Stand: 14.02.2016 18:00 Uhr

Love is ... on air!

Liebesgeschichten verursachen Herzklopfen. Oder Bauchkribbeln. Oder beides zugleich. Es ist schön, sich an die erste Begegnung zu erinnern. An das lustige oder traurige, seltsame oder kuriose Erlebnis, mit dem alles begann. Zum Valentinstag haben Sie uns Ihre Liebesgeschichte erzählt und zugeschickt. Darunter waren viele romantische, anrührende, aber auch lustige Geschichten. Wir sind ganz verzaubert von so viel Liebe und haben daher entschieden, dass es gar nicht genug Liebesgeschichten geben kann. Wir sammeln weiter und werden uns auch ganz persönlich erzählen lassen, wie Paare zueinander gefunden haben - mit Fotos, Anekdoten und Filmaufnahmen.

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Wir suchen Ihre Liebesgeschichte aus dem wahren Leben. Machen Sie mit und schreiben Sie uns! Wir sind gespannt, was Sie uns von der Liebe zu erzählen haben. mehr

 

Eine Auswahl Ihrer Einsendungen

  • Der stolze Ritter vor der Drachenburg - Barbara Meinass, Bremen

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    Barbara Meinass 1960 im Strandhotel Cuxhaven.

    Im August 1960 war es, als ich zum ersten Mal an die Nordsee reiste. In Cuxhaven-Duhnen gab es abends Unterhaltung für die Kurgäste: Tanz im Festsaal eines Hotels. Mitreisende hatten meine Mutter und mich überredet, so eine Veranstaltung zu besuchen. Inmitten der Tanzkapelle agierte der Conférencier und machte anzügliche Witze. Mir als kleiner Gymnasiastin von knapp 16 Jahren war die Situation total peinlich, und ich wich den Blicken der pomadisierten tanzwilligen Herren immerzu aus. Neben uns saß eine Gruppe von (damals sogenannten) "späten Mädchen", die alle begierig die Hälse reckten, wenn sich ein solches Mannsbild den Tischen näherte. Meine Mutter, ihre ältere Freundin und deren dreißigjährige Tochter nippten an (wahrscheinlich) süßem Moselwein und betrachteten aufmerksam die Szenerie. In meinem damaligen Sprachgebrauch hätte man unseren Tisch "Drachenburg" genannt, an den sich nur ein äußerst wagemutiger Ritter herangetraut hätte... Gegen 22 Uhr betrat ein blonder, sportlich aussehender junger Mann - etwa Mitte 20, sonnengebräunt - die Szene, schaute sich um, wollte schon wieder gehen, dachte wohl: Alles, was mich interessiert, ist vergeben. Dann wandte er sich doch unserem Tisch zu, machte eine knappe Verbeugung und forderte mich in bravster Tanzstundenmanier zum gerade beginnenden Foxtrott auf. Bevor ich verstand, dass ich gemeint war, erklang die strenge Stimme meiner Mutter: "Junger Mann, da müssen Sie wohl erst einmal mich fragen!" Ich hätte im Parkettboden versinken mögen... Der "Ritter" ließ sich jedoch nicht beirren, schenkte meiner Mutter ein tapferes Lächeln, verbeugte sich artig: "Gnädige Frau, darf ich ihre Tochter ..."

    Den Foxtrott und einige weitere Hüpfübungen habe ich mit ihm zusammen ganz gut überstanden. Ich fand ihn sehr anziehend, aber wir waren beide etwas verlegen, wohl auch, weil uns die Musiker mit ihrem spießigen Programm überhaupt nicht gefielen. Da gab es ziemlich lächerliche Tanzspiele im Stil der eben vergangenen, späten 1950er-Jahre, an die wir uns heute nur noch mit Grausen erinnern. Die Verklemmtheit dieses Abends ist mir jedenfalls unvergessen geblieben.
    Am nächsten Morgen strahlte die Sonne, eine frische Nordseebrise ließ bunte Wimpel flattern, Wattwagen brachen zur Insel Neuwerk auf. Und ich "durfte" im rotweiß gestreiften, züchtig zugeknoteten Bademäntelchen den Studenten in seinem Strandkorb besuchen. Da sprang wohl der erste Funke über, trotz der wachsamen Mutter zwei Buhnen weiter. An einem der folgenden Abende lud mich der junge Mann zu einem Theaterabend ein - alles sehr förmlich. Doch danach förderte das Cuxhavener Nieselwetter die erste zarte Annäherung unter einem sehr kleinen Schirm...

