Stand: 06.02.2016 17:58 Uhr

Containerriese wird frühestens Dienstag geborgen

Für Schaulustige bleibt es eine Attraktion, für das Havariekommando eine Herausforderung: Das Containerschiff "CSCL Indian Ocean" sitzt weiter in der Elbe fest. Laut Havariekommando wird sich die Bergung um mehrere Tage verzögern, nachdem auch der jüngste Versuch während des Hochwassers am Freitagmittag gescheitert war. Wie ein Sprecher am Sonnabend sagte, ist inzwischen das gesamte Schweröl abgepumpt - 2.000 Tonnen seien es insgesamt gewesen. Auch Ballastwasser wurde abgelassen. Nun gelte es, weitere 700 Tonnen Gasöl abzupumpen. Zudem haben Bagger damit begonnen, den Boden um das Schiff abzutragen, um es für den nächsten Abschleppversuch beweglicher zu machen. Dieser soll laut aktueller Planung am Dienstag erfolgen.

Schlechte Bedingungen für Bergung am Wochenende

Am Wochenende herrschen ohnehin ungünstige Bedingungen für eine Bergung: Der Deutsche Wetterdienst sagt Starkwind mit stürmischen Böen aus südlichen und westlichen Richtungen voraus. Dadurch wird der Frachter eher noch weiter in Richtung Land getrieben. Normalerweise dürfen Containerfrachter wie die "Indian Ocean" ab Windstärke 6 nicht mehr auf der Elbe unterwegs sein.

Mit der hohen Bordwand und den aufgestapelten Containern hat das Schiff mehr als drei Mal so viel Segelfäche wie die "Gorch Fock". Die "Indian Ocean" hat Schätzungen zufolge ein Gesamtgewicht von 200.000 Tonnen. Misslingt die Bergung des Schiffes Anfang der nächsten Woche, muss der Frachter möglicherweise an Ort und Stelle entladen werden. Notwendig wäre dazu ein riesiger Schwimmkran, der auch 60 oder 70 Meter hochheben kann. Ein solcher Kran müsste erst aus Rotterdam herangeschafft werden. Ein Vorbild für eine solche Bergungsaktion gibt es bislang nicht. Kommt der Containerriese frei, soll er in den Hamburger Hafen geschleppt werden.

Keine Gefahr für Schiff und Umwelt

Unterdessen hat die Hamburger Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Experten müssen klären, warum die "Indian Ocean" am Mittwoch nicht mehr zu steuern war - und auf der Elbe aufgelaufen ist. Bei der Anfahrt auf den Hafen war die fast 400 Meter lange "Indian Ocean" am Mittwochabend vor der Insel Lühesand gestrandet. Zuvor hatte die Crew nach Angaben der Wasserschutzpolizei einen Ausfall der Ruderanlage gemeldet. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Eine Gefahr für Schiff und Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht. Öl ist bisher nicht ausgetreten.

"Indian Ocean": Erst Havarist - dann Touristenmagnet

Auslauf war für Sonnabend geplant

Das Schiff der Reederei "China Shipping" hatte am Montagvormittag im britischen Hafen Felixstowe abgelegt und sollte am Mittwoch am Eurogate Terminal im Hamburger Hafen festmachen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war der Containerriese mit einem Tiefgang von etwa elf Metern unterwegs, als die Schiffsführung der Verkehrszentrale Brunsbüttel den Ausfall der Ruderanlage meldete.

Die fast 400 Meter lange und 59 Meter breite "Indian Ocean" kann fast 19.000 Container laden - damit ist sie eines der größten Containerschiffe der Welt. Der Frachter wurde erst im vergangenen Jahr zu Wasser gelassen und mit neuester Technik ausgestattet. Zuletzt war die "Indian Ocean" Anfang November in Hamburg. Am Sonnabend sollte sie in Richtung Rotterdam wieder auslaufen.

Karte: Lage des auf Grund gelaufenen Containerschiffs
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NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.02.2016 | 13:00 Uhr