Stand: 07.12.2017 13:31 Uhr

Natascha Wodin & Martina Gedeck: "Sie kam aus Mariupol"

An der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und West-Deutschland, zwischen Hamburg und Berlin, liegt der Schaalsee. Mit Blick auf den sommerlichen See hat Natascha Wodin - geboren als Natalja Nikolajewna Wdowina - die zerrissene Vergangenheit ihrer Familie aufgeschrieben. Dafür hat sich die 70-Jährige mit Hilfe eines ukrainischen Hobby-Genealogen auf die Suche im Internet gemacht. Stück für Stück puzzelt Natascha Wodin die Geschichte zusammen, die damit auch ihre eigene wird: Eltern, die in der Nazi-Zeit als Zwangsarbeiter nach Deutschland kamen. Nach Kriegsende das Leben in Lagern für "displaced persons" - also heimatlose Personen. Der Tod der Mutter, die sich das Leben nahm, als die Tochter zehn war.

Ein persönlicher Abend in Hannover

Über Natascha Wodin

Natascha Wodins Spur führt nach Mariupol, einem Badeort an der Krim, in die heutige Ukraine. Unversehens färben sich die blinden Flecke ein. Sie versteht, warum ihre Mutter Chopin spielen konnte, sie lernt ihre Tante durch deren Tagebücher kennen. Und sie findet sogar noch lebende Verwandte. Für den Roman "Sie kam aus Mariupol", mit dem Natascha Wodin ihre Familiengeschichte dem Vergessen entreißen konnte, erhielt sie 2017 unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse. Auch in ihren früheren Büchern setzt sich Natascha Wodin mit dem Thema der Entwurzelung, Fremdheit und Ortlosigkeit auseinander, mit Außenseiterexistenzen und Grenzgängern, mit der Diskrepanz zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit. Einer ihrer Fans ist Martina Gedeck, die das Buch zusammen mit der Autorin in Hannover vorstellte.

Natascha Wodin und Martina Gedeck.

Martina Gedeck trifft Natascha Wodin

Kulturjournal -

Stalin-Terror, Zwangsarbeit im Dritten Reich: Natascha Wodins bewegendes Buch "Sie kam aus Mariupol" gibt den Vergessenen eine Stimme - am Beispiel ihrer Mutter.

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Über Martina Gedeck

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Marina Gedeck liest aus dem Roman "Sie kam aus Mariupol".

"Die Gedeck" gehört zu den großen deutschen Schauspielerinnen. Ihre Rolle als Köchin in "Bella Martha" machte sie einem großen Publikum bekannt, zuletzt war sie in der Fernseh-Verfilmung von Ferdinand von Schirachs "Terror - Ihr Urteil" zu sehen. In ihrer Erinnerung ähnele das Gesicht ihrer Mutter dem von Martina Gedeck, so Natascha Wodin. Auch deshalb war es ein ganz besonderes Zusammentreffen von Schriftstellerin und Schauspielerin an diesem Abend in Hannover.

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