Stand: 02.07.2014 16:09 Uhr

"Mehr Antibiotika-Resistenzen im Boden"

Mit der Gülle aus der Tierhaltung gelangen Antibiotika auf die Felder. Prof. Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig spricht im Interview über das Ausmaß und die möglichen Folgen für Umwelt und Menschen.

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Kornelia Smalla forscht am Braunschweiger Julius Kühn-Institut unter anderem über den Gen-Austausch von Bodenbakterien.

Sie haben untersucht, wie sich Antibiotika aus der Tierhaltung, die mit der Gülle in die Umwelt ausgebracht werden, auf den Boden auswirken. Warum wollten Sie das herausfinden, warum also war dieses Forschungsprojekt aus Ihrer Sicht wichtig?

Kornelia Smalla: Antibiotika werden seit Mitte des letzten Jahrhunderts weltweit in der Tierhaltung eingesetzt. Bis zu 90 Prozent der verabreichten Antibiotika wird von den Tieren wieder ausgeschieden und gelangt über Gülledüngung auf landwirtschaftliche Flächen. Dort können sie die bakterielle Gemeinschaft im Boden beeinflussen. Was im Boden mit den Antibiotika passiert, ist noch immer nicht im Detail verstanden.

Was haben Sie herausgefunden?

Smalla: Die Ergebnisse der Recherchen zusammen mit eigenen Versuchen deuten darauf hin, dass es unter den Bakterien im Boden zumindest kurzfristig mehr Antibiotika-Resistenz-Gene gibt und diese Gene häufiger übertragen werden. Diese Resistenz-Gene liegen beispielsweise auf so genannten Plasmiden, die einen Austausch zwischen den Bakterien ermöglichen. Mit diesem Trick können sich Bakterien schnell an wechselnde Umweltbedingungen anpassen. Ebenfalls zeigen zahlreiche Studien, dass antibiotika-haltige Gülle die Zusammensetzung und Funktion von bakteriellen Bodengemeinschaften beeinflussen kann. Diese Effekte sind aber anscheinend eher vorübergehend und können nach einiger Zeit wieder verschwinden.

Welche Antibiotika kamen bei Ihren Forschungen zum Einsatz? Welche Tiere wurde mit den Arzneimitteln zuvor behandelt?

Smalla: Am Julius Kühn-Institut haben wir die Effekte der Antibiotika Sulfadiazin und Difloxacin erforscht. Dabei nutzten wir Gülle von Schweinen. Für die Versuche wurden der Gülle nachträglich genau bekannte Mengen an Antibiotika zugegeben oder die Tiere wurden mit Antibiotika behandelt und die ausgeschiedene Gülle gesammelt.

Wie bewerten Sie die Forschungsergebnisse? Welche Folgen können mehr Antibiotika-Resistenzen bei Bodenbakterien haben?

Smalla: Es ist wahrscheinlich, dass der großflächige Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion zu einer erhöhten Verbreitung von antibiotika-resistenten Bakterien führt. Bislang sind die dabei ablaufenden Prozesse jedoch enorm komplex und erst in Anfängen untersucht. Der Mensch steht im permanenten Kontakt mit den Bakterien seiner Umwelt. Antibiotika-belastete Gülle kann zu einer Anreicherung von Resistenz-Genen im Boden führen. Die Übertragung dieser Antibiotika-Resistenz-Gene auf Bakterien, die auf oder im Menschen vorkommen, ist grundsätzlich möglich. Daher sind weitere Forschungen notwendig, um Risiken vor allem für die menschliche Gesundheit genauer abschätzen zu können.

Wer hat das Forschungsprojekt finanziert?

Smalla: Die Arbeit am Julius Kühn-Institut wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Im Rahmen dieser Forschergruppe haben wir in Kooperation mit verschiedenen Universitäten und Institutionen die Effekte von Antibiotika im Boden untersucht.

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