Stand: 11.09.2017 17:29 Uhr

Wohlwollen für Energiewende nicht gefährden!

Ohne die Windkraft kann Deutschland die Energiewende nicht schaffen - darauf haben am Montag die Energieminister der norddeutschen Bundesländer in ihrem sogenannten Cuxhavener Appell gemeinsam mit Branchenverbänden hingewiesen. Auf der Nord- und Ostsee gibt es demnach noch riesige Energiepotenziale. Die Rahmenbedingungen, um vor allem die Offshore-Windenergie weiter ausbauen zu können, müssten ihrer Meinung nach jetzt geschaffen werden. Aber wie viele Windparks verkraftet das Wattenmeer denn noch? Wie zukunftsträchtig ist die Windenergie von der Küste?

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Die Energiewende ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die strukturschwachen Küstenregionen Norddeutschlands, meint Ulrich Czisla im Kommentar.

Klimaschutz als - bestenfalls - Nebeneffekt. Nur ein einziges Mal wird in dem vierseitigen "Cuxhavener Appell" Bezug auf die Klimaziele des Pariser Abkommens genommen. Aber darum geht es den Verfassern ja auch gar nicht. Windenergie ist für sie vor allem ein großes Investitionsprogramm für den Norden. Und natürlich ist der Cuxhavener Forderungskatalog deshalb auch von den Wirtschaftsministern und -senatoren der norddeutschen Bundesländer unterschrieben.

Nicht Umweltschutz-Organisationen und Umweltminister und -senatoren sind da angetreten, uns zu erklären, warum die Offshore-Windenergie so wichtig ist, dass sie uns hilft, weniger CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Die Verfasser des Manifests sind Lobbyisten unterschiedlichster Couleur: Vertreter von Gewerkschaften, der Wirtschaft, von Lobbyverbänden und eben Wirtschaftspolitiker. Sie reden von Tausenden von Arbeitsplätzen, die es mittlerweile bei der Offshore-Windenergie und ihren Zulieferern gibt und begründen damit, dass die Bundesregierung nicht nachlassen darf bei Förderprogrammen und Subventionen.

Weitere und immer höhere Subventionen können nicht das Ziel sein

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Dossier: Windenergie in Norddeutschland

Im Mix der erneuerbaren Energien spielt Windenergie die bedeutendste Rolle. Vor allem an den Küsten im Norden Deutschlands kommt die Windenergie zum Zuge. Infos im Dossier bei NDR.de. mehr

Doch das ist falsch. Die Energiewende ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die strukturschwachen Küstenregionen Norddeutschlands. Der Umbau der deutschen Stromversorgung - weg von Atomkraft und weg von CO2-emitierenden Kohlekraftwerken - wird von den meisten Bundesbürgern nur deshalb immer noch wohlwollend finanziert, weil sie glauben, etwas Richtiges und Wichtiges zu tun.

Weitere und immer höhere Subventionen - und damit immer höhere Strompreise - zerstören dieses Wohlwollen für die Energiewende. Ziel muss sein, dass die Erzeugung nachhaltiger Energie mit immer weniger staatlichen Zuwendungen auskommt. Es dürfen nicht immer mehr Ideen für neue Förderbereiche entwickelt werden. Getreu dem Motto "das Geld ist ja da, wir müssen es uns nur holen".

Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen

Vieles ist dabei noch zu leisten: So muss zum Beispiel das Stromnetz, insbesondere die Stromautobahnen Richtung Süden, ausgebaut werden. Schon heute zahlen die Bundesbürger zig Millionen Euro pro Jahr, weil Windräder zeitweise abgeschaltet werden müssen, nur weil sie ihre Energie nicht mehr ins Netz einspeisen können. Nötig ist auch eine intelligente Kopplung der Gas-, Strom- und Wärmenetze. Oder die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, also der Abbau von Bürokratie.

Auch diese Punkte werden im Cuxhavener Appell richtigerweise mit aufgeführt. Sie sind umsetzbar, ohne dass der deutsche Stromkunde abermals tiefer in die Tasche greifen muss. Und sie sind zugleich unabdingbare Voraussetzung für den Ausbau der nachhaltigen Energie. Schon jetzt den Bau zahlreicher neuer Windparks zu genehmigen, hieße, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Aus Sicht der Wirtschafts-Lobbyisten ist das zwar verständlich, für die Sache selbst aber schädlich.

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NDR Info | Kommentare | 11.09.2017 | 17:08 Uhr

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