Stand: 20.11.2014 09:13 Uhr  | Archiv

Die Schatzkammern der Uni Göttingen

Die Georg-August-Universität Göttingen beweist, dass Hochschulen Wissen nicht nur in dicken Büchern und riesigen Computern sammeln, sondern auch ganz handfest zum Ansehen und Anfassen. Jeweils sonntags lädt die Hochschule in sechs ihrer umfangreichen Sammlungen ein. Besucher können sich über so unterschiedliche Themengebiete wie Musikinstrumente und Ethnologie, antike Skulpturen und Geowissenschaften, Zoologie und Kunstgeschichte informieren.

Klanginstrumente aus aller Welt

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Das Lamellophon Mbira dzaVadzimu stammt aus Zimbabwe.

Allein zur Instrumentensammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars gehören fast 2.000 Exemplare aus aller Welt. Der Schwerpunkt liegt auf Europa, doch auch Hunderte exotische Instrumente aus dem südlichen Afrika, Asien und Ozeanien haben die Wissenschaftler zusammengetragen. Knapp 1.000 davon zeigen sie in 15 Räumen des historischen Accouchierhauses, der ersten Frauenklinik der Stadt. Dazu gehören Raritäten wie eine altägyptische Bogenharfe aus der Zeit um 2.500 vor Christus, eine koptische Laute aus der Zeit um das 5. Jahrhundert und die wohl älteste Blockflöte Europas aus dem 14. Jahrhundert.

Die bunte Vielfalt der Ethnologen

Bunte Gewänder aus der Südsee und Federschmuck aus Lateinamerika gehören zum Bestand der Ethnologischen Sammlung. Rund 500 Gegenstände stammen von Südsee-Reisen, die der legendäre Kapitän James Cook zwischen 1768 und 1780 unternahm. Afrika ist mit 4.500 Exponaten vertreten. Sie bieten einen umfassenden Einblick in den kulturellen Wandel des Kontinents sowie die unterschiedlichen Arten zu arbeiten und zu wirtschaften.

Zu Gast bei den weißen Figuren

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Ganz in Weiß: Die Gipsskulpturen des Archäologischen Museums.

Auf Originale muss das Archäologische Institut in seiner Sammlung antiker Skulpturen verzichten. Doch mehr als 1.000 Gipsabdrücke in Originalgröße bieten Besuchern eine Vielfalt, für die sie sonst in rund 150 verschiedene Museen reisen müssten. Die Skulpturen stammen überwiegend aus den römischen und griechischen Kulturkreisen. Bei einem Rundgang begegnet man so prominenten Persönlichkeiten wie Caesar, der Venus von Milo, Sophokles, Dionysos oder Herakles.

Ein Blick in die Erde

Den mit Abstand größten Bestand der Göttinger Sammlungen haben die Geowissenschaftler zusammengetragen. Schon die Bernsteinsammlung besteht aus rund 20.000 Objekten, meist eingeschlossenen Pflanzen oder Tieren. Die Ursprünge des geowissenschaftlichen Museums gehen auf die Zeit der Universitätsgründung 1737 zurück - die Sammlung umfasst inzwischen mehr als vier Millionen Objekte. Mineralien aus aller Welt und Organismen aus den Tiefen der Meere, Versteinerungen und Edelsteine: Ein Bummel durch die Ausstellung erlaubt einen umfassenden Blick in das Innere der Erde.

Der stille Zoo

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Zur Sammlung gehören mehr als 100.000 präparierte Tiere wie diese afrikanischen Schmetterlinge.

Lebende Tiere gibt es im Zoologischen Museum der Uni nicht zu sehen. Stattdessen eine gewaltige Zahl präparierter Lebewesen aus vielen Teilen der Welt in Kästen oder Gläsern. Manche Arten sind seit Jahrzehnten ausgestorben oder kommen in der Natur nur noch in wenigen Exemplaren vor. Größtes Ausstellungsstück ist das 17 Meter lange Skelett eines Pottwals. Das Museum gliedert sich in die Bereiche einheimische Tierwelt, Evolution und System der Tiere sowie Skelette der Wirbeltiere.

Von Rembrandt bis Video-Kunst

Dürer, Rembrandt, Nolde oder Beckmann? Die Kunstsammlung der Uni hat sie alle. Rund 300 Gemälde, von alten Meistern bis aktuellen Werken, aber auch 150 Arbeiten von Videokünstlern gehören zum Bestand des Kunstgeschichtlichen Seminars. Dazu kommen Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien und Zeiten, wie eine Madonna von 1330. Das Grafische Kabinett umfasst rund 15.000 Graphiken, 2.500 Zeichnungen und Schätze wie eine originale Druckplatte von Rembrandt.

Über Details der Ausstellungen informiert eine Website der Universität.

Tipps für Besucher

Die sechs Sammlungen der Georg-August-Universität Göttingen sind jeweils sonntags von 10 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet. Schulklassen und Gruppen können individuelle Termine vereinbaren. Der Eintritt beträgt wenige Euro, teilweise ist er frei. Die Sammlungen sind auf verschiedene Uni-Gebäude verteilt.
Nähere Informationen bietet eine Website der Universität (Link oben).

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