    Aus diesem schüchternen Urlaubsflirt entwickelte sich ein jahrelanger intensiver Briefwechsel. Meine Familie bekam erst 1964 Telefon, heute kaum vorstellbar. Mit zunehmender Verliebtheit fieberten wir den gegenseitigen Besuchen entgegen. Es gab zwischenzeitlich auch Unterbrechungen, Unsicherheiten, familiäre Probleme; schließlich war ich acht Jahre jünger als dieser Mann. Und ich wollte und sollte erst einmal mein Abitur machen und ein Studium abschließen. Aber mittendrin, als ich endlich volljährig geworden war, verlobten wir uns und heiraten 1966. Das weißblaue Tanzkleid von Cuxhaven samt Petticoat habe ich aufgehoben. Kürzlich hat es unsere zwölfjährige Enkelin anprobiert und sehr gekichert, als ich ihr die dazu passende Geschichte erzählte. "Tja, Oma", meinte sie, "was wäre wohl gewesen, wenn der Opa damals die Drachenburg im Tanzsaal nicht erobert hätte...?" Aber er hat! Und so werden wir in diesem Jahr unsere Goldene Hochzeit feiern - natürlich in Cuxhaven, wo vor sechsundfünfzig Jahren alles begann...

  • Bauer sucht Frau fürs Leben - Christian Dreyer, Thunpadel

    Wie soll ein Landwirt aus dem niedersächsischen 80-Seelen-Ort Thunpadel, Landkreis Lüchow-Dannenberg, eine Frau fürs Leben kennen lernen? Doppelt schwierig wird das, wenn man auch noch in Göttingen am Studieren ist und nur an den Wochenenden nach Hause kommt...

    Meine Eltern hatten die Idee, meinen fünf Jahre älteren Bruder an eine landwirtschaftliche Partnervermittlung zu schicken, "sonst ward dat nix!" Ich dachte mir daraufhin, warum bloß meinen Bruder? Ich wollte schließlich auch eine Frau! In jener Zeit absolvierte ich gerade ein Praktikum in Hannover. Also fuhr ich einfach ein paar Tage später, ohne irgend jemandem davon zu erzählen, zu einer Partnervermittlung nach Osnabrück. Dort bekam ich zwar einige Vorschläge, wer zu mir passen könnte, aber letztlich war nicht eine Frau dabei, deren Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben zu mir passten. Eigentlich wollte ich schon aufgeben, bekam dann aber noch einen letzten Vorschlag - ergänzt um die Bitte, dort nicht vor 10 Uhr anzurufen, da die junge Frau aus Frankfurt am Main Nachtdienst hatte. So fasste ich mir ein Herz, rief zur passenden Zeit an, und unser erstes Gespräch dauerte gleich zwei Stunden. Wir verabredeten uns zum Abschluss, am Abend gleich noch einmal zu telefonieren, und dieses Telefonat dauerte dann schon fast vier Stunden...

    Eine Woche später (am 23. November 2004) trafen wir uns dann auf halbem Weg in Marburg und verbrachten einen sehr schönen Tag zusammen. Schon Weihnachten feierten wir gemeinsam in Frankfurt. So führten wir das erste Jahr über eine Fernbeziehung; entweder fuhr ich nach Frankfurt oder meine Frau nach Göttingen oder gar in mein kleines Thunpadel. Heute, fast 12 Jahre später, sind wir gut 10 Jahre verheiratet, haben drei tolle Kinder (ein Junge und zwei Mädchen) und lieben uns immer noch wie am ersten Tag! Mit unserer "Kupplerin", der Dame von der Partnervermittlung, verbindet uns noch heute eine Freundschaft. Und so schön unsere eigene Geschichte ist: So möchte ich auch anderen jungen Landwirten gerne Mut machen: Es ist nicht unmöglich, eine Frau - auch aus der Großstadt! - zu finden, die mit auf den Hof zieht und auf dem Land glücklich wird.

