Stand: 17.02.2016 14:19 Uhr

LKA: Immer mehr Cyber-Erpressungen im Norden

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Kriminelle nutzen Trojaner, um Geld von PC-Nutzern zu erpressen.

Das ist der Albtraum vieler PC-Nutzer: Der Computer ist gesperrt, die Daten sind verschlüsselt, das Gerät ist unbrauchbar. Dieses Szenario erleben immer mehr Menschen im Norden. Sie sind dann Opfers eines so genannten Verschlüsselungstrojaners geworden. Die Zahl der Fälle hat sich nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Schleswig-Holstein in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres verdoppelt. Genaue Zahlen konnte ein Sprecher jedoch nicht nennen.

Erpresser fordern 500 Euro

Die Kriminellen machen alle Daten auf dem PC vorübergehend unbrauchbar und fordern "Lösegeld". Auf den infizierten Rechnern erscheint nur eine Erpressernachricht: "Sie wurden Opfer von Malware. Ihre Dateien wurden verschlüsselt. Hiermit werden Sie aufgefordert 500 Euro zu zahlen, um die Dateien wieder zu entschlüsseln." Betroffen sind nach Angaben des LKA vor allem Privatleute und kleine Betriebe, unter anderem aus dem Handwerk. Solche Angriffe mit Krypto-Trojanern auf größere Unternehmen, Ministerien oder auch Krankenhäuser - wie in Nordrhein-Westfalen geschehen - seien in Schleswig-Holstein noch nicht bekannt geworden, sagte der LKA-Sprecher.

Behörden warnen: Lösegeldzahlung hilft nicht

Die Landeskriminalämter und auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik raten Betroffenen, kein Geld an die Cyberkriminellen zu überweisen. Meist würden die Täter die verschlüsselten Daten auch nach der Lösegeldzahlung nicht wiederherstellen, so ein Sprecher. In einigen Fällen könnten die Daten mit Entschlüsselungsprogrammen oder durch eine Systemwiederherstellung gerettet werden, sagen die Experten. Falls das nicht funktioniert, sind die Dateien laut LKA verloren.

Was hilft: Updates, Anti-Viren-Software, Backups

Die Landeskriminalämter empfehlen zum Schutz vor den Trojanern regelmäßige Updates des Betriebssystems sowie sämtlicher Software auf dem Computer und ein aktuelles Virenschutzprogramm. Außerdem raten die Experten dazu, regelmäßig Sicherheitskopien aller wichtigen Daten auf externen Festplatten anzulegen, die nach dem Kopieren vom Rechner getrennt werden. So können verloren gegangene Daten jederzeit wiederhergestellt werden.

LKA in Niedersachsen warnt vor Mails von "Paymentsolution"

Das niedersächsische Landeskriminalamt warnt vor E-Mails einer angeblichen Firma mit dem Namen "Paymentsolution". In der offensichtlich massenhaft verschickten Mail fänden Empfänger im Anhang Rechnungen, die binnen zehn Tagen bezahlt werden sollen, teilten die Ermittler mit. Wer diese Anhänge öffne, könne auf Windows-Computern eine Software herunterladen, die möglicherweise Zugangsdaten abgreife oder Online-Banking manipuliere. Weil zunächst eventuell nur eine Fehlermeldung angezeigt wird, würden Gefahren würden nicht sofort sichtbar. Andere Betriebssysteme außer Windows seien zurzeit nicht betroffen, doch könnte sich dies mit neuen Mailvarianten ändern.

Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern warnt ebenfalls vor Mails

Auch Matthias Wins, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, warnt vor den Rechnungen der Firma Paymentsolution. Allerdings macht er darauf aufmerksam, dass die eigentliche Firma, die den Namen Paymentsolution trägt, die Vorwürfe zurückweist. Sie sei nicht für das Verschicken der Mails verantwortlich. Der Rechtsexperte rät, die Mail, bzw. den Anhang sofort zu löschen. Hätten die Kriminellen erst einmal über den Trojaner Zugriff auf den Computer, dann sei der PC "wie ein offenes Buch". Sämtliche vertraulichen Daten könnten ausspioniert werden. Um sich zu schützen, sollte nicht nur das Betriebssystem auf dem neuesten Stand gehalten werden, auch Sicherungsprogramme gegen Viren und Trojaner müssten ständig aktualisiert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.02.2016 | 12:00 Uhr