Stand: 18.03.2016 16:35 Uhr

Sandkastenspiele für Spätpubertierende

von Jan Ehlert

Eine Gruppe guter Freundinnen trifft sich, um gemeinsam über das Leben und die Liebe zu sprechen. Vor allem aber über Männer und Sex. In der Fernsehserie "Sex and the City" hat das hervorragend funktioniert, warum sollte es also nicht auch als Theaterstück erfolgreich sein?

Eine Theater-Szene auf der Bühne.

Ildiko von Kürthy macht Theater

Hamburg Journal -

Bestseller-Autorin Ildiko von Kürthy hat sich mit "Liebeslügen oder "Treue ist auch keine Lösung" an ihr erstes Theaterstück gewagt. Es geht - wie soll es anders sein - um Beziehungen.

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Bettgeschichten mit Babyfon

Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy greift am Hamburger Ernst Deutsch Theater für ihre drei Freundinnen in "Liebeslügen" auf bewährte Rollenklischees zurück: Da ist Nathalie (Anke Fiedler), der blonde Vamp, der in sehr kurzem Rock sehr breitbeinig auf der Bühne sitzt und von seinen zahlreichen Bettgeschichten erzählt. Birgit (Jasmin Wagner), die Blasse, Biedere, die unter zu wenig Selbstbewusstsein leidet und Julia (Caroline Kiesewetter), die Übermutter, die nicht mehr ohne Babyfon aus dem Haus gehen kann.

Dass dieses Treffen der drei Freundinnen kein harmloses Wiedersehen bleiben wird, das macht Regisseur Andreas Kaufmann von Beginn an deutlich: Ein WhatsApp-Dialog wird eingespielt, der verrät, dass der Mann einer der Freundinnen es mit der Treue offenbar nicht so genau nimmt.

Figurprobleme und vorgetäuschte Orgasmen

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Über Männer lässt sich herrlich lästern, das gilt auch für Nathalie, Birgit und Julia.

Das klingt vorhersehbar - und tatsächlich bietet dieser Abend wenige Überraschungen. Schnell sind die drei mitten im Gespräch über Figurprobleme und vorgetäuschte Orgasmen. Sätze wie "Wir wären längst ausgestorben, wenn wir Männer von Anfang an realistisch wahrnehmen würden" oder "Lieber viermal stöhnen als eine Nacht lang reden" sorgen dabei für garantierte Lacher im Publikum.

Doch den Schauspielerinnen fehlt die Leichtigkeit. Das freundschaftliche Frotzeln und Lästern wirkt zu hölzern, um mitzureißen. Daran sind auch die Dialoge mit schuld, die zu demonstrativ auf die schnellstmögliche Pointe zielen, anstatt den Dingen und Gesprächen Zeit zu geben, sich zu entwickeln: "'Ist das mit deinem Steuerberater noch aktuell?' - 'Der war ihr zu unemotional. Keine wirkliche Überraschung, wenn du mich fragst, bei einem Mann, der seine Boxershorts faltet, bevor er zum Beischlaf schreitet.'"

Unglaubwürdige Diskussion über Treue und Familie

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Ildikó von Kürthy ist als Autorin mit Büchern wie "Mondscheintarif" und "Sternschanze" erfolgreich. Zuletzt erschien von ihr "Neuland. Wie ich mich selber suchte und jemand ganz anderen fand."

So geht es knapp zweieinhalb Stunden. Das könnte witzig sein, wenn von Kürthy nicht versuchen würde, zusätzlich philosophische Weisheiten zu vermitteln. Die Diskussion der drei über Treue und Familienglück wirkt unglaubwürdig und verkommt zu Kalendersprüchen: "Wer Liebe will, muss auf Leidenschaft verzichten. Wer beides will, muss auf Treue verzichten."

Das liegt vor allem daran, weil die Figuren selbst zu unausgearbeitet sind. Was eben noch gesagt wurde, gilt kurz darauf nicht mehr: Erst lässt Birgit sich lang und tränenreich über das Unglück aus, dass sie keine Kinder bekommen kann. Kurz darauf eröffnet sie den überraschten Freundinnen, dass sie schwanger ist. Warum sie dies ausgerechnet im Sandkasten tut - ein Hinweis auf das Kind in uns allen? Auf Männer, die es wie Sand am Meer gibt? - das bleibt das Geheimnis von Regisseur Andreas Kaufmann.

Was so eine herrlich bissige Komödie hätte werden können, wirkt am Ende zu bemüht und angestrengt, um wirklich lustig zu sein. Mit Freundinnen auf dem Sofa zu Hause zu sitzen und zu lästern macht deutlich mehr Spaß.

Sandkastenspiele für Spätpubertierende

Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy lässt in ihrem ersten Theaterstück drei Freundinnen über Männer und Sex reden. Was eine gute Komödie hätte werden können, scheitert an hölzernen Dialogen.

Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
22087  Hamburg
Preis:
Zwischen 20 und 39 Euro
Kartenverkauf:
Information und Kartenreservierung
Telefon: (040) 22 70 14 20
E-Mail: tickets@ernst-deutsch-theater.de
Hinweis:
Vorstellungsbeginn immer um 19.30 Uhr, außer an folgenden Tagen:
20. März (15 und 19 Uhr)
26. März (15.30 Uhr)
27. März (15 Uhr)
3. April (19 Uhr)
10. April (19 Uhr)
17. April (19 Uhr)

Keine Vorstellungen an folgenden Tagen: 21. März, 28. März, 4. bis 6. April, 13. April
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