  • Der entführte Ehemann - Lyane Bornkessel, Hamburg

    Ein dreiviertel Jahr vor unserem fünften Hochzeitstag hatten wir unsere große Wohnung etwas außerhalb von Hamburg verkauft. Unsere Kinder waren aus dem Haus und wir wollten die große Wohnung nicht mehr behalten. Wir fanden in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung Unterschlupf. Zur gleichen Zeit wechselte ich meinen Job. Bis heute weiß ich nicht, warum danach alles so gekommen ist: Mein Mann zog sich immer mehr zurück. Wir redeten kaum noch miteinander, stritten viel und gingen fast nie mehr gemeinsam aus. Ich machte mehr und mehr eigene Dinge und merkte dabei nicht, wie wir uns voneinander entfernten. In meiner neuen Firma war alles bestens; ich hatte mich schnell eingearbeitet und fand auch bald Anerkennung bei meinem Chef und den neuen Kollegen. Besonders einer der neuen Kollegen hatte schnell ein Auge auf mich geworfen. Meine Kolleginnen warnten mich schon vor ihm. Dieser ein paar Jahre jüngere Kollege lud mich irgendwann zum Essen ein; natürlich unter dem Vorwand, unser neues Projekt in Ruhe zu besprechen. Und mir gefiel es, dass er mich interessant fand.

    Schon bald wurde daraus eine Affäre, die ich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Meinen Mann belog ich, dass sich die "Balken bogen". Irgendwann hielt ich es aber nicht mehr aus, und ich sagte ihm die Wahrheit. Am nächsten Tag verließ er die Wohnung und zog zu seiner Mutter. Nach ein paar Wochen ging mir der anfangs so charmante Kollege auf den Geist. Zumal ich schnell in der Firma erfuhr, dass er schon wieder eine Neue am Start hatte. Zwischendurch hatte ich mich immer häufiger mit meinen Mann getroffen. Bei diesen Gesprächen sahen wir dann auch ein, dass wir beide viele Fehler gemacht hatten. Und so beschlossen wir, es noch einmal miteinander zu versuchen.

    Der Tag unseres fünften Hochzeitstages kam immer näher. Und wir wollten, dass er für uns beide unvergesslich wird. Da mein Mann nicht so ein Organisator war, freute er sich, dass ich das in die Hand nehmen wollte. Es waren nur noch acht Wochen Zeit! Und plötzlich kam mir die Idee … In der kleinen Kirche des Bezirks, wo wir seit kurzem wohnten, gab es eine sehr aufgeschlossene Pastorin. Nachdem ich ihr kurz geschildert hatte, warum ich meinen Mann zum fünften Hochzeitstag mit "so etwas" überraschen wolle, willigte sie freudig ein. Mein Mann fragte nun immer öfter, je näher der Hochzeitstag kam: "Na, hast Du Dir schon was Schönes ausgedacht?" "Wart’s ab", antwortete ich ihm dann jedes Mal mit unschuldigem Gesicht...

    Am Vormittag unseres Hochzeitstages legte ich meinem Mann einen guten Anzug raus und meinte, er solle sich zur Feier des Tages besonders schick anziehen. Wir würden an einen ganz besonderen Ort fahren. Da es eine Überraschung für meinen Mann sein sollte, fuhr ich unser Auto. Eine ganze Weile chauffierte ich meinen Mann herum, plapperte munter darauf los und erzählte viele nebensächliche Dinge. Als wir uns dann der schrägen Auffahrt zu unserer kleinen Kirche näherten, verstummte mein Mann und rutschte immer tiefer in den Beifahrersitz. Eine letzte Biegung - und da standen sie: Meine Eltern, meine Tochter und die sympathische Pastorin. Alle mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Die Pastorin öffnete die Beifahrertür, mein Mann stieg sehr langsam und bedächtig aus und ahnte wohl jetzt, was auf ihn zukam. Sie begrüßte ihn dann mit den Worten: "Na, Überraschung gelungen? Ich kann Sie leider jetzt erst fragen, ob Sie Ihre Frau erneut heiraten wollen." Und er sagte trocken: "Jo." Zu mehr war er im Moment nicht fähig. Zwischenzeitlich war ich auch aus dem Auto gestiegen und hatte mich an die Seite meines Mannes gestellt. Er nahm mich ganz vorsichtig in den Arm, als könnte er die Atmosphäre dieses Augenblicks durch ruckartige Bewegungen zerstören und flüsterte leise in mein Ohr: "Ich glaube, nun werden wir unsere Silberhochzeit gemeinsam erleben." Seit diesem Tag sind 24 Jahre vergangen - und ich freue mich schon auf das nächste Jahr: unsere Silberhochzeit.

