Stand: 24.04.2017 17:50 Uhr

Nadia Ritter ist noch rechtzeitig aufgewacht

von Jens Brommann, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Ein nicht besonders guter Schulabschluss und keine berufliche Ausbildung - das sind sicher nicht die besten Startbedingungen ins Berufsleben. Mit Beharrlichkeit und festem Willen kann man es aber dennoch schaffen.

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Nicht aufgeben und wieder aufstehen, wenn man hingefallen ist - das ist das Credo von Nadia Ritter.

Eigentlich wollte Nadia Ritter als Kind Nachrichtensprecherin werden - und eigentlich war sie auch eine ganz gute Schülerin. Sie war aber sehr faul, wie sie heute selbst zugibt: "Ich hab's schleifen lassen. Andere Sachen waren damals wichtiger für mich." Als Teenager träumte sie in den Tag hinein. Für einen qualifizierten Hauptschulabschluss reichte es so gerade eben, für mehr aber nicht: "Ich habe noch versucht, meinen Abschluss über den zweiten Bildungsweg zu verbessern. Das ging so in Richtung Bürowesen, aber das war gar nicht mein Ding. Und dann stand ich wieder ohne vernünftigen Schulabschluss da."

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Zum Start gab es einen Minimal-Vertrag ...

Nadia Ritter wurde arbeitslos, probierte dies und das. Sie wollte eine Lehre als Floristin machen, was die Arbeitsagentur ihr aber verwehrte. Dann wurde sie Verkäuferin: "Ich habe mich bei Lidl, Aldi und anderen Unternehmen beworben. Ich dachte, ich kann da mal reinschnuppern, um zu sehen, wie die Arbeitswelt so ist. Und dann hat mich plötzlich H&M genommen - als ganz normale Verkäuferin, mit einem kleinen Minimal-Vertrag, 15 Stunden die Woche. Und es hat funktioniert."

... und später einen unbefristeten "Diamanten-Vertrag"

Nun funktioniert es schon seit 14 Jahren - und das ohne Ausbildung. Wie die meisten Verkäuferinnen bei H&M fing Nadia Ritter mit einem flexiblen Teilzeitvertrag an. Einen unbefristeten Vollzeit-Arbeitsvertrag hat sie erst seit wenigen Jahren in der Tasche: "Wir sagen dazu 'Diamanten-Vertrag', aber mittlerweile bekommen den bei uns nur noch Führungskräfte." Nadia Ritters Einsatz für diesen "Diamanten-Vertrag" war hoch: "Sehr viel arbeiten und niemals nein sagen. Man ist sogar aus dem Urlaub zurückgeholt worden."

Weiterbildung ist finanziell nicht machbar

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Heute lebt die 33-Jährige alleine in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg auf 38 Quadratmetern mit ihren beiden Zebrafinken. 1.600 Euro netto im Monat verdient sie. Einmal Verkäuferin, immer Verkäuferin - darauf hat sich Nadia Ritter, die auch Betriebsrätin bei H&M ist, eingestellt. Von einer Weiterbildung mit beruflichem Aufstieg kann sie nur träumen: "Das würde ich sehr gerne machen, aber da ich keinen Partner habe, ist es für mich nicht finanzierbar."

Optimistischer Blick in die Zukunft?

Ein Leben zwischen Hoffen und Bangen - nicht nur für Nadia Ritter. Das Sinus-Institut hat im vergangenen Jahr im Auftrag mehrerer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten die Lebenseinstellungen junger Menschen erforscht. Das Ergebnis aus 40.000 Antworten: Rund die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen ist vorsichtig optimistisch, ein Drittel blickt eher pessimistisch in die Zukunft. Allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den Bildungsgruppen: Je bildungsferner ein junger Mensch ist, desto pessimistischer sieht er seine eigene Zukunft und desto seltener hat er das Gefühl, das eigene Schicksal in der Hand zu haben.

Nicht aufgeben und kleine Ziele setzen

Auch Nadia Ritter hat sich als Hauptschülerin lange Zeit abgestempelt gefühlt. Aber sie hat gekämpft: "Ich denke schon: Wenn man wirklich will, dann schafft man's. Ich habe früher über diesen Spruch immer gelacht. Aber es ist tatsächlich so. Man muss allerdings kämpfen und durchhalten. Und man muss lernen, wieder aufzustehen, wenn man auf die Nase gefallen ist. Das ist ganz, ganz wichtig. Und man muss irgendein Ziel haben, wenn's auch nur ein Urlaub ist oder so was. Mein Ziel ist es durchzuhalten und mir mal einen schönen Urlaub in Kuba zu leisten. Ja!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 25.04.2017 | 07:41 Uhr

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