Stand: 24.10.2017 13:37 Uhr

Schellack: Der Siegeszug der Schallplatte

von Agnes Bührig
So elegant sieht ein Tischgrammofon um 1925 aus.

Wenn es um die Welt der Schellackplatten geht, ist ein Name nicht wegzudenken: Emil Berliner. Er gilt als Erfinder des Tonträgers, gründete Ende des 19. Jahrhunderts mit zwei Brüdern in Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft. Nicht nur bekannte Unterhaltungsmusik konnte so fortan reproduziert werden, auch Musik aus der Synagoge, wo die Mitglieder der Familie Berliner ein- und ausgingen. Wie die Erfindung der Schellackplatte die synagogale Musik beeinflusste, beleuchtet jetzt die Ausstellung "Die Welt auf einer Scheibe - Geschichten um die Schellackplatte" in der Villa Seligmann in Hannover.

Ein Tonträger fördert den Musikaustausch

Kräftig an der Kurbel drehen, Tonarm ausklappen, Nadel aufsetzen - schon bringt das fast 100 Jahre alte Tischgrammofon den letzten Oberkantor der Neuen Synagoge von Hannover, Israel Alter, zum Singen.

Historische Plattenspieler, blecherne Döschen mit alten Grammophon-Nadeln, Notenhefte und Plattencover sind in der kleinen Ausstellung in der Villa Seligmann am Rande der Eilenriede zu sehen.

Seiten eines Kalenders © fotolia.com Fotograf: naftizin

Übertragung und Reproduktion von Klängen

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 3. August 1929 starb der Ingenieur Emil Berliner. Er erfand die Schallplatte, das Grammophon und ein Mikrophon und legte den Grundstein für die Musikindustrie.

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Im Fokus dabei die jüdische Familie Berliner: Tonträger und Musik aus der Synagoge spielten für sie eine große Rolle. Sohn Joseph, Mitbegründer der ersten Schallplattenfabrik der Welt, ist ab 1921 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Hannover.

So kommt auch die Musik der Kantoren auf die Schellackplatte und befördert den musikalischen Austausch, sagt der Musikwissenschaftler Andor Iszák von der Villa Seligmann. Diese Schallplatten hätten beispielsweise den Oberkantor von Hamburg unterstützt, die Melodien des Wiener Oberkantors zu hören. Dieser habe sie dann neu bearbeitet und in seine Komposition mit hineinbaut. "Und dann staunen wir: Woher kennt er das?"

Musik aus der Synagoge in die Gesellschaft

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Eine frühe Form der Schellackplatte ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Der neue Tonträger bringt die Musik aus der Synagoge in die Gesellschaft. Neben Unterhaltungsmusik und Aufnahmen von Klezmerorchestern werden die Gesänge von jüdischen Kantoren veröffentlicht. Das Judentum öffnet sich auch musikalisch, sagt Andor Iszák, und weist darauf hin, dass die Kantoren nicht nur in der Synagoge ihre Stimme erklingen ließen.

Die Kantoren seien die Stars der Synagoge, sagt Andor Iszák. Wie Opernsänger hätten sie oft sehr gute Stimmen. "In vielen, vielen Fällen waren in den 20er-, 30er-Jahren die berühmtesten Opernsänger auch Kantoren: ein Richard Tucker, ein Jan Peerce, die führenden Tenöre der Metropolitan Opera."

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Nadeln für Grammofone gibt es in vielen Ausführungen.

Dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik Hannover, das Andor Iszák 1988 mitgründete, ist es zu verdanken, dass die synagogale Musik heute noch stärker erforscht und veröffentlicht wird. Schade ist nur, dass sie in der Ausstellung nicht zu hören ist. Wer sich allerdings für die Technik der Schellackplatte und ihre Geschichte in Hannover interessiert, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Hintergrund

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Schellack: Der Siegeszug der Schallplatte

Eine Ausstellung in der Villa Seligmann in Hannover beschäftigt sich mit dem Erfinder des Tonträgers Emil Berliner. Er erfand nicht nur das Grammophon, sondern auch die Schallplatte.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ort:
Villa Seligmann
Hohenzollernstraße 39
30161  Hannover
Telefon:
(0511) 844 887 200
E-Mail:
info@villa-seligmann.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 24.10.2017 | 16:20 Uhr

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Wer erfand das Grammophon?

08.09.2011 18:00 Uhr
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Unverkennbar das Knistern aus dem großen Trichter, mit dem Grammophon hat Emil Berliner den Grundstein für die heutige Musikindustrie gelegt. Audio (03:58 min)

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