  • Die Mitfahrgelegenheit - Silke Juterczenka, Erkerode

    Ich war Studentin der Biologie im vierten Semester an der TU Braunschweig und hatte mich für die Pfingstwoche zu einer Exkursion auf die Liparischen Inseln angemeldet. Leider gab es viel mehr Anmeldungen als freie Plätze, und ich war unter den traurig Zurückbleibenden ...

    Enttäuscht beschloss ich, über Pfingsten meine Eltern in Kiel zu besuchen, und um Geld zu sparen, suchte ich mir am Schwarzen Brett in der Mensa eine Mitfahrgelegenheit. Der fremde Autobesitzer, ebenfalls Student mit Heimathafen Kiel, holte mich am Freitag nach Vorlesungsschluss ab und brachte mich ein paar Tage später auch wieder zurück nach Braunschweig. Bei diesen zwei Autofahrten - damals, im alten VW Käfer, noch gut fünf Stunden je Fahrtrichtung - hat es zwischen uns gefunkt. Und am Ende der Reise wussten wir beide: Wir hatten den ganz speziellen Menschen gefunden. Die Liparischen Inseln habe ich übrigens bis heute nicht gesehen, aber diese Mitfahrgelegenheit hat die Stürme des Lebens überdauert, alle Untiefen umschifft und hält nun schon fast 50 Jahre ...

  • Von Roland für Christel - Roland Strykala, Torgelow

    Du
    Du bereicherst mich da,
    wo ich arm war.

    Du ergänzt mich,
    wo mir etwas gefehlt hat.

    Du gibst mir,
    was ich nicht kannte.

    Du schenkst mir das,
    was ich nicht zu begehren wusste.

    Du schließt mich dort auf,
    wo es früher nicht mal ein Schloss gab.

  • Eine Ost-West- Liebesgeschichte … oder West-Ost - Matthias Weber, Ribnitz-Damgarten

    22 Jahre lang kamen Briefe und Päckchen von der Patentante aus dem Osten. Jetzt wollte er das Land hinter der Mauer kennenlernen. 1972 machte sich der Student auf den Weg nach Sachsen in ein ihm hinterwälderisch anmutendes Dorf; statt Geruch von Freiheit und Abenteuer gab es nur den Geruch von Trabant und trostloser Enge. Und ein Hauch von offenem Himmel: Er verliebte sich in die 17-jährige Tochter der Patentante!

    In den Monaten darauf schrieben sie sich täglich Briefe, trafen sich in Berlin, lachten viel und weinten noch mehr. Der offene Himmel - auch er war in diesen langen Jahren ein geteilter. Schließlich siegte die Vernunft und forderte ihr Opfer: die Liebe. Die Mauer schien dem Liebespaar unüberwindlich. Beide lebten ihr Leben in Ost und West, blieben aber immer in Kontakt. Als die Mauer 1989 schließlich fiel, waren sie beide mit anderen Dingen beschäftigt als mit ihrer alten Liebe. 40 Jahre mussten vergehen, bevor die beiden am 14.02.2003 ihre "Wiedervereinigung" feiern konnten. Jetzt leben sie zusammen im Nordosten Deutschlands und freuen sich, wenn sie schon nicht gemeinsam jung sein durften, immerhin gemeinsam alt werden zu können.

