Stand: 03.01.2017 16:25 Uhr

Grundwasser weiter zu stark mit Nitrat belastet

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Die Grundwasser-Qualität leidet, weil vielerorts Gülle als Dünger auf Feldern versprüht wird.

Gülle wird in Deutschland immer noch zu häufig als Dünger auf Feldern versprüht und belastet das Grundwasser entsprechend. Das zeigt der aktuelle Nitratbericht, den die Bundesregierung am Dienstag veröffentlicht hat. An 28 Prozent der Messstellen wurde im Berichtszeitraum 2012 bis 2014 zu viel Nitrat im Wasser nachgewiesen - also mehr als die erlaubten 50 Milligramm pro Liter. Überhöhte Nitratwerte finden sich demnach vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Insgesamt überwog dem Bericht zufolge aber der Anteil der Messstellen, bei denen eine Abnahme der Nitratkonzentrationen festgestellt werden konnte.

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Nordsee stärker belastet als Ostsee

Besonders bedenklich bleibt die Lage dem Bericht zufolge in den Küstenregionen. Die Nordsee sei weit stärker belasteter als die Ostsee, heißt es. Vor den Mündungen der Eider und Elbe sind die Nitratkonzentrationen demnach am höchsten. Problematisch ist den Befunden zufolge auch das hohe Vorkommen von Phosphor, das über landwirtschaftliche Flächen letztlich in Nord- und Ostsee gelange und dort wie Nitrat das Algenwachstum begünstige. Allerdings ging an rund 91 Prozent der Messtellen an Fließgewässern die Phosphorbelastung zurück. Auch 75 Prozent der Seen zeigen dem Bericht zufolge einen abnehmenden Trend.

MV: Grenzwert bei jeder fünften Messstelle überschritten

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Nitrat-Gehalt im Grundwasser dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren kaum verändert. Im Nordosten wurde bei jeder fünften Messstelle der zulässige Grenzwert überschritten.

Keine wesentlichen Veränderungen

Insgesamt seien in den vergangenen Jahren in Deutschland bei der Nitratbelastung "keine wesentlichen Veränderungen" erzielt worden, so der Regierungsbericht. Verursacher ist aus Sicht des Bundesumweltministeriums vor allem die Landwirtschaft, die Nährstoffe in Form von Gülle oder Kunstdünger auf die Felder ausbringt.

Positives verzeichnet der Bericht allerdings bei Flüssen und Seen. Hier wurde der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter demnach flächendeckend unterschritten. Die Nitrateinträge seien leicht zurückgegangen.

Düngegesetz soll geändert werden

Im November hatte die EU-Kommission die Bundesrepublik wegen Verstößen gegen die EU-Nitratrichtlinie verklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen Deutschland hohe Geldstrafen. Deshalb ist ein neues Düngegesetz geplant. Am 16. Januar ist zunächst eine Anhörung des Agrarausschusses angesetzt. Am 19. Januar soll dann der Bundestag über die Änderung der Vorschrift beschließen.

Zu viel Nitrat bedenklich für Schwangere und Kleinkinder

Nitrat hilft Pflanzen beim Wachsen und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Überhöhte Mengen von Nitrat führen allerdings zu starken Wasserverunreinigungen und verringern die biologische Vielfalt in den Gewässern. Eine Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter kann nach Angaben der EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben. Bedenklich ist sie insbesondere für schwangere Frauen und Kleinkinder. Zwar ist Nitrat selbst nicht gesundheitsgefährdend, kann aber im Körper zu Nitrit umgewandelt werden, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Zudem besteht der Verdacht, dass Nitrit indirekt krebserregend ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 03.01.2017 | 07:45 Uhr

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