Stand: 07.12.2013 14:56 Uhr

"Xaver" ade - Aufatmen im Norden

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Orkan "Xaver" hat an den Küsten - wie hier auf Norderney - ordentlich gewütet. Insgesamt blieben die Schäden aber geringer als befürchtet.

Einige schwere Sturmböen hat es auch am Sonnabend noch im Harz, auf den Inseln und an den Küsten gegeben, doch das Schlimmste ist überstanden: Orkantief "Xaver" ist aus Norddeutschland abgezogen. Die letzten Ausläufer folgen in den kommenden Tagen. Mit Stürmen und Unwettern sei aber nicht mehr zu rechnen, hieß es vom Deutschen Wetterdienst: "Bis Wochenbeginn wird sich das Wetter in ganz Deutschland beruhigen."

Wintereinbruch nach dem Orkan

Nach dem Abzug des Sturms hat der Winter Schleswig-Holstein und Hamburg erreicht - mit Schneefall und Straßenglätte. Zwischen Freitagnachmittag und Samstagfrüh zählte die Landespolizei in Kiel etwa 100 Unfälle. Drei Menschen seien leicht verletzt worden. Zu den Unfallschwerpunkten zählten die A 1 sowie die A 21 südlich von Bad Segeberg, sagte ein Polizeisprecher.

In Hamburg seien bis zum frühen Sonnabendmorgen zwar keine Autofahrer in Unfälle verwickelt worden, teilte die Polizei mit. Doch auch in der Hansestadt waren die Straßen spiegelglatt: Der Winterdienst der Stadtreinigung Hamburg sei mit mehr als 900 Mitarbeitern und 350 Streu- und Räumfahrzeugen ausgerückt, teilte das Unternehmen mit.

Aufräumarbeiten im ganzen Norden

Nach dem Orkan und den durch ihn verursachten schweren Sturmfluten haben unterdessen überall im Norden die Aufräumarbeiten begonnen. In Niedersachsen hat es vor allem auf Juist, Norderney, Spiekeroog und Wangerooge erhebliche Dünenabbrüche gegeben, sagte Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Wangerooges Bürgermeister Holger Kohls (parteilos) rechnet allein für seine Insel mit mehreren Hunderttausend Euro, die nun für neue Sandaufschüttungen ausgegeben werden müssen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtete. Abschließend könne erst in einen Tagen gesagt werden, wie hoch die Gesamtschäden ausfallen, sagte Stolz. Auf dem Festland sei es allerdings kaum zu Schäden gekommen.

Schleswig-Holstein: "Vergleichsweise glimpflich davongekommen"

"Xaver" hatte auch den Menschen in Schleswig-Holstein viele unruhige Stunden beschert, richtete aber weniger Schäden an als befürchtet. Eine schwere Sturmflut setzte in der Nacht zu Freitag vor allem den Küsten Dithmarschens und Nordfrieslands stark zu. Allerdings blieben die Pegelstände der Nordsee hinter den schlimmsten Befürchtungen zurück. Überall hielten die Deiche. Schleswig-Holstein ist laut dem Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Johannes Oelerich, vergleichsweise "glimpflich" davongekommen.

Hamburg: "Alles wieder normalisiert"

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Gleich dreimal wurden tiefliegende Gebiete im Hamburger Hafen in den vergangenen Tagen von Sturmfluten überspült.

Hamburg war am Freitagabend von der dritten Sturmflut hintereinander getroffen worden. Das Wasser stieg am Pegel St. Pauli kurz vor 18 Uhr auf 2,90 Meter über dem mittleren Hochwasser. Damit lag der Wasserstand gut einen Meter niedriger als beim Hochwasser am Freitagmorgen. Dieser Wasserstand war mit 3,98 Metern über dem mittleren Hochwasser der bisher zweithöchste in der Geschichte Hamburgs gewesen. Fischmarkt, Speicherstadt und Hafencity standen zum Teil mehrere Meter hoch unter Wasser. Die heutige Morgenflut erreichte hingegen nur noch 1,48 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie ein Sprecher des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagte. Damit habe sich "alles wieder normalisiert".

Nur leichte Sturmflut in Mecklenburg-Vorpommern

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Lage beruhigt. Die Sturmflut in der Nacht zu Sonnabend fiel mit Werten um einen Meter über dem mittleren Wasserstand in Wismar und Warnemünde sowie 85 Zentimetern in Sassnitz und Greifswald geringer aus als zunächst befürchtet. Die Polizeipräsidien in Rostock und Neubrandenburg meldeten keine Zwischenfälle. "Wir sind froh, dass es vorbei ist", sagte ein Polizeisprecher in Neubrandenburg. Der Sturm hatte auf Hiddensee Spitzengeschwindigkeiten von 167 Kilometer pro Stunde erreicht, in Heiligendamm waren es 141 Kilometer pro Stunde.

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