  • Richtig hingehört - Helga Neukirchen, Baunatal

    Der 2. Juni 1957 war ein Frühsommertag wie aus dem Bilderbuch. Ich wohnte damals am Bodensee und nutzte den Sonntagnachmittag für einen Spaziergang mit meiner Freundin. Wir waren Richtung Mainau unterwegs, als neben uns zwei Motorräder hielten. Junge Männer vom Campingplatz, wie sich herausstellte, die uns nach dem Weg zu einem Biergarten fragten. Es folgte eine schwierige Wegbeschreibung aus zwei Mündern gleichzeitig. Um das Beschreibungs-Chaos zu entwirren, boten die beiden uns an, ihnen den Weg vom Sozius aus zu erklären. Wir schwangen uns also hintendrauf. Meine Freundin Sylvia bei Manfred, ich bei Lothar - und los ging's. Am Ziel angekommen, mussten wir Mädels uns erst einmal aufhübschen. Meine Freundin schnatterte, kaum dass wir außer Hörweite waren, sofort drauflos: "Sag mal, welcher der beiden gefällt dir besser?" Ich druckste etwas herum. Dann vertraute ich ihr aber doch an, was mir beim Begrüßungshändedruck von Manfred durch den Kopf geschossen war. Seltsam genug war das ja ... Meine innere Stimme sagte nämlich klar und deutlich: "Das wird dein Mann!" Sylvia sah mich mit großen Augen entgeistert an und meinte dann grinsend: "Mensch, das wäre ja dann Liebe auf den ersten Blick." Fröhlich gesellten wir uns zu den Motorradfahrern. Im Schatten der alten Bäumen ließ es sich gut plaudern und ich nahm Manfred ins Visier. Ich konnte nicht leugnen - er gefiel mir sehr... Als wir den Rückweg antraten, setzte ich mich prompt bei ihm auf den Rücksitz.

    Was wir Mädchen aber in dem Moment nicht wussten: Die Jungs hatten während unserer Abwesenheit auch über uns gesprochen. Manfred mochte mich auf Anhieb, und so überlegten die beiden, wie sie denn herausfinden könnten, welches Mädchen sich für wen interessierte. Ihre Idee: Sie stellten ihre Motorräder exakt gleich nebeneinander, damit der Weg für uns beide gleich lang war! Wir Mädchen mussten also, ohne es zu ahnen, wählen - und entweder es regelt der Zufall, oder eine von uns sucht sich mit Absicht einen bestimmten Jungen aus. Was soll ich sagen, nun sind wir im August 58 Jahre verheiratet und ich bin immer noch glücklich, damals auf meine innere Stimme gehört zu haben..

  • Plötzlich rannte ich los... - Michael Spaeth, Hamburg

    Ich wollte mich nicht mehr verlieben. Da lernte ich vor 44 Jahren meine Frau Dorothea in Berlin kennen. Sie war von meinem Lächeln verzaubert, ich von Ihrer erfrischenden Offenheit. Wir waren jung und genossen die aufregende Zeit in diesen Tagen. Ich kannte nur ihren Vornamen und wusste nicht einmal, wo sie wohnte. Sie stieg aus meinem Käfer und ging über den Ku-Damm. Plötzlich rannte ich los, weil ich Angst hatte, sie nicht wiederzusehen. Ich sagte ihr, ich möchte sie wiedersehen und fragte sie nach ihrem Nachnamen und ihrer Adresse - der Beginn einer Liebe, die bis heute anhält. Wir sind jetzt 42 Jahre verheiratet und haben zwei große Kinder, die wir sehr lieben ...

  • Ehemänner darf man schlagen - Dorothea Lorenz-Schümann, Langwedel

    Es war ein sportlicher Zufall, dass wir uns überhaupt kennenlernen konnten, denn ich arbeitete und lebte in Bremen, während mein Mann in Hamburg zu Hause war. In meinem Sportverein wurde neben dem japanischen Kampfsport Aikido auch ganz neu Kendo angeboten, das japanische Stockfechten. Das wollte ich gern ausprobieren, also fuhr ich zu einem Wochenendlehrgang nach Hamburg. Wir bildeten eine große Runde in der Sporthalle und begannen mit den Übungen zum Aufwärmen. Als Anfängerin hatte ich noch keine Rüstung, wie die fortgeschrittenen Sportler. Ich schaute mir meine möglichen Trainingspartner der Reihe nach an und entschied mich dann für einen sympathisch aussehenden jungen Mann, dessen dunkle Haare bei jedem Sprung wippten. Seine dunklen Augen sahen neugierig zu mir herüber und machten mir Mut, es mit ihm zu versuchen.

