Stand: 08.07.2015 11:44 Uhr

Hamburg wächst - auf dem Land wird es licht

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Laut Bertelsmann-Studie wächst Hamburgs Bevölkerung bis 2030 um 7,5 Prozent.

Immer mehr Menschen leben im Norden auch künftig in den Städten - allen voran in Hamburg. Hingegen schrumpft die Bevölkerung auf dem Land, und zwar zum Teil drastisch. Dies zeigt eine neue Prognose der Bertelsmann-Stiftung aus dem Datenportal "Wegweiser Kommune". Der Studie zufolge entwickeln sich die Bevölkerungszahlen in den kommenden 15 Jahren deutschlandweit regional extrem unterschiedlich.

Hamburg: Die junge, wachsende Stadt

Laut Studie werden in Hamburg bis 2030 etwa 1,86 Millionen Menschen leben - das sind 7,5 Prozent mehr als noch 2012. Damit rechnet die Hansestadt nach Berlin mit dem bundesweit höchsten Bevölkerungszuwachs. Zugleich werden die Menschen in der Großstadt vergleichsweise jung sein: In Hamburg liegt der sogenannte Median - ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik - dann bei 43 Jahren, das sind fünf Jahre unter dem Bundeswert von 48,1 Jahren.

Viele Alte in Schleswig-Holstein

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Deutschlands Bevölkerungsstruktur wird sich in den kommenden Jahren spürbar verändern. Während die Städte wachsen, dünnt der ländliche Raum weiter aus. Link zur Studie der Bertelsmann-Stiftung. extern

In Schleswig-Holstein wird das Medianalter im Jahr 2030 sogar bei 49,7 Jahren liegen und damit über dem für Gesamtdeutschland prognostizierten Wert. In dem nördlichsten Bundesland werden dann wohl besonders viele Menschen über 80 Jahren leben. Die Zahl der Hochbetagten steigt um fast 70 Prozent auf 245.800. "Mit dem Anstieg dieser Altersgruppe vergrößert sich auch der Unterstützungs- und Pflegebedarf in den Kommunen", sagt Brigitte Mohn von der Bertelsmann-Stiftung. Sie sieht die Gefahr, dass es der Region künftig an Pflegekräften mangeln könnte.

Insgesamt soll Bertelsmann zufolge die Bevölkerung im Land zwischen den Meeren in den kommenden 15 Jahren um 10.000 Einwohner leicht wachsen, allerdings nicht gleichmäßig. Vor allem Städte in der Metropolregion Hamburg wie Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) und Glinde (Kreis Stormarn) sowie Bargteheide gewinnen bis zu 25 Prozent an Einwohnern hinzu. Andere, wie Bordesholm und Österrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde), verlieren etwa zehn Prozent.

Niedersachsen schrumpft weniger als befürchtet

Auch das Land Niedersachsen schrumpft in den kommenden Jahren - allerdings weniger stark als bislang befürchtete. Laut Studie gibt es bis 2030 etwa 140.000 Menschen weniger als heutzutage. Der vorhergesagte Rückgang auf 7,64 Millionen Einwohner liegt allerdings über bisherigen Prognosen, die von lediglich 7,4 Millionen Menschen ausgehen.

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Besonders trifft der Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern. Laut Prognose wird das Land in 15 Jahren nur noch 1,47 Millionen Einwohner haben - aktuell sind es 1,6 Millionen. Städte wie Rostock oder Lüdersdorf verlieren zwar nur wenige Einwohner, Gemeinden wie Malchin und Friedland (Mecklenburgische Seenplatte) müssen allerdings mit dem Verlust eines Viertels ihrer bisherigen Bevölkerung rechnen.

"Es wird immer schwieriger, eine gute Infrastruktur in den schrumpfenden und alternden Regionen zu gewährleisten", erklärt Bertelsmann-Vorstandsmitglied Mohr. Besonders Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine angemessene Gesundheitsversorgung seien eine große Herausforderung - gerade angesichts der Tatsache, dass in Mecklenburg-Vorpommern das Medianalter mit 52,6 Jahren mehr als vier Jahre über dem Bundeswert liegt und die Zahl der über 80-Jährigen um 50 Prozent auf 130.000 steigen dürfte.

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