Stand: 09.09.2015 08:41 Uhr

Flüchtlinge im Norden: Bleiben oder weiterreisen?

Während die einen bleiben wollen, ist für andere die Reise in Norddeutschland noch nicht zu Ende: Hunderte Flüchtlinge wollen weiter nach Dänemark, Schweden oder Norwegen. Wenn sie sich weigern, in Erstaufnahmeeinrichtungen im Norden gebracht zu werden, stellt das die deutschen Behörden oft vor Herausforderungen.

Dänische Polizei stoppt Zug aus Lübeck

So stoppte die Bundespolizisten am Dienstag am Lübecker Hauptbahnhof die Reise von 250 Flüchtlingen nach Dänemark. Der Großteil habe weder die notwendigen Visa noch Ausweise gehabt, hieß es von der Polizei. Die Flüchtlinge blockierten einen Bahnsteig. Schließlich entschieden sich die Beamten, die Menschen Richtung Dänemark weiterreisen zu lassen. Es bleibe in Schleswig-Holstein beim Prinzip "keine Gewalt", sagte der Leitende Polizeidirektor Joachim Gutt. Das sei eine "polizei-operative, keine politische Entscheidung", betonte er. Am Abend fing dann ein großes Polizeiaufgebot im dänischen Fährhafen Rödby den Zug mit Flüchtlingen ab. Ein Großteil der rund 200 Menschen wollte ihn dort nicht verlassen, weil sie zu Angehörigen in Schweden reisen wollten.

Niedersachsen: 300 Millionen Euro Nachtragsetat

Das Land Niedersachsen will wegen der Flüchtlinge einen Nachtragsetat von 300 Millionen Euro beschließen. Das kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag in Hannover an. "Wir empfinden es als unsere Verpflichtung, die Menschen, die zu uns kommen, respektvoll zu behandeln", sagte er.

MV richtet Kasernen als Unterkünfte ein

Auch in Mecklenburg-Vorpommern richten sich die Helfer auf die Ankunft weiterer Flüchtlinge ein. Um mehr Unterkunftsplätze zu schaffen, werden nun auch die Bundeswehr-Kasernen Fünfeichen bei Neubrandenburg und Basepohl bei Stavenhagen umfunktioniert. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) lobte das "sensationelle Engagement" der ehrenamtlichen Helfer und versicherte, dass dank des Einsatzes von Ärzten im Ruhestand und anderer Freiwilliger die medizinische Betreuung gesichert sei. Aufgrund der aktuellen Ereignisse kündigte Caffier an, sich früher als geplant bereits am Mittwoch mit Landräten und Oberbürgermeistern zu treffen und das weitere Vorgehen zu beraten.

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