Stand: 04.07.2017 08:37 Uhr

"Anna Karenina": Vertanzte Weltliteratur

von Annette Matz

Ein Traktor auf der Bühne, eine Spielzeugeisenbahn und Musik von Cat Stevens - mit diesen nicht immer angemessenen Zutaten hat Hamburgs Ballettchef John Neumeier seine "Anna Karenina" kreiert. Am Sonntag hatte das Stück an der Hamburgischen Staatsoper seine Uraufführung - zur Eröffnung der 43. Hamburger Ballett-Tage.

Anna Laudere und Edvard Revazov proben ihre Rollen als Anna Karenina und Graf Wronksi.

"Anna Karenina": Ein Traumpaar tanzt Ballett

Hamburg Journal -

Die Tänzer Anna Laudere und Edvard Revazov sind privat ein Paar, als Anna Karenina und Graf Wronksi haben sie eine Affäre. John Neumeier hat das Ballett nach dem Roman inszeniert.

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John Neumeier hat Leo Tolstois Geschichte aus dem Russland des 19. Jahrhunderts in die Gegenwart verlegt: Karenin ist ein Spitzenpolitiker, der mit seiner Frau Anna Karenina von einer Wahlkampfveranstaltung kommt. Damit beginnt ein Ballettabend, der die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert.

Passende Choreografie von John Neumeier

Die dramatischen Liebesgeschichten dreier Familien um Affären und Zurückweisung, bis zum Verlassen von Mann und Kind und dem Wieder- zueinander-Finden, sind vielschichtig. John Neumeier schafft es, sie so zu choreografieren, dass man folgen kann. Wohl eine der größten Leistungen des Abends. "Das ist nun wahrlich nicht leicht bei einer Geschichte, die mehr als zwei Protagonisten hat und bei der es um mehr geht als 'Boy meets Girl'", sagt Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda nach der Vorstellung.

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So sieht die Personen-Konstellation in Tolstois Roman "Anna Karenina" aus.

Wieder hat der Choreograf selbst das Bühnenbild entworfen: Wie in einer Filmkulisse werden angedeutete Räume hin- und hergeschoben. Mal sind wir im Ballsaal, mal in Karenins Wohnung, mal bei Graf Wronski und seiner Geliebten Anna Karenina zu Hause, mal auf dem Land - bei Lewin. Ihm kommt eine besondere Rolle zu. Seine Auftritte werden - ungewöhnlich für ein Ballett - von der Musik von Cat Stevens begleitet. Schmunzeln und einige beschämte Lacher im Publikum, als Lewin, getanzt von Aleix Martínez, zu "Morning Is Broken" im Takt mit der Sense sein Korn mäht.

Beeindruckende Präsenz von Anna Laudere als Anna Karenina

Getragen wird der Abend aber vor allem von zwei Komponisten: Tschaikowski als Reminiszenz zur Entstehungszeit des Romans und Alfred Schnittke, dessen dissonanten Töne die turbulenten Gefühle der Liebenden unterstreichen. Vor allem zwei Tänzerinnen beeindrucken durch ihre Präsenz: Anna Laudere, die die Anna Karenina im Laufe des Abends immer leidenschaftlicher in all ihrer Zerrissenheit tanzt. Ebenso Emilie Mazon, erst vor wenigen Monaten zur Solistin ernannt, als Kitty.

Am Ende werden Ensemble und Ballettchef gefeiert - mit Standing Ovations und Bravo-Rufen. Das Hamburger Publikum sieht das große Ganze. Plattitüden wie ein Traktor auf der Bühne, um Landleben zu illustrieren, und eine Spielzeugeisenbahn, die bei Bahnhofszenen von rechts nach links fährt, scheinen nebensächlich.

Der Roman als Ballett inszeniert: "Anna Karenina"

National Ballet of China zu Gast

Die 43. Hamburger Ballett-Tage dauern zwei Wochen. Gezeigt werden unter anderem Stücke aus dem Repertoire der Spielzeit wie "Peer Gynt" oder "Tatjana". Außerdem sind in diesem Jahr wieder Gäste eingeladen: Am 11. und 12. Juli gastiert das National Ballet of China. Am 16. Juli 2017 enden die Ballett-Tage traditionell mit der Nijinsky Gala.

Alle Vorstellungen von "Anna Karenina" sind bereits ausverkauft.

"Anna Karenina": Vertanzte Weltliteratur

Mit der Inszenierung von "Anna Karenina" hat Ballett-Direktor John Neumeier am Sonntag die Hamburger Ballett-Tage eröffnet. Es war ein komplexer Abend mit tollen Tänzern.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatsoper Hamburg
Dammtorstraße 28
20354  Hamburg
Telefon:
Tel. (040) 35 68 68
E-Mail:
ticket@staatsoper-hamburg.de
Preis:
8 EUR bis 195 EUR
Öffnungszeiten:
Mo bis Sa: 10 bis 18.30 Uhr
Während der Spielzeitpause 17. Juli - 13. August 2017)
Mo bis Fr: 10 bis 18.30 Uhr
Sa: 10 bis 14 Uhr 
Kartenverkauf:
www.hamburgballett.de
Hinweis:
In Zusammenarbeit mit dem Ballett des Bolschoi Theaters und dem National Ballet of Canada.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.07.2017 | 09:20 Uhr

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