Stand: 04.07.2017 11:22 Uhr

Fashion Week: Ausgezeichnete Mode aus Hamburg

von Kristina Hortenbach

Am Dienstag begann in Berlin die Fashion Week. In über 30 Modenschauen zeigen junge und etablierte Designer, was im Sommer 2018 angesagt ist. Schon am Montag wurde im das Berliner Bodemuseum der European Fashion Award, kurz "Fash 2017", verliehen. "Get real" hieß das Thema, unter dem einzigartige Mode gesucht wurde, die emotional berührt und überrascht. 200 Designer aus 29 Ländern haben mitgemacht. Gewonnen haben auch zwei Nachwuchsdesignerinnen aus Hamburg.

Zwischen altehrwürdigen Altären aus der italienischen Renaissance in einer Halle des Bodemuseums stehen die Puppen mit der dunkelblauen Mode der 28-jährigen Hamburgerin Hannah Kliewer. Sie studiert seit drei Jahren an der Hochschule für angewandte Wissenschaften ist Hamburg, das ist ihre Semesterarbeit: "Was man klar sieht, ist der hanseatische Einfluss, das Thema war Hamburger Kluft. Es ist eine einheitliche Sache, die mir sehr am Herzen liegt. Ich bin einfach Hamburgerin, ich liebe Hamburg."

"Fash Award" für Hamburger Designerinnen

Abschotten mit einem Troyer

Die zehnteilige Männerkollektion ist selbstgestrickt aus reiner Merinowolle. Auf den ersten Blick klassisch, auf den zweiten Blick mit vielen Details: "Der Troyer steht für mich sinnbildlich für Hamburg - dort hab ich versucht, mit Schaumstoff Schutzzonen zu schaffen. Es geht um die Digitalisierung, Globalisierung. Wir haben zu viele Einflüsse durch die Sinne. Deshalb kann man den Troyer einfach zu machen und sich abschotten", sagt Kliewer, und sich im Zug schön mit dem Schaumstoffrücken anlehnen. Dazu Mütze und Strickbuxe für drunter, wie früher bei den Seeleuten.

Preis für die Bachelor-Kollektion

Um Mode in der modernen Welt geht es auch Kollegin Livia Honus, 27. Sie hat mit ihrer Bachelor-Kollektion gewonnen: "Meine Inspiration war das Selbstporträt, wie es aus der Kunst kam und wie es heute mit dem Selfie zum Massenphänomen geworden ist. Es geht darum, dass man Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber auch dem anderen wieder richtig ins Gesicht blickt. Deshalb sind überall große Augen drauf, das heißt, die Outfits gucken schon fast zurück."

Eine rote Jeans in Camouflage-Optik, hier geht's ums Verstecken. Eine Jacke mit großen Augen an den Ärmeln wirkt fast wie eine Kamera. Auf einer Trainingsjacke für Männer prangt ein dickes Emoji "Der Stoff heißt Mesh, der ist durchsichtig. Dahinter liegt noch etwas Glitzerndes. Auf den Mesh ist noch mal ein riesiges Gesicht gedruckt, das einen nicht anguckt. Es ist das Lach-Smiley, bei dem Tränen aus den Augen kommen. Einfach mit einer einfachen Samttrainingshose kombiniert, weil der Samt dieses Element hat, dass er verschluckt, man da drin fast ein bisschen untergeht, wie wenn man ein Selfie einstellt, fast in dieser ganzen Bildermasse untergeht."

Eigenes Gesicht wird zum Muster

Ob die Augen an den Ärmeln oder der Kopf im All-Over-Print auf der Hose, Hannah Klüver hat ihr eigenes Gesicht zur Mode gemacht. Am Anfang sei es total eigenartig gewesen, ständig in das eigene Gesicht zu gucken, "aber irgendwann wird es zum Schema, zum Muster. Man weiß zwar noch, dass das es eigene Gesicht ist, aber nimmt es überhaupt nicht mehr als das wahr. Das fand ich schon sehr interessant, dass man zum Muster verkommt. Das ist beim Selfie auch so: Man sieht die Gesichter nur kurz, die wie die Grimassen geschnitten sind, aber man guckt nicht mehr richtig ins Gesicht."

Digitalisierung beeinflusst Mode

Die "Fash 17"-Gewinnerinnen Livia und Hannah werden noch auf der Fashion Week feiern und sich die Modemessen ansehen. Hannah will sich nach dem Studium in New York umsehen, Livia möchte für Männer Jeansmode designen. Ihre Kollektionen zeigen: Die Digitalisierung hat schon längst Einfluss auf die Mode genommen, sie ist schneller geworden, meint Livia Honus: Dadurch, dass man so viel online sehe, habe man nicht mehr nur einen Trend in der Saison. "Es gibt unheimlich viele Trends und eigentlich hat man die Narrenfreiheit, alles zu machen, weil online alle alles machen - miteinander mixen, stylen. Es gibt eine viel größere Bandbreite als früher, als man nur die 'Vogue' oder die 'Elle' hatte, wo das abgebildet hatte, wo man online nicht diese ganze Vielfalt hatte."

Die Berlin Fashion Week endet am 7. Juli 2017.

Anke Harnack (re.) in der Model-Agentur.

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