Stand: 20.09.2017 10:29 Uhr

Bilder wie hochdramatische Theaterstücke

von Peter Helling

Wer Filme wie "Master and Commander" mag, wird seine Bilder lieben: Anton Melbye. Der Däne war der populärste Seemaler Europas, der "Byron der Malerei", seine Bilder sind voller Emotionen. Jeder, der etwas auf sich hielt, wollte ein Werk von ihm. Vor fast genau 200 Jahren geboren, kehrt sein Werk jetzt nach Hamburg zurück, wo Melbye lange lebte.

Die Gewalt des Meeres malerisch festgehalten

Von schäumendem Meer kann hier keine Rede sein: Dieses Meer ist rohe Materie, pure Masse - dunkelbraun-schwarze Gewalt. Ein solches Bild war in der Kunstgeschichte etwas ganz Neues.

"Es gibt immer einen Standpunkt, wo Sie sehen, da ist der Künstler verortet, und in Melbyes 'Sturmnacht' haben Sie das nicht mehr. Sie sind völlig losgelöst in dieser Wasserwelt, in diesem Himmel, der verschmilzt", erzählt Kuratorin Regine Gerhardt. Sie stellt Anton Melbye dem Hamburger Publikum als Maler des Meeres vor.

Der fast vergessene Künstler, vor 200 Jahren in Kopenhagen geboren, war Ende des 19. Jahrhunderts ein Star. Jeder wollte einen Melbye haben. Die schwedischen Könige, die dänischen Könige, sogar der osmanische Sultan habe bei ihm bestellt und auch der französische Kaiser, zählt Regine Gerhardt auf.

"Bilder mit unglaublicher Lebensnähe"

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Der dänische Marinemaler Anton Melbye (geboren 1818 in Kopenhagen; gestorben 1875 in Paris) war ein vielbeschäftigter Künstler und auch Professor an der Königlichen Akademie Kopenhagen. Lange lebte er in Hamburg und Paris.

Heute noch soll er über zahlreichen Hamburger Sofas hängen. Was dem Bayern der röhrende Hirsch, ist dem Hamburger sein Seestück: Ein Segelschiff in den Wassermassen. Doch Melbye kann mehr, unterstreicht Museumsdirektorin Anja Dauschek: "Ich finde, dass man in diesen Bildern diesen Umgang mit dem Meer, dem Wasser, in einer unglaublichen Intensität erleben kann. Es ist manchmal so lebensnah, dass man dem Bild schon gar nicht nahekommen will."

Stolze Fregatten versinken hinter Wellenbergen, darüber ein Wolkenturm, durch den ein Lichtstrahl stürzt. Melbye malte etwas bislang Undarstellbares: Live-Eindrücke von der Reling mitten auf See, schwärmt Regine Gerhardt.

Melbye ist oft zur See gefahren, zum Beispiel Mitte des 19. Jahrhunderts mit der französischen Marine an den Bosporus. Aber statt Kriegspropaganda malte er lieber lichtdurchflutete Buchten. Die Farben wechseln von nordischem Schwarzgraublau zu zarteren Perlmuttönen. Das könnte Kitsch werden - aber Melbye war ein Könner.

Werke vom Vorabend des Impressionismus

Seiten eines Kalenders © fotolia.com Fotograf: naftizin

Streit um Schleswig führt zum Krieg

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 1. Februar 1864 begann der Deutsch-Dänische Krieg. Dänemark hatte Anspruch auf das Fürstentum Schleswig erhoben; das rief Preußen und Österreich auf den Plan.

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Melbyes Bilder wirken noch wie hochdramatische Theaterstücke. Ein Impressionist sei er nicht gewesen, aber durchaus ein Vorläufer der Moderne, meint Anja Dauschek. In Hamburg, wo er den deutsch-dänischen Krieg erlebte, war er hochwillkommen: Hier liebte man die aufgewühlten - und manchmal spiegelglatten - Meeresporträts. Bei ihm glüht die Elbe bei Blankenese wie ein Sehnsuchtsfluss.

"Es gibt diese große Nähe zum eigenen Erleben von Meer hier in Hamburg, auch diese emotionale Nähe zur Schifffahrt. Dazu wollen wir einladen, über und unter Wasser dass Meer zu entdecken", sagt Anja Dauschek.

In den stillen Museumsräumen des Altonaer Museums meint man das Brausen zu hören, die Möwenschreie. Der Sprung in die tosende See ohne jedes Risiko an Leib und Leben: Hier ist er das reinste Vergnügen.

Impressionismus

Der Impressionismus ist eine Stilrichtung der Malerei, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstanden ist. Die Bilder zeigen vornehmlich Eindrücke aus der Natur und dem Großstadtleben. Die Maler und Malerinnen benutzen vorwiegend Pinselstriche, um Licht- und Schatteneffekte darzustellen. Die Figuren werden meistens skizziert, die Farben weisen oft sanfte Nuancen auf. Die Formen ergeben sich aus der Auseinandersetzung der Striche. Die Künstler wollten damit den Eindruck, den der Moment auslöste, wiedergeben. Berühmte Vertreter sind unter anderen Claude Monet, Edouard Manet und Max Liebermann. Der österreichische Maler Oskar Kokoschka wendet sich später dem Expressionismus zu. Auch in der Musik, der Fotografie und dem Film wird der Begriff verwendet.  

Bilder wie hochdramatische Theaterstücke

Er war der populärste Seemaler Europas. Jeder, der etwas auf sich hielt, wollte damals ein Werk von ihm. Das Altonaer Museum zeigt die bewegenden Meeresporträts Anton Melbyes.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765  Hamburg
Telefon:
(040) 428 135 3582
E-Mail:
info@altonaermuseum.de
Preis:
8,50 Euro (ermäßigt 5 Euro), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei, Führungen 2 Euro (zusätzlich zum Eintritt)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 19.09.2017 | 19:00 Uhr

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