Stand: 25.11.2015 20:47 Uhr

Nordkirche: Zahl der Austritte stark gestiegen

Die Nordkirche hat mit Mitgliederschwund zu kämpfen: Allein im vergangenen Jahr sank die Zahl der Mitglieder um 47.481 Menschen. Nordkirchen-Sprecher Stefan Döbler bestätigte NDR.de am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur epd. Die meisten Mitglieder verlor die Kirche durch Austritte: 36.915 Menschen verließen im Jahr 2014 die Evangelisch-Lutherische Nordkirche. Im Jahr davor waren es 23.970 Austritte. Aber auch die Bevölkerungsentwicklung durch mehr Sterbefälle als Geburten habe zu der Entwicklung beigetragen. Im April 2015 hatte die Nordkirche nach Döblers Angaben 2,13 Millionen Mitglieder. Sie umfasst Gemeinden in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.

Austritte wegen geänderter Kirchensteuer-Erhebung?

Als eine wichtige Ursache für die gestiegene Zahl der Kirchenaustritte vermutet die Kirche ein Missverständnis: Viele Menschen seien möglicherweise aufgrund einer Änderung bei der Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge ausgetreten. Seit 1. Januar wird die Abgabe automatisch von den Banken ans Finanzamt weitergeleitet. Dies bedeute aber keine Erhöhung der Kirchensteuer - die Mitglieder müssten keinen Cent mehr bezahlen, so Döbler.

Womöglich litt die evangelische Nordkirche zudem unter den Schlagzeilen, die ein Vertreter einer anderen Konfession machte: Der Anstieg der Kirchenaustritte habe im Herbst 2013 begonnen - zeitlich parallel zur Debatte über den katholischen Limburger Bischof Tebartz van-Elst, sagte Döbler.

Trotz weniger Mitglieder weiterhin viele Aktive

Er betonte, dass die Zahl der ehrenamtlich engagierten Menschen in der Nordkirche trotz des Mitgliederrückganges stabil geblieben sei: Rund 83.000 Menschen hätten im Jahr 2014 durch ihren persönlichen Einsatz geholfen - etwa bei der Betreuung von Flüchtlingen. Für das laufende Jahr rechnet Döbler mit noch mehr Ehrenämtlern - insbesondere im Bereich der Flüchtlingshilfe würden sich mehr Menschen engagieren. "Wir gehen davon aus, dass die aktiven Kirchenmitglieder nicht weniger geworden sind." Auch die Zahl der Gottesdienstteilnehmer sei konstant geblieben. Jeden Sonntag würden durchschnittlich rund 63.000 Menschen kommen, Heiligabend nicht einberechnet. "Es gibt außerdem Anzeichen, dass sich der Trend der zunehmenden Mitglieder-Austritte 2015 nicht fortsetzt, sagte Döbler NDR.de.

Die Nordkirche war 2012 aus einer Fusion der Landeskirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern hervorgegangen. Allein die nordelbische Kirche hatte bei ihrer Gründung in den 1970er-Jahren 3,2 Millionen Mitglieder.

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