Stand: 12.05.2017 17:41 Uhr

"Tag der Pflege": Ver.di warnt vor Notstand

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Ver.di warnt vor einem Pflegenotstand: In Deutschland fehlen der Gewerkschaft zufolge an Krankenhäusern 70.000 Stellen in der Pflege.

"Wir brauchen mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Deshalb stehen wir heute hier." Steffen Kühhirt, Fachbereichsleiter für Gesundheitspolitik bei ver.di Nord, spricht am Freitag vor mehr als 300 Demonstranten auf dem Kieler Bahnhofsvorplatz. In ganz Deutschland hatte die Gewerkschaft zu Protestaktionen am "Internationalen Tag der Pflege" aufgerufen - auch in Norddeutschland gab es mehrere Demos. Hintergrund ist der von den Arbeitnehmervertretern befürchtete Pflegenotstand. Dieser stelle "eine tickende Zeitbombe" dar. Rund 3.000 bis 3.500 Stellen fehlten allein in Schleswig-Holstein in der Pflege, schätzt die Gewerkschaft. Die Lage sei bereits jetzt "dramatisch". Dabei werde die Nachfrage nach geschulten Kräften noch deutlich zunehmen. "Die Zahl der Pflegebedürftigen wird wegen der demografischen Entwicklung noch erheblich steigen", meint Kühhirt.

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Warme Worte sind am "Tag der Pflege" zu wenig

12.05.2017 18:30 Uhr
NDR Info

Personalmangel und vernachlässigte Patienten - darauf haben am "Tag der Pflege" unter anderem die Gewerkschaften hingewiesen. Doch Appelle seien zu wenig, kommentiert Jörg Seisselberg. mehr

"Es gibt sehr viel Resignation bei den Kollegen"

Christian Godau von ver.di Nord erläutert in Kiel, worum es ver.di geht: "Wir fordern einen Personalbemessungsschlüssel von der Politik. Wir können das nicht dem Markt überlassen." In Nachtschichten sei in Krankenhäusern oft nur ein Pfleger für eine ganze Station zuständig. "Es gibt sehr viel Resignation bei den Kollegen, sehr viel Frust." Wegen des Personalmangels fehle den Pflegern die nötige Zeit, sich mit Patienten zu beschäftigen. Die Gewerkschaft fordert von der Bundesregierung ein Sofortprogramm für 20.000 Stellen. Zudem müsse die Vergütung in den Pflegeberufen deutlich verbessert werden.

Aktionen auch in Lübeck, Greifswald, Hamburg und anderen Städten

In Lübeck trafen sich Demonstranten vor dem Gewerkschaftshaus. Auch in Hamburg machten Beschäftigte der Krankenhäuser an dem Aktionstag auf ihre Anliegen aufmerksam. Unter dem Motto "Auf der Strecke geblieben" zeigten sie in mehreren Kliniken Listen mit Leistungen, die wegen Personalmangels in den vergangenen Wochen entfallen seien. In Mecklenburg-Vorpommern gab es eine "aktive Mittagspause" an der Universitätsmedizin Greifswald. Vor dem Gebäude versammelten sich laut ver.di rund 60 Mitarbeiter. Auch in Stralsund, Rostock, Wolgast und Wismar rief ver.di zu Demonstrationen und Kundgebungen auf.

Deutschlandweit 70.000 Pflegerinnen und Pfleger zu wenig?

In ganz Deutschland gibt es laut ver.di an Krankenhäusern rund 162.000 Stellen zu wenig, davon rund 70.000 in der Pflege. Die Gewerkschaft setzt sich vor allem für gesetzlich verbindliche Personalschlüssel ein. Bisher gebe es nur Empfehlungen, kritisierte Kühhirt. Die Arbeitsbelastung und Arbeitsbedingungen seien teils unzumutbar, was zu hohen Krankenständen führe. "Allein im Uni-Klinikum Lübeck fallen rund 25 Prozent des Pflegepersonals wegen Krankheit im Jahresdurchschnitt aus - und das ist kein Einzelfall", sagte Kühhirt. Das UKSH mochte die Zahl so nicht stehen lassen: Der Krankenstand habe im Jahr 2015 bei 8,5 Prozent gelegen, sagte ein Klinikumssprecher. Diese Quote liege im Branchendurchschnitt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.05.2017 | 10:30 Uhr

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