Stand: 09.08.2017 09:00 Uhr

Nicolas-Born-Preis an Julia Wolf und Franzobel

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gibt heute bekannt, wer in diesem Jahr den Nicolas-Born-Preis erhält. NDR Kultur Literaturchefin Ulrike Sárkány ist Mitglied der Jury und verrät, wer den Hauptpreis und wer den Debütpreis bekommt.

Frau Sárkány, wer wird in diesem Jahr ausgezeichnet?

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Die Schriftsteller Julia Wolf und Franzobel werden am 14. September im Sprengel Museum ausgezeichnet.

Ulrike Sárkány: Den mit 10.000 Euro dotierten Preis für das 'noch aufstrebende Talent' bekommt die Schriftstellerin Julia Wolf. Sie ist Jahrgang 1980 und hat bisher zwei Romane vorgelegt: "Alles ist jetzt" und "Walter Nowak bleibt liegen".

Und der mit 20.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an den Wiener Schriftsteller Franzobel (mit bürgerlichem Namen Franz Stefan Griebl), der in diesem Jahr mit seinem Roman "Das Floß der Medusa" ein absolut furioses Werk vorgelegt hat.

War das nicht früher einmal so, dass nur in Niedersachsen lebende Autoren den Nicolas-Born-Preis bekommen konnten?

Sárkány: Ja, das stimmt. Es ist das besondere Verdienst der Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić, den Preis für herausragende deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu öffnen. Seit 2015 ist das wichtigste Kriterium, dass die Preisträger im Sinn des Namensgebers Nicolas Born ein besonderes gesellschaftliches Interesse in ihrem literarischen Werk verfolgen.

Was man von Franzobel weiß, ist dass er ja auch ganz schön deftig und zotig schreibt. Trifft das denn auf ihn zu?

Sárkány: Ja, Franzobel ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren im Alter um die 50, die eine wirklich engagierte sozialpolitische Aussage haben. Die hat er in der Vergangenheit in ziemlich drastische Burlesken verpackt, die meistens in Österreich spielen, aber er macht auch schon mal Ausflüge, etwa zu den Leichenkatakomben von Palermo oder zur Grabeskirche in Jerusalem. Aber dass er so ein geschichtliches Ereignis als Hauptthema in den Blick nimmt, ist für ihn noch mal etwas ganz Neues.

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"Das Floss der Medusa" erschien bereits im Januar.

"Das Floß der Medusa" ist nur auf den ersten Blick ein historischer Roman, in dem die Ereignisse nach einem Schiffbruch 1816 vor der westafrikanischen Küste geschildert werden. Die Menschen, die auf dem ruderlosen Floß auf der offenen See treiben, sind schmählich im Stich gelassen worden und können nicht mehr anders, als sich sittenlos und unmenschlich zu verhalten. Das ist eine große Metapher für unsere Gegenwart.

Der Roman ist ja im Januar erschienen und hat schon viel Begeisterung ausgelöst. Übrigens wird er am 11. August im Literarischen Quartett bei Volker Weidermann im ZDF auch noch mal vorgestellt.

Die Preisverleihung an Julia Wolf und Franzobel findet am 14. September im Sprengel Museum in Hannover statt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 09.08.2017 | 09:20 Uhr

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