    Er war flink und nicht so groß, wie einige der anderen Sportler. Nach dem Aufwärmen zog er seine Kendo-Rüstung an und ich durfte die ersten Techniken mit dem Shinai, dem japanischen Kampfstock anwenden. Dafür brauchte ich dann auch nicht so hoch zu springen, um seinen Kopf zu treffen. Die erste Begegnung mit meinem zukünftigen Ehemann lief also so ab, dass ich ihn nach Kendo-Art attackieren und schlagen durfte: Mit dem typischen lauten KIAI-Schrei bei jedem Treffer…

    Das war der Anfang unserer Beziehung. Wir lernten uns näher kennen und lieben. Ein paar Monate später waren wir schon verheiratet, das erste Kind war unterwegs. Die Hochzeit ist jetzt 33 Jahre her und wir haben es noch keinen Tag bereut. Mein Rat an alle Singles: Macht mehr Sport und traut euch, auch mal eine neue Sportart auszuprobieren!

  • Ich kann ja auch gehen; oder doch nicht? - Peter Thomsen, Molfsee bei Kiel

    An einem Ostermontag wollten meine beiden jüngeren Schwestern mit mir von Süderbrarup nach Kappeln zum Tanzen fahren. Ich war 21 Jahre alt und hatte bei der Bundeswehr meinen Führerschein gemacht, so dass ich als Fahrer des Autos unserer Mutter gebraucht wurde. Eine Freundin, die uns begleitete, war zwei Tage vorher vom Skifahren zurückgekommen; sie hatte dabei ein Mädchen aus Kappeln kennengelernt und bat uns nun, die junge Frau am Busbahnhof in Kappeln abzuholen. Wir fuhren dorthin und trafen auf ein Mädchen in hellblauem Mantel mit rotem Hut, die neben mir auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

    Im Tanzsaal saßen wir an einem Tisch. Ich bat darum, mir einen nächsten Tanz zu reservieren, sie sagte zu, aber da stand schon ein junger Mann vor ihr und forderte sie auf. Nach Ende des Tanzes lud sie der fremde Tänzer noch an die Bar, sodass sie erst später während des nächsten Tanzes zu unserem Tisch zurückkam. Ich meinte darauf leicht missgestimmt, dass der mir zugesagte Tanz ja schon fast vorbei sei, stand auf und ging - aber nur drei Schritte - drehte mich um und forderte sie auf. Zwei Minuten später war es um uns geschehen. Am gleichen Abend noch wurden wir ein Paar. Nach einem Jahr haben wir uns verlobt; im darauf folgenden Jahr haben wir geheiratet. In jedem Jahr am 11. April feiern wir beide diesen Tag - in diesem Jahr zum 50. Mal!

  • Drei, zwo, eins, abschicken! - Silka Leidner-von Harten, Ahrensburg

    August 2005. Nach einem kitschigen Fernsehfilm und einigen Gläsern Rotwein machte ich mir mit meiner Tochter den Spaß, bei einer Partnervermittlung im Internet einen Fragebogen auszufüllen (die Werbung dafür lief während des Films). Eigentlich hatte ich kurz nach meiner Scheidung absolut keine Ambitionen, wieder eine Verbindung einzugehen. Außerdem war es finanziell bei mir sehr eng, und um einen der Herren über diese Partnervermittlung kennenlernen zu können, hätte ich zuerst viel Geld bezahlen müssen. Allerdings ließ mich die Geschichte nicht los, und ich informierte mich weiter über andere Partnervermittlungen im Netz. Dabei stieß ich auf eine andere Agentur, deren Profilbögen mir sehr viel besser gefielen. Also füllte ich erneut einen Fragebogen aus, bekam auch wieder eine Liste mit Männern, die angeblich zu mir passen würden. Aber auch hier hätte ich erst kräftig bezahlen müssen, und das konnte ich mir absolut nicht leisten.

    Tagelang öffnete ich die Seite und schloss sie wieder - die Vernunft siegte - noch! Bis ich schwach wurde: Wie fremdgesteuert trug ich eines Tages meine Kontodaten ein und drückte auf "Abschicken". Hinterher ärgerte ich mich maßlos über meine Unvorsichtigkeit und Dummheit. Aber bereits am nächsten Tag war eine Mail eingetroffen: "Internationaler Beamter möchte Sie kennenlernen." Das Verrückte dabei war, dass uns wohl der Computer verkuppelte! Der besagte "Herr" hatte bis dahin mein Profil noch gar nicht gelesen und sträubte sich anfangs sogar gegen ein Kennenlernen, da wir nicht am selben Ort wohnten. Ich sah seine Zögerlichkeit jedoch nicht ein und überredete ihn, es wenigstens mit Mails und Telefonaten zu versuchen. Zwei Monate später trafen wir uns zum ersten Mal, waren uns aber durch unseren regen E-mail- und Telefonkontakt innerlich bereits sehr nahegekommen. Mittlerweile sind wir sieben Jahre glücklich miteinander verheiratet! Wie knapp alles war, erfuhr ich erst später: Nur eine Woche später hätte mein Mann seine Mitgliedschaft bei der Partnervermittlung gekündigt - ich hatte also gerade noch rechtzeitig auf den Knopf gedrückt.

  • Kurzentschlossen - Ursula Höger, Panker-Gadendorf

    Im Frühjahr 1963 hatte ich "endgültig" beschlossen, mich nicht mehr um die Männer zu kümmern. Dabei fühlte ich mich richtig gut, endgültig keine Probleme mehr zu haben. Am 30. April meinte mein Kollege im Büro zu mir, ich sollte mich doch nicht so haben und wenigstens heute zum Tanz in den Mai gehen. Der Gedanke ging mir dann nicht aus dem Kopf, und abends bin ich tatsächlich kurzentschlossen in Kiel in die Waldwiese gegangen. Schon fast um Mitternacht wurde ich von einem jungen Mann zum Tanz aufgefordert, der mir vorher noch nicht aufgefallen war, und wir tanzten, bis ich zum Bus gehen musste. Es war ein schöner Abend, den wir am nächsten Tag mit einem richtig schönen Ausflug fortsetzten und abends wieder zum Tanzen gingen.

    So haben wir uns in dieser Woche noch mehrfach getroffen und genau eine Woche später meinte Heinz - so hieß er - zu mir: "Wir könnten eigentlich heiraten." Ich hatte nichts dagegen und sagte ja, in der Meinung, wir verloben uns und heiraten dann irgendwann. Nein, meinte er, wir nehmen den nächstbesten Termin, der vom zuständigen Standesamt aus möglich ist. Dort auf dem Standesamt erfuhren wir, dass es der 29. Mai sein könnte. Also haben wir uns für diesen Tag zur Trauung angemeldet. Meine Eltern und Geschwister konnten es nicht fassen, aber meine Eltern haben uns dann einen schönen Hochzeitstag erleben lassen. In vier Wochen kann man nicht so viel vorbereiten, aber wir hatten auch keine besonderen Ansprüche. Ich habe dadurch eine Schwiegermutter und drei Schwägerinnen mit ihren Familien bekommen, die ich erst nach unserer Hochzeit kennenlernen konnte.

    Das ist jetzt fast 53 Jahre her. Es war bisher eine sehr schöne Zeit mit allen Höhen und Tiefen, die man erleben kann. Wir haben einen tollen Sohn, der in diesem Jahr 50 wird und drei wunderbare Enkel - und natürlich auch eine liebe Schwiegertochter. Wir sind sicher ein Beispiel dafür, dass man nicht ewig warten muss, um sich kennenzulernen. Es geht auch nach der Hochzeit! Meine jüngste Schwägerin ist dann übrigens die Ehefrau meines Bruders geworden. Die beiden steuern auch auf die Goldene Hochzeit zu…

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