Sendedatum: 26.04.2013 20:15 Uhr

Gift im Rasen durch Moos-Entferner

von Uwe Leiterer
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Die Handarbeit des Vertikutierens soll durch Eisendünger unterstützt werden. Mit heiklen Folgen für Mensch und Umwelt.

Baumärkte empfehlen Eisendünger zur Entfernung von Moos im Rasen, ohne auf die Gefährlichkeit hinzuweisen. Eisendünger enthält den Wirkstoff Eisen-II-Sulfat und ist als giftiges Pflanzenschutzmittel einzustufen. Baumärkte aber verkaufen ihn als billigen Dünger. Mediziner und Umweltbundesamt zeigen sich besorgt.

Durch Dünger abgetötetes Moos ist Sondermüll

Endlich Frühling, viele Verbraucher wollen jetzt ihren Rasen pflegen und von Moos befreien. In einer Stichprobe hat Markt fünf Baumärkte besucht: Obi, Max Bahr, Praktiker, Bauhaus und Hornbach. Mit immer derselben Frage: "Was empfehlen Sie gegen Moos im Rasen?" Alle getesteten Baumärkte empfehlen Eisendünger, Eisen-II-Sulfat, in Drei-, Fünf- und Zehn-Kilogramm-Eimern. Dr. Jens Utermann vom Umweltbundesamt kritisiert: "Wenn Eisen-II-Sulfat als Unkrautbekämpfungsmittel gegen Moos eingesetzt wird, dürfte es nicht als Düngemittel verkauft werden." Außerdem haben es die toten Moospflanzenteile in sich: Sie dürfen weder auf den Kompost noch in die Biotonne noch in den Hausmüll. Sie sind Sondermüll und müssen bei den Schwermetallen entsorgt werden.

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Schutzanzug und Atemmaske bei Anwendung erforderlich

Keiner der Mitarbeiter in den Baumärkten gibt den Markt Reportern einen Hinweis auf Schutzkleidung. Auf Nachfrage heißt es nur, dass Gummihandschuhe ganz gut seien. Will man Eisendünger vorschriftsmäßig ausbringen, müssten jedoch säurebeständige Schutzhandschuhe, ein Schutzanzug, eine Brille und eine Gesichtsmaske mit Atemschutz getragen werden. Ulrike Opravil vom Berufsverband Deutscher Arbeitsmediziner rät dringend, die Sicherheitshinweise zu beachten. "Vor allem die Augen sind bei Kontakt mit dem Wirkstoff gefährdet, denn das Eisen-II-Sulfat im Dünger kann ätzende Schwefelsäure freisetzen, wenn es mit der feuchten Bindehaut der Augen in Berührung kommt."

Von Markt mit den Vorwürfen konfrontiert, versprachen Max Bahr und Hornbach, die Mitarbeiter künftig besser zu schulen. Bauhaus will Eisendünger aus dem Sortiment nehmen. Obi und Praktiker äußerten sich bis Redaktionsschluss zu den Vorwürfen nicht.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.04.2013 | 20:15 Uhr

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