Stand: 13.02.2016 18:33 Uhr

Kunsthalle Emden tischt "Vitaminbomben" auf

von Gerhard Snitjer

Vorbei sind die Zeiten, als die Kunsthalle Emden einfach nur - wie ursprünglich geplant - ein Haus für Henri Nannens Kunstsammlung war. Längst ist daraus ein international renommiertes Ausstellungshaus mit modernster Museumstechnik und einem äußerst attraktiven, abwechslungsreichen Programm geworden. Die neueste Ausstellung heißt "Vitaminbomben". Alle hier versammelten Werke haben ein gemeinsames Motiv: Früchte.

Fruchtige Kunst in Emden

Prall, saftig und einladend

Leuchtend gelbe Birnen an einem dunkelgrün belaubten Zweig vor kraftvoll blauem Hintergrund: Dieses Aquarell von Karin Kneffel ist das Plakatmotiv - prall, saftig und einladend. Und so präsentiert sich die gesamte Ausstellung. Weit mehr als 100 Werke aus den vergangenen 120 Jahren hat Kuratorin Katharina Henkel zusammengestellt. "Die Ausstellung setzt bei 1900 an und reicht bis in die Gegenwart", erklärt Henkel. "Es sind auch alle Materialien und Techniken vertreten: Es sind Gemälde, Aquarelle, Drucktechniken, Skulpturen, plastische Arbeiten bis hin zum Video."

Großteil der Bilder stammt aus privater Sammlung

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Das Aquarell "Birne" von Karin Kneffel schmückt auch das Plakat der Ausstellung "Vitaminbomben".

Aus dem Bestand der Kunsthalle kommen wenige Bilder. Der größte Teil der ausgestellten Werke ist der Sammlung des Heidelberger Unternehmers und Professors Rainer Wild entliehen. Seine Eltern betrieben eine Firma zur Obst-Verarbeitung - das scheint ihn lebenslang geprägt zu haben, und er sammelt seit vielen Jahrzehnten ausschließlich Früchtebilder, mit großem Kunstverstand und sicherem Geschmack. "Er sammelt nicht ausschließlich große Namen - obwohl es die auch in der Sammlung gibt, wie Münter oder Picasso. Es sind auch unbekanntere Künstler vertreten, weil es um das Thema geht", sagt die Kuratorin.  

Viele Äpfel und Orangen - aber nur eine Quitte

Eine hyper-realistische Melone, ein gerade noch erkennbares Bananenbild, eine riesige Skulptur einer aufgerissenen Bananenschale, eine Mini-Installation von Josef Beuys aus einer Zitrone und einer Glühbirne, eine Andy-Warhol-Druckserie mit Trauben, ein als aufgeschnittene Orange angemalter Stein - und das alles leuchtet in den verführerischen Farben eines gut sortierten Obstmarktes. Kuratorin Henkel hat sich dafür entschieden, die Ausstellung nach den 15 vertretenen Fruchtsorten zu gliedern. So werden Besucher durch eine üppige Menge von verschiedensten Apfelbildern geleitet, auch Trauben und Orangen sind in großer Vielfalt zu sehen. Dafür gibt es nur einen einzigen Pflaumenzweig von Kokoschka - und nur eine einzige Quitte, ein Aquarell von Lucian Freud.

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Das Bild von Lucian Freud, das eine Quitte zeigt, trägt keinen Namen. Entstanden ist es im Jahr 1947.

"Das ist einfach zauberhaft", schwärmt Henkel. "Das ist ein Motiv, das sich bei Freund nicht so häufig findet. Deshalb ist es was ganz Besonderes, diese Quitte zu zeigen und auch in der Sammlung zu haben." Ganz anders wiederum ein kolossales Pfirsich-Bild von Julian Schnabel. "Das ist fast drei Meter hoch und auch fast drei Meter breit. Es ist künstlerisch und auch technisch beeindruckend. Schnabel hat es auf Samt gemalt - ein ungewöhnlicher Malgrund. Und auch das Farbzusammenspiel von einem gülden leuchtenden Gelbton, der auf satten Grüntönen liegt, das ist ein sehr beeindruckendes Werk", so Henkel.

Auch für die Nase gibt es was

So wird der Gang durch die Ausstellung zu einem Fest fürs Auge - aber nicht nur. Auch die Nase wird einbezogen: Einer der kleineren Räume enthält keine Bilder, sondern einen Duftspender mit natürlichen Zitrus-Aromen. Und für die Ohren bietet der Audioguide eine Menge Hintergrund. "Es gibt Informationen über die Traditionen der Darstellung dieser Früchte - woher sie kommt und welche Bedeutung sie in der Kunstgeschichte hat", erläutert Henkel. "Und wir erzählen auch was über die botanische Herkunft dieser Früchte: Wo kommen sie her? Wie sind sie nach Europa gelangt? Wie viele Sorten gibt es? Bis hin zu den ernährungswissenschaftlichen Aspekten, also inwieweit sich die Früchte auf die Gesundheit des Menschen auswirken."

Kunstkatalog enthält auch Rezepte

Gesundheit ist das diesjährige Thema des genannten "Labors" der Kunsthalle. Und dort greift die Museumspädagogik das gesunde Obst in zahllosen Mitmachaktionen auf. Ein pralles, saftiges Kunstwerk für sich ist der Katalog - seinem Sujet entsprechend sehr farbig. Und neben kunsthistorischen Betrachtungen enthält er zu jeder Fruchtsorte ein Koch- oder Backrezept. Die Chefin der Kunsthalle, Eske Nannen, hat es sich nicht nehmen lassen, ihr vielgerühmtes Apfelkuchenrezept einzubringen.

Kunsthalle Emden tischt "Vitaminbomben" auf

Zum 30. Geburtstag tischt die Kunsthalle Emden mit der Schau "Vitaminbomben - Früchtebilder von Picasso bis Warhol" farbenfrohe Kunstwerke auf. Die Ausstellung läuft bis zum 29. Mai.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle Emden
Hinter dem Rahmen 13
26721   Emden
Telefon:
(04921) 97 50 50
Preis:
8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kinder bis 15 Jahre haben freien Eintritt.
Öffnungszeiten:
Dienstag-Freitag 10-17 Uhr, Sonnabend-Sonntag 11-17 Uhr. Montag geschlossen.
Besonderheit:
Montags ist die Kunsthalle geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.02.2016 | 06:30 Uhr