warne die Eltern davor, die Rute außer Acht zu lassen.
Die Schläge sollten "schmerzhaft genug sein, um die Folgen der Sünde in ausreichender Weise als scheußlich und unvergesslich darzustellen", so John MacArthur.
Die Schläge werden mit Bibelsprüchen begründet. Meist wird die Stelle zitiert, in der es heißt: "Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn; aber wer ihn liebhat, züchtigt ihn beizeiten", wie hier bei John MacArthur.
Der Verleger des Buchs wollte auf Fragen des NDR nicht antworten.
Ein weiterer fundamentalistischer Erziehungsratgeber stammt von Tedd Tripp. Sein Buch "Eltern - Hirten der Herzen - Biblisch orientierte Erziehung" ist laut dem Verleger vergriffen. Die Vortrags-CD des Autors ist aber noch bei einem anderen Verlag erhältlich.
Darin gibt Tedd Tripp "Praktische Ratschläge" für eine "körperliche Züchtigung". Er empfiehlt u.a., dem Kind vorher zu sagen, wie viele Schläge es bekommt. Dann dem Kind die Hose ausziehen. "Der Grund ist offensichtlich. Ich will nicht, dass die Wirkung der Züchtigung durch die Hose verloren geht." Bei Kleinkindern solle man die Windel nicht vergessen.
Auf Anfrage des NDR verweist auch Wolfgang Bühne, der Verleger der CD von Tedd Tripp, auf die Bibel. Sie spreche "eindeutig von der Notwendigkeit und Nützlichkeit der Zucht".