Stand: 04.08.2017 10:21 Uhr

"Made in Germany drei" - eine Zwischenbilanz

von Agnes Bührig

Gegenwärtige Kunst von 41 Künstlern und Kunstkollektiven aus Deutschland, das bietet die Mammutschau "Produktion.Made in Germany" derzeit in Hannover. Zum dritten Mal haben sich Sprengel Museum, Kunstverein und Kestnergesellschaft zusammengetan, um ein Abbild der Kunstszene in Deutschland zu zeigen. Rund 30.000 Menschen haben die Ausstellung, die noch bis Anfang September läuft, bereits gesehen.

Der etwas andere Blick auf Kunst  

Der Abguss eines Gehweges in Athen: ein Kunstwerk von Daniel Knorr. Der Künstler, der derzeit auch auf der documenta vertreten ist, hat mit durchsichtigem Kunstharz die Struktur griechischer Pflastersteine verewigt. An einer Stelle verlaufen die Linien des Abdrucks als zeichneten sie den dreizackigen Speer des Poseidon nach. Eberhard Meier, der durch die Ausstellung führt, spekuliert, ob das mit der Namensgebung der Stadt zu tun haben könnte. "Als man darüber nachgedacht hat, welchen Namen diese Stadt, die später den Namen Athen bekam - benannt nach Pallas Athene - bekommen sollte, da hat man überlegt, ob man Poseidon nicht als Namensgeber verwenden sollte."

Es ist der etwas andere Blick, mit dem der studierte Wirtschaftswissenschaftler die Ausstellung vermittelt. Ein Konzept, das bei "Made in Germany" insgesamt erfolgreich lief. Unter dem Stichwort "Kuratoren-Rochade" präsentierten die Direktoren der drei beteiligten Kunstinstitutionen jeweils Werke in einem der anderen Häuser.

Von der documenta profitiert

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Reinhard Spieler ist seit 2014 Direktor des Sprengel Museums in Hannover.

Zudem wurde die Schau von ausländischen Fachleuten stärker wahrgenommen. Wer auf die documenta will, kommt auch in Hannover vorbei, sagt Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums: "Ich glaube, es ist uns zugutegekommen, dass die Kritiken für die documenta schon sehr harsch ausgefallen sind. Dann haben viele vielleicht nochmal geguckt, wie es die anderen machen."

Mehr Debatten über Inhalte

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Ob die nächste Ausgabe der "Made in Germany" wieder parallel zur documenta läuft, wird erst nach Ende der Schau diskutiert. Kathleen Rahn, Direktorin des Kunstvereins Hannover, gibt zu bedenken, dass der Sommer wegen der Ferienzeit eine schwierige Veranstaltungszeit sei. Auf der anderen Seite freut sie sich, dass so unterschiedliche Besuchergruppen in ihr Haus gefunden haben - nicht nur eingefleischte Fans der gegenwärtigen Kunst. Ideen, was sie beim nächsten Mal anders machen könnte, hat sie auch: "Ich würde gern noch mehr Debatten über die Inhalte schaffen, noch mehr davon profitieren, dass wir drei Kunsthäuser in der Stadt haben. Ich glaube, wir haben jetzt eine gute Ausstellung zusammengebracht: Es könnte noch radikaler werden." 

Besucher sind überwiegend angetan

Die Besuchergruppe in der Kestnergesellschaft hingegen hat keine Anmerkungen. Interessiert, fast andächtig lauscht sie ihrem Ausstellungsführer. Fragend steht die Gruppe vor einer Videokamera, die auf einer Schiene läuft und aufgestellte Bilder auf die Wand projiziert oder überlegt laut, warum kupfern glänzende Platten auf dem Boden den Maschsee symbolisieren sollen. Insgesamt ist das Urteil aber vor allem positiv: Abwechslungsreich, ideenreich und verständlich finden es viele Besucher. Aber auch kritische Stimmen gibt es: "In Teilen hervorragend gut, aber ich muss sagen, manches bleibt sehr rätselhaft, wenn der Künstler nicht offenbart, was er sich dabei gedacht hat."

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