Stand: 24.06.2015 22:00 Uhr

Post-Streik: 60 von 100 Briefen zu spät

von Ann-Katrin Johannsmann und Sabine Rein, NDR Info

Seit drei Wochen bestreikt die Gewerkschaft ver.di die Deutsche Post, gut 26.000 Mitarbeiter in den Briefzentren und der Zustellung sind im Ausstand. Ende? Offen! Die Konzernführung behauptet, dass trotzdem nur jeder fünfte Brief verspätet ankommt. Stimmt das? NDR Info hat in den vergangenen Tagen die Stichprobe gemacht.

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Am Mittwoch vergangener Woche verschickte NDR Info 100 Briefe. Drei Werktage später waren erst 38 am Ziel.

100 Briefe landeten in der vergangenen Woche in Hamburg und Lüneburg in den Briefkästen der Deutschen Post und gingen von dort auf die Reise in Richtung der NDR Studios im ganzen Norden. Geschickt wurden je zehn Briefe an NDR Studio-Adressen in Oldenburg, Braunschweig, Heide, Lüneburg, Wilhelmshaven, Göttingen, Rostock, Neubrandenburg, Greifswald und Lübeck. Alle Briefe waren am Mittwochabend (17.06.2015) im Briefkasten. Das Ergebnis: Gerade mal 38 der 100 Briefe waren am Montag, also nach drei Werktagen, am Ziel und damit mit Wohlwollen pünktlich. Die Post verspricht bei Briefen eigentlich sogar eine Zustellung binnen eines Werktages.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Was sagt die Post dazu, dass rund 60 Prozent der Briefe in der kleinen NDR Info Stichprobe zu spät bei den Adressaten angekommen sind - und dass die Deutsche Post selbst nur von einer "Verspätungsquote" von 20 Prozent spricht? "Diese regionalen Auswirkungen sind wirklich sehr unterschiedlich. Wenn ich mir eine Großstadt anschaue wie Hamburg, Rostock oder Kiel, da klappt die Zustellung manchmal völlig reibungslos. Wenn ich aufs Land schaue, dann kann es schon sein, dass ein konsequent bestreikter Zustellstützpunkt die Post längere Zeit nicht ausliefern konnte", so Jens-Uwe Hogardt, der in der Post-Pressestelle für den Norden zuständig ist.

Wann kamen wie viele Briefe an?
bis 19. Juni (2 Werktage)bis 22. Juni (3 Werktagebis 23. Juni (4 Werktage)bis 24. Juni (5 Werktage
Oldenburg0325
Braunschweig0080
Heide0226
Lüneburg0403
Wilhelmshaven5022
Göttingen1630
Rostock5130
Neubrandenburg4130
Greifswald4240
Lübeck0004
Gesamt19192720
Stand: 24.06.2015 / 17.00 Uhr

Post errechnet Zustell-Quote

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Die Briefe von NDR Info hatten keinen wichtigen Inhalt. In anderen Fällen wird die Post jedoch dringend erwartet.

Die Angabe der Post, dass nur 20 Prozent der Briefe verspätet seien, beruht nämlich nicht auf Stichproben, sondern auf Rechen-Annahmen, sagt Hogardt: "Die Zahl ist errechnet. Ich denke, dass die Kollegen, die das tun, auch genügend Sachverstand haben, um uns diese Zahlen zur Kommunikation geben zu können."

Zumindest in der NDR Info Stichprobe haben Rechnung und Realität auf jeden Fall wenig miteinander zu tun. Dort ist die Zahl der verspäteten Briefe dreimal so hoch wie von der Post erwartet. Das mag beim Zustellen von Knöllchen und Rechnungen nicht so schlimm sein, in anderen Fällen wird die Post jedoch dringend erwartet. In einem Verteilzentrum in Lübeck lagen bis Anfang der Woche mehr als 100 Versandtaschen mit menschlichen Gewebeproben, obwohl Erkrankte dringend auf einen medizinischen Befund warteten. Inzwischen sind sie an das Zentrum für Lymph-und Knochenmarkserkrankungen geschickt worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.06.2015 | 06:00